Vor 730 Jahren haben die Besseren verloren – wenn wir jetzt verlieren, dann wird es dunkel auf der Erde

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Liebe Leserinnen und Leser,

Sie dürfen mir glauben, dass ich nicht für Krieg bin, auch nicht dafür, persönliche Probleme mit Gewalt zu lösen. Aber ich bin auch nicht naiv wie die Peacenicks mit ihrem dusseligen Leitspruch, nach dem Krieg „nie die Lösung“ ist. Sagen Sie das mal den Überlebenden von Auschwitz, die nur deshalb überlebten, weil Soldaten der Roten Armee dem Wahnsinn ein Ende machten. Und ohne die Landung der westlichen Alliierten 1944 säßen Hitlers Nachfolger wohlmöglich immer noch in einem Bunker in Berlin und befehligten Armeen, die es gar nicht mehr gibt. Und wir würden uns auf der Straße nicht mit „hey, Alder“ grüßen, sondern mit „Heil, irgendwas“. Es gibt überflüssige Kriege, dumme Kriege, natürlich, aber es gibt auch Befreiungskriege, Verteidigungskriege, die richtig und gerechtfertigt waren und sind. Und ja, im Krieg werden Menschen getötet, viele Menschen, und jedes Opfer ist eine Tragödie.

Ohne Militär, ohne Soldaten geht es nicht auf einer Welt voller Irrer, die das Töten für legitime Machtpolitik halten. Und deshalb ist es umso wichtiger, selbst Soldaten und eine Armee zu haben, die top ausgebildet und ausgerüstet sind, um die Bösen in Schach zu halten. Das vorab.

Gestern vor 730 Jahren haben die Besseren verloren. In Akkon, einer Hafenstadt im Norden des heutigen Israels. Bis zu 150.000 Soldaten aus Syrien und Ägypten marschierten auf, um die letzte Bastion der christlichen Kreuzfahrer zu schleifen, und den Nahen Osten ein für allemal von den Christen zu säubern. Die waren überhaupt nur da, weil 1095 Papst Urban II zum ersten Kreuzzug aufgerufen hatte, und sich gewaltige christliche Heere aufmachten, die Pilgerströme im Heiligen Land vor gewalttätigen muslimischen Mörderbanden zu beschützen. Und Kirchenfeinde unserer Tage haben Unrecht und keine Ahnung über die Historie, wenn sie die Kreuzfahrer als machtgeile Eroberer darstellen, denn gerade das waren sie ursprünglich nicht.

Aber ja, auch die Kreuzfahrer verübten Massaker, töteten unbewaffnete Menschen, verfielen dem Blutrausch und der Raserei, die dem Krieg so eigen sind. Das ist nicht zu rechtfertigen, niemals, aber es gehört wohl immer dazu. Ob Sie das Massaker amerikanischer Soldaten 1968 in Mỹ Lai nehmen, die Vergewaltigungsorgien sowjetischer Rotarmisten 1945 in Berlin oder die nackte Gewalt gegen Deutsche bei der Vertreibung von drei Millionen Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Tschechoslowakei. Als Junge habe ich ein Buch („Der Treck“) darüber gelesen, in dem die unbeschreiblichen Verbrechen an völlig unschuldigen Frauen und Kindern in grausigen Details beschrieben wurden. Ich bekomme das bis ans Lebensende nie mehr aus dem Kopf. Aber natürlich, das, was Deutsche im Namen des mörderischen Rassenwahns der Nazi-Verbrecher angerichtet haben, steht all dem nichts nach. Kein Grund, das jemals zu vergessen, was hier zwischen 1939 und 1945 passiert ist. Und das Erinnern daran als „Schuldkult“ abzuqualifizieren, ist einfach nur krankes Gechwätz. Der Krieg an sich ist immer der Feind des Menschen, die Ultima Ratio, das allerletzte Mittel. Aber niemals auszuschließen.

Und 1291 – genau heute vor 730 Jahren – bereiteten sich mehr als 12.000 Kämpfer auf ihrer Burg in Akkon für die letzte große Schlacht zur Verteidigung ihres 1191 errichteten Königreichs Jerusalem vor: Johanniter-Ritter, Kämpfer des Lazarus- und des Deutschen Ordens, Soldaten aus Zypern und Jerusalem, und Templer, so etwas wie eine Elitetruppe von Priestern mit Schwert, die von ihren Feinden besonders gefürchtet wurden, wenn Sie in ihren weißen Gewändern mit dem roten Kreuz auf der Brust zur Schlacht aufmarschierten. Und ihre letzte Zuflucht im Heiligen Land, das war die Festung Akkon.

Vor eineinhalb Jahren durfte ich mit zwei Dutzend Tempelrittern der deutschen Nachfahren des heute ökumenischen Ordens dort sein und die mächtige Anlage erkunden, all die engen Tunnel und gewaltigen Mauern. Wie war das bloß damals, als die christlichen Kreuzfahrer hier ihren letzten Kampf fochten und dann verloren? Die Frage stellt sich praktisch an jedem Tag irgendwo, wenn sie im Heiligen Land unterwegs sind. Reisen Sie nach Israel, wenn Corona vorbei ist, und fahren Sie nach Akkon und auch auf die Bergfestung Masada – atemlos, was Sie da sehen und spüren können.

Der amerikanische Wissenschaftler Samuel P. Huntington hat 1996 mit dem „Clash of Civilizations“ („Zusammenprall der Zivilisationen“) ein Meisterwerk geschrieben, das jeder lesen sollte, und das in jeder Schule ausführlich besprochen werden müsste. Huntington schreibt von einem großen Kampf der Gesellschaften des Westens, des Islam und Chinas um die Vorherrschaft auf der Welt. Und wissen Sie was? Wir alle sind bereits mittendrin in dieser großen und entscheidenden Schlacht um unsere Zukunft, in diesem Armageddon.

Der Islam und China, das sind die großen Herausforderungen für die Zukunft unserer Kinder. Ob die dunkle Seite der Macht siegt oder wir, das entscheidet sich in diesen Jahren. Und viele, zu viele von uns haben noch nicht begriffen, was passiert. Die Machthaber in Peking, die Mullahs in den Koranschulen in Pakistan, Saudi-Arabien und dem Iran denken nicht darüber nach, ob sie rechtzeitig ein Handtusch auf ihrem Strandkorb in Usedom platzieren oder nach Malle fliegen können, wenn der Inzidenzwert fällt. Sie interessiert das Weltklima und die Gendersternchen einen Dreck. Sie sind im Krieg, und die meisten von uns haben es noch nicht begriffen.

Bleiben Sie wachsam!

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.