Vor 45 Jahren befreiten die Israelis die Geiseln auf dem Flughafen Entebbe (Uganda)

Jubel in Israel über die Befreiung der Geiseln von Entebbe
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von MARC KNIFFKA

ENTEBBE – Heute vor 45 Jahren endete mit der Operation Entebbe eine der spektakulärsten Flugzeugentführungen der Geschichte. In der Nacht zum 4.Juli 1976 stürmten israelische Elitesoldaten das Flughafenterminal von Entebbe, wo die Geiseln des entführten Airbus A300 der Air France gefangen gehalten waren.

Es war der 27.Juni 1976 als Flug 139 der Air France auf seiner planmäßigen Route von Tel Aviv über Athen nach Paris kurz nach dem Start in Athen von Terroristen entführt wurde. An Bord des Airbus A300 befanden sich 258 Fluggäste, sowie zwölf Besatzungsmitglieder – darunter die vier Terroristen, die eben noch in Athen zugestiegen waren. Im Handgepäck der zwei palästinensischen und der beiden deutschen Terroristen befanden sich mehrere Schusswaffen, Handgranaten und Sprengstoff. Kurz nach dem Start meldete sich aus dem Cockpit Wilfried Böse unter dem Decknamen Basil al-Kubaisy und verkündete, dass im Namen des „Kommando Guevara Gaza“ der Airbus entführt sei. Die Terroristen forderten die Freilassung von 53 Inhaftierten aus Gefängnissen in Deutschland, Frankreich, Israel und der Schweiz. Darunter waren Mitglieder der RAF, der Bewegung 2.Juni, sowie Terroristen der Japanischen Roten Armee. Zudem forderten die Entführer fünf Millionen US-Dollar, sowie das Flugzeug als Fluchtfahrzeug.

Von Athen aus dirigierten die Entführer den Airbus nach Bengasi in Libyen, wo das Flugzeug aufgetankt wurde. Nach einem weiteren fünfstündigen Flug Richtung Zentralafrika landete das Flugzeug schließlich am Vormittag des 28.Juni auf dem Flughafen von Entebbe nahe der ugandischen Hauptstadt Kampala. Auf dem Flughafen schlossen sich den vier Entführern weitere palästinensische Terroristen an, die laut israelischen Vorwürfen mit dem Privatjet von Idi Amin, dem damaligen Präsidenten Ugandas, nach Entebbe eingeflogen waren. Amin gab hingegen an, dass er angeblich nichts vorab von der Flugzeugentführung gewusst habe und lediglich eine Landung auf ugandischem Staatsgebiet aus humanitären Gründen zugestimmt hatte.

Auf dem Flughafen wurden die Passagiere und Besatzungsmitglieder in das Flughafenterminal getrieben und dort nach jüdischen und nicht-jüdischen Passagieren selektiert. Die Selektion nahmen Wilfried Böse und die deutsche Terroristen Brigitte Kuhlmann persönlich vor und sortierten die Geiseln nach ihren Staatsangehörigkeiten, als auch nach ihren jüdisch klingenden Nachnamen aus. Die übrigen Geiseln, sowie die Besatzungsmitglieder sollten nach Ankündigung der Entführer freigelassen werden und mit einer anderen bereitgestellten Maschine das Land verlassen dürfen.

Dem stellte sich der Flugkapitän Michel Bacos mit seiner Besatzung entgegen und erklärte, dass er und seine Besatzung für alle Passagiere verantwortlich seien und deshalb ebenso bleiben wollten. Auch eine französische Nonne wollte im Austausch gegen eine jüdische Geisel bleiben, wurde aber von ugandischen Soldaten in die bereits wartende Air-France Maschine gezwungen.

In den folgenden Tagen sammelte das israelische Militär und der Mossad von den freigelassenen Geiseln, als auch von der Baufirma des Flughafens, Informationen über den Flughafen, die Terroristen, sowie über das ugandische Militär und entwarf einen Plan zur Befreiung der verbliebenen Geiseln in Entebbe. Ein Kommando von rund 100 in ugandischen Militäruniformen verkleideten israelischen Elitesoldaten flog daraufhin getarnt im Tiefflug in mehreren Transportmaschinen, begleitet von israelischen Phantom-Jets, nach Entebbe ein und landete nachts sicher auf dem Flughafen. Unter Täuschung des ugandischen Militärs wurde ein schwarzer Mercedes und einige Landrover entladen, wovon die Soldaten dachten, dass es sich um eine private Wagenkolonne ihres Präsidenten handeln würde.

Im Schutz der Dunkelheit fuhr die Wagenkolonne direkt auf das Terminal zu, wo es schließlich zu Schusswechseln kam, als zwei Wachleute die Fahrzeugkolonne überprüfen wollten. Daraufhin eröffnete das ugandische Militär ebenfalls das Feuer und es kam zu einem heftigen Feuergefecht. Mindestens 20 ugandische Soldaten und Oberstleutnant Yonatan Netanyahu, ein Bruder des späteren israelischen Ministerpräsidenten, wurden dabei erschossen. Aus weiteren – nur Minuten später gelandeten – Lastflugzeugen wurden gepanzerte Fahrzeuge ausgeladen, mit denen der Rückweg gesichert und die ugandischen Soldaten vor Ort bekämpft wurden. Die mit ugandischen Uniformen verkleidete Kommandoeinheit drang rasch in das Hauptgebäude ein, in dem die 105 Geiseln festgehalten wurden. Die israelischen Kämpfer erstürmten das Gebäude und schossen nach Befehl auf alle stehenden Personen. Bei dem einsetzenden Schusswechsel wurden die Geiselnehmer getötet, es starben aber auch drei Geiseln im Schusswechsel.

Zeitgleich wurden auf dem Rollfeld die MIG-Jäger der ugandischen Luftwaffe zerstört und die Flugzeuge der israelischen Einsatztruppe wieder aufgetankt, so dass nach dem erfolgten Einsatz die Eliteeinheit und die befreiten Geiseln schnell Richtung Nairobi in Kenia fliehen konnten.

Eine in Uganda verbliebende Geisel befand sich zum Zeitpunkt der Geiselbefreiung im Krankenhaus und wurde am nächsten Tag auf Befehl Idi Amins unmittelbar vom ugandischen Geheimdienst getötet. Auch ließ Amin mehrere hundert Kenianer in Uganda umbringen, da er davon ausging, dass Kenia mit den Befreiern kooperiert hatte. Es dauerte aber noch drei weitere Jahre des schrecklichen Terrors bis Idi Amin gestürzt wurde und nicht mehr als Helfershelfer des Terrorismus agieren konnte.

Im UN-Sicherheitsrat wurde in der Folge die Geiselbefreiung thematisiert, wobei es aber zu keiner ausdrücklichen Verurteilung Israels kam. Ein Jahr nach Entebbe kam es zu einem vergleichbaren Vorfall mit der Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut nach Mogadischu. Die deutschen und internationalen Krisenstäbe hatten aus Entebbe gelernt und waren deshalb nicht mehr bereit mit Entführern und Terroristen zu verhandeln. Dem Hijacking – den Flugzeugentführungen – hat indes Entebbe keinen Abbruch getan. In den folgenden Jahrzehnten kam es immer wieder zu Terrorakten, die ihren bisherigen Höhepunkt in 9/11 gefunden haben.

Bildquelle:

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.