Viva Italia! Von märchenhaften Aufstieg einer Kellnerin an die Spitze Italiens

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Liebe Leserinnen und Leser,

der mediale Mainstream hyperventiliert heute Morgen. Und versucht nach Kräften zu relativieren. Der „Rechts-Block“ von Giorgia Meloni in Italien habe ja gar keine Mehrheit der Wähler erhalten, sondern nur eine der Sitze. Und die Wahlbeteiligung sei so niedrig wie nie zuvor gewesen, eine „historisch niedrige Wahlbeteiligung“, wenngleich zwei Drittel der Wähler natürlich abgestimmt haben. Und die Linke sei selbst schuld, weil zerstritten. Und so weiter.

Aber bringen wir es auf den Punkt

Giorgia Meloni wird die erste Frau an der Spitze einer italienischen Regierung. Ihre Fratelli d’Italia ist die stärkste Partei geworden mit einem fulminanten Stimmenzuwachs. Italien hat sich entschieden und die geballte Linke einfach weggefegt. Und deshalb: Herzlichen Glückwunsch, Giorgia Meloni zu diesem herausragenden Wahlsiegt. Punkt!

Es gibt nichts zu relativieren an dem Wahlergebnis, aber natürlich schauen wir ein wenig genauer hin

Vor vier Jahren hatte Melonis Partei noch magere 4,3 Prozent der Stimmen erhalten, gestern waren es 24,6 Prozent – ein sagenhaftes Plus von 20 Prozent. Das muss man dieser Frau erst einmal nachmachen. Aber natürlich ist dieser Stimmenzuwachs nicht vorwiegend aus dem linken und grünen Lager entstanden, sondern zu einem beträchtlichen Teil zu Lasten der Partnerparteien. So verlor Salvinis Lega rund neun Prozent, mehr als die Hälfte der bisherigen Wähler, und erreichte noch 8,5 Prozent (2018: 17,6), was eine Halbierung des bisherigen Wählerstammes bedeutet. Und die Forza Italia Berlusconis fiel auf auf 8,0 Prozent (2018: 14,4).

Auch in Italien finden die Wählerströme im Wesentlichen innerhalb des entweder rechten oder linken Lagers statt. Eine direkte Massenflucht aus einem Lager in das andere ist eine Seltenheit und kommt nur vor, wenn es auf der einen Seite zuvor gravierende Eruptionen gab.

Auch in Italien hat sich natürlich wieder gezeigt, dass die Person an der Spitze außergewöhnlich sein muss, ein „Leuchtturm“, wie wir das in Deutschland nennen, wenn es um die Aussichten für neue Parteien geht. Und Meloni ist außergewöhnlich, sie kann Massenkundgebungen rocken, obwohl sie nicht die Kandidatin zum Knuddeln ist. Die Tochter eines Steuerberaters und einer Buchautorin, die Liebesromane verfasste, hat einen bunten Lebensweg hinter sich. Sie absolvierte eine Sprachenausbildung an einer Hotelfachschule und arbeitete in der Gastronomie: als Kellnerin, als Barfrau in einer Diskothek und als Kindermädchen im Haushalt des Showmasters Fiorello. Und sie kann sehr direkt, sehr hart sein, wie es aus ihrem Umfeld heißt.

Und künftig regiert sie Italien.

Ich liebe solche Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichten, wie wir sie vorwiegend aus Amerika kennen.

Und ich bin gespannt, wie sie das Ding jetzt wuppt mit ihren beiden ungleichen Partnern Salvini und Berlusconi. Der eine politisch in der eigenen Partei schwer angeschlagen, der andere schwerreich aber im fortgeschrittenen Alter, dem Bunga-Bunga für immer nachhängen wird. Frau Meloni, da bin ich sicher, wird jetzt ansagen, was Sache ist. Und sie stellte auch am Abend ihres bisher größten Triumphes fest: Italien wird ein verlässlicher Partner in EU und NATO bleiben, und natürlich wird auch der Euro nicht abgeschafft. Alles andere steht ab jetzt nun dem Prüfstand. Viva Italia!

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.