Vor 450 Jahren stoppte eine „Heilige Allianz“ die Osmanen bei Lepanto

Zeitgenössische Darstellung der Schlacht von Lewanto.
Anzeige

von DIETRICH KANTEL

Die türkisch-osmanischen Seestreitkraft hatte sich bis zum 16. Jahrhundert den Mythos der Unbesiegbarkeit erworben und den Einfluß des Islam auch in den Mittelmeerräumen mit Feuer und Schwert ausgeweitet. Vor 450 Jahren kulminierte die Eroberungsstrategie der Osmanen in der Eroberung Zyperns durch die Flotte des osmanischen Admirals Ali Pascha. Bis dahin gehörte die Insel mit ihren großen Kupfervorkommen de facto zu Venedig. Es war Papst Pius V., der den Widerstand gegen das weitere Vordringen des Islam organisierte. Er formierte die Heilige Liga der christlichen Seemächte Spanien, Venedig und Genua. Dieser Allianz schlossen sich alsbald weitere Mächte an wie Savoyen, Florenz und Parma.

An einem Sonntag, es war der 7. Oktober 1571, hatten sich die bis dahin den Mittelmeerraum dominierende osmanische Flotte einerseits und die vereinigten Seestreitkräfte der christlichen Allianz im Ionischen Meer vor der Nordküste des Peleponnes formiert und es kam zum Showdown. Gleich nach der Sonntagmorgenmesse gab der Oberkommandierende der Heiligen Allianz, Juan de Austria, mit einem Kanonenschuß aus der Bugkanone seiner Galeone das Signal zum Angriff: Um Punkt 10 Uhr griffen die Verbände der Heiligen Liga die feindliche Flotte an. Der Ausgang der folgenden Seeschlacht war keineswegs ausgemacht. Die Kräfteverhältnisse und der Mythos vermeintlicher Unbesiegbarkeit sprachen eher für die Osmanen.

Die türkisch-osmanische Übermacht …

Die Übermacht der osmanischen Seestreitkräfte im Mittelmeer zu dieser Zeit war beachtlich. Bis zu 600 einsatzbereite Galeeren standen im Mittelmeer zur Verfügung mit insgesamt 150.000 Mann Besatzung. Daraus formierte Admiral Ali Pascha gegen die Verbände der Heiligen Liga eine Flotte von 255 Galeeren mit 80.000 Mann Besatzung. Davon waren 46.000 Matrosen und Ruderer und 34.000 Soldaten.

Demgegenüber konnte die christliche Allianz nur 213 Geleeren aufbieten mit 68.000 Mann Besatzung, bestehend aus 40.000 Matrosen und Ruderern und 28.000 Soldaten. Jedoch lagen zwei Vorteile auf Seiten der Liga-Flotte: Die intelligentere Taktik der Schiffskommandanten unter der Gesamtführung von Don Juan de Austria. Und neue Waffentechnologie, welche diese durchschlagskräftigere Taktik erst ermöglichte. So verfügten die venezianischen Verbände über weiter entwickelte Galeeren, die Galeonen. Diese größeren Schiffe verfügten über mehr Ruderer und konnten in der Angriffsformation im Bug mit größeren Kanonen aus größerer Distanz feuern als die Osmanen. Außerdem hatten die Venezianer eine weitere Neuerung eingeführt: Nunmehr verfügten zahlreiche Schiffe auch über eine Bestückung mit Kanonen an Steuer- und Backbordseite. Damit konnten dann auch feindliche Schiffe unter Beschuss genommen werden, die im Begriff waren längsseits zum Entern anzusteuern.

…erlebt ein Desaster

Der Ausgang der Seeschlacht, die seither den Namen von Lepanto trägt, dem italienisch/lateinischen Namen für die griechische Hafenstadt Nafpaktos am Eingang zum Golf von Korinth, endete in einem vollständigen, so nicht zu erwarten gewesenen Desaster für die osmanischen Streitkräfte. 30.000 Mannschaften getötet, 90 Schiffe versenkt, 117 Schiffe durch die Flotte der Heiligen Liga erbeutet. Und auch das noch: Der Oberkommandierende Admiral Ali Pascha in der Seeschlacht auf seinem Schiff gefallen.

Demgegenüber hatten die Kräfte der Heiligen Liga lediglich 8.000 Tote zu beklagen und verloren lediglich 13 Schiffe. Damit war die türkisch-osmanische Seemacht im Mittelmeer endgültig gebrochen. Psychologisch hatte der Ausgang dieser Seeschlacht enorme Wirkung: Der Mythos der Unbesiegbarkeit der Osmanen auf dem Meer war gebrochen.

Doch in Ermangelung von Landstreitkräften der Heiligen Allianz, die alsbald wieder verfiel, sollte es noch einmal über 100 Jahre brauchen, bis der türkisch-osmanisch-islamische Vormarsch auf dem Land auch in Südosteuropa endgültig gestoppt werden konnte:

1683 belagerten die Türken erneut Wien, die damalige de facto Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Mit vereinten Kräften des Wiener Stadtkommandanten Graf von Starhemberg, dem Lothringer Karl V. und vor allem, nicht wegzudenken, dem herbeigeeilten Ersatzheer von Polens König Johann III. „Sobiezki“ wurden die Osmanen endgültig in ihrer Expansion gestoppt.

Die Geschichte um den Entsatz von Wien und dem Heiligen Reich Deutscher Nation ist natürlich eine andere, weitere Geschichte.

Bildquelle:

  • Schlacht_von_Lepanto: thegermanz
Anzeige

Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende

Jetzt spenden (per PayPal)

Jetzt abonnieren