Vandalismus, Diebstahl, sakrale Schändungen: Zahl der Angriffe auf christliche Gotteshäuser in Deutschland steigt

Zerstörte christliche Figuren in einer geschändeten Kirche.

von DR. STEFAN WINCKLER

BERLIN – Eine direkte Feindschaft erkennt der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Mathias Kopp, angesichts eines „zunehmend tabulosen“ Vandalismus in Kirchengebäuden: Die Täter gingen „immer brutaler und rücksichtsloser“ vor. Kopp: „Aufgebrochene Opferstöcke und umgestoßene, auseinandergebrochene Kerzen waren immer ärgerlich, aber seit 2015 haben wir es mit einer verschärften Dimension zu tun“. So gehe es auch um „Exkremente in Weihwasserbecken und Beichtstühlen, enthauptete Christus- und Heiligenstatuen, Zigarettenstummel und anderer Unrat vor Andachtsbildern, beschädigte Gebets- und Gesangbücher, umgestoßene Kirchenbänke, Altarbilder und ganze Altäre vernichtet durch Brandstiftung“.

Und eine EKD-Sprecherin stimmt zu: Kirchenvadalismus „trifft v.a. die Glaubenden, die sich dort geborgen fühlen. Und es zerstört ein Stück Vertrauen, dass Orte, die allen offen stehen, respektiert bleiben“. (WELT)

Laut der im Mai 2025 veröffentlichten Statistik des Bundeskriminalamts (BKA) für das Jahr 2024 erreichten Straftaten gegen Religionsgemeinschaften einen neuen Höchststand. Die Zahl der gegen Kirchen gerichteten Straftaten stieg im Jahr 2024 um rund 21 Proznt gegenüber dem Vorjahr. Deutschland verzeichnet dabei im europäischen Vergleich eine besonders hohe Zahl an Brandanschlägen auf Gotteshäuser. So meldeten Landeskriminalämter für das Jahr 2024 allein in Nordrhein-Westfalen 413 und in Bayern 231 Fälle von Kirchenschändungen. Die Vorfälle reichen dabei von Vandalismus bis hin zu Diebstahl, Schmierereien und Zerstörung von Inventar.

Altötting

In der Nacht auf Pfingstsonntag 2025 randalierte ein 19jähriger Mann in der Wallfahrtskirche St. Anna. Als er am nächsten Morgen entdeckt wurde und mehrere Polizeistreifen anrückten, leistete der Täter Widerstand und biss einer Polizistin in den Oberschenkel. „In der Basilika entstand ein Sachschaden im mittleren fünfstelligen Bereich. Den Mann erwartet nun ein Strafverfahren wegen Sachbeschädigung, Störung der Religionsausübung, Hausfriedensbruch und Angriffs auf Vollstreckungsbeamte. Aufgrund der ,Gesamtumstände‘ sei der Beschuldigte anschließend in einer psychiatrischen Klinik untergebracht worden“, so die Polizei. (BR)

Traunreut in Oberbayern

Die Polizei ermittelte wegen Fällen von Vandalismus in vier Kirchen in Traunreut. Schließlich stellte sich ein Ehepaar (22 und 26 Jahre). Es gab zu, u.a. die Altarräume verwüstet zu haben. Als Motiv nannte es eine „grundsätzliche Abneigung gegen die Kirchen“.

Was war passiert? Nach Angaben eines Polizeisprechers wurden an drei Tagen im Juni 2025 in den frei zugänglichen Gotteshäusern u.a. Kerzen umgestoßen, liturgische Gegenstände verstreut und eine Marienstatue mit Wachs überzogen. Die Täter nahmen Infomaterial der Kirchengemeinden mit und hinterließen eigene Flugblätter und Aufkleber mit QR-Codes.

Das Täter-Paar muss sich wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch verantworten. (Antenne Bayern)

Bistum Würzburg

Der Pressesprecher der eher ländlich geprägten Diözese, Markus Hauk, verweist auf aufgebrochene Opferstöcke und damit auf materielle Motive, während Vandalismus in Unterfranken „kein großes Thema“ sei. So stahl ein Mann im Jahr 2024 einen „dreistelligen Bargeldbetrag aus der Spendenbox der Aschaffenburger Muttergottespfarrkirche. Nicht der erste Diebstahl in der Kirche. In Lohr riss ein Unbekannter in der ehemaligen Kapuzinerkirche den Opferstock von der Wand. Gleiches geschah im Großheubacher Kloster Engelberg. Auch dort lösten laut Polizei wohl mehrere Unbekannte einen schweren Opferstock von der Wand und verschwanden damit“. Nach den Erkenntnissen der Katholischen Nachrichtenagentur seien die Zahlen solcher Diebstähle seit Jahren konstant. (Main-Echo)

Ursachen und Anlässe

Der Religionssoziologe Prof. Detlef Pollack erklärte gegenüber dpa, antikirchliche und antireligiöse Tendenzen hätten seit den 2010er Jahren stark zugenommen: „Das hängt vermutlich mit den Missbrauchsfällen, dem kirchlichen Umgang mit ihnen und ihrer medialen Diskussion zusammen“. (WELT)

Kein Weg zu steil – ein Fall aus den Schweizer Alpen

Auf dem Basòdino (3.272 Meter) in Tessin entwurzelten ein oder mehrere Täter ein Gipfelkreuz und eine Madonna. Das Bergtagebuch, in dem Wanderer ihre Erinnerungen niederschrieben, wurde zerrissen (August 2025).

Die Debatte um Gipfelkreuze ist nicht neu. Die Freidenker-Vereinigung der Schweiz (FVS) forderte 2010 ihre Abschaffung – „auf legalem Wege“. Sie möchte christliche Symbole aus der Öffentlichkeit verbannen lassen, aber sie distanziert sich von den Zerstörungsaktionen des Bergführers Patrick Bussard aus dem Kanton Fribourg. Er beschädigte mehrere Gipfelkreuze oder sägte sie um. Begründung: „Die Berge gehören allen, dort haben solche Symbole nichts zu suchen“. Darüber wollte er eine Debatte entfachen. „2012 wurde er verurteilt – (…) nicht wegen Sachbeschädigung, sondern weil er nach Auffassung des Richters gegen die Glaubensfreiheit verstoßen hatte“. Die Buße: 90 Tagessätze à 10 Franken, verteilt auf drei Jahre. (Jesus.ch, hpd)

Bildquelle:

Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende

Jetzt spenden (per PayPal)

Jetzt abonnieren