Von der Entzauberung einstiger Hoffnungsträger

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von KLAUS KELLE

Wahlen werden in der Mitte gewonnen. Das wissen Wahlstrategen und Demoskopen seit Jahrzehnten. Klar, gibt es immer mal Ausnahmefälle in politischen Extremsituationen, und meine FB-Freundin Edda wird heute sicher irgendwann wieder schreiben, dass ich mich ja bei Trump geirrt habe. Sei’s drum! In der aktuellen Umfrage rangieren die Grünen bei sieben und die AfD bei acht Prozent. Zwei Parteien, die lange hoch geflogen sind und bei denen man nicht ausschließen kann, dass sie bis September auch noch tiefer fallen können.

Die Grünen sind entzaubert, sie haben lange die Themen in Deutschland gesetzt, hinter denen dann fast alle anderen hergehechelt sind. Doch der Reiz des Neuen, das Sympathische, das Unkonventionelle sind längst verschwunden. Eine Spießerpartei sind sie, einst für mehr Freiheit und Demokratie angetreten, nun zu einer freudlosen Verbots-Partei mutiert, die Menschen qua Gesetz zu ihrem Glück zwingen will. Und die Polizisten denunziert, während die Bevölkerung Polizisten dankbar ist.

Und die AfD? Sie hatte das Zeug, erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik zu einer etablierten Partei rechts von der Union zu werden. Wahrscheinlich hat sie es immer noch, aber die Chancen werden Tag für Tag schlechter. Auftritte einzelner Politiker, die wie eine Reminiszenz an vergangene schwarze Stunden unserer Geschichte anmuten, mit stahlblauen Augen, den Blick nach oben gerichtet, Parolen in den Abendhimmel von Erfurt gebrüllt. Das freut ein kleines Publikum am Rand, aber das ist nicht das, was „das Volk“, wie man in diesen Kreisen gern sagt, will. Pöstchenjägerei, schmutzige Intrigen, Dienstwagen aussuchen, bevor eine Wahl überhaupt stattgefunden hat, auch das wollen die Wähler ganz sicher nicht, die auf eine Alternative hofften.

Nichts ist entschieden, übrigens auch nicht, dass Frau Merkel im September wieder Kanzlerin wird. Der Wahlkampf kommt in Fahrt, es wird spannend.

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.