Wann sagt Frau Baerbock endlich jemand, dass es vorbei ist?

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Liebe Leserinnen und Leser,

als die Grünen bekanntgaben, Ihre Politikerin Annalena Charlotte Alma Baerbock aus Hannover solle als Kanzlerkandidatin ihrer Partei nach dem 26. September die Nachfolge von Angela Merkel antreten, zogen einige die Augenbrauen hoch, zuckten aber nicht wirklich, denn damals lieferten sich die Ökosozialisten tatsächlich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der abgemerkelten Union. Warum nicht mal eine Grüne als Bundeskanzlerin, auf Du und Du mit Biden, Putin und Xi Jinping? Warum denn nicht, die Welt hätte dieses Schauspiel verdient, dass die einst bewunderte und verhasste Wirtschaftsmacht im Herzen Europas eine Regierungschefin bekommt, die Kobold und Kobalt nicht voneinander unterscheiden kann. Die sich verhaspelt, in Fernsehtalkhows immer wieder peinliche Schnitzer vorführt, ihren Lebenslauf mehrfach umzudeuten versuchte, kurz, die den Job einer Bundeskanzlerin für jeden erkennbar nicht kann.

Und gerade, als es jetzt etwas ruhiger wurde und man als Beobachter den Eindruck hatte, die Spitzengrüne könnte vielleicht doch noch mal Boden unter die Füße bekommen, platzt die nächste Bombe. Der
österreichische Medienwissenschaftler Stefan Weber wirft Frau Baerbock öffentlich vor, in ihrem neuen Buch abgeschrieben zu haben. Die Grünen sind natürlich empört, was sollen sie auch sagen? Ich bin sicher, dass da aber auch viele – guten Abend, Robert! – ein Fläschchen öffnen, wenn die neuesten Nachrichten von der Kanzlerin in spe über die Ticker laufen. Politik ist ein unbarmherziges Geschäft.

In einem Blogbeitrag behauptet Weber jetzt, einige der angeblichen Formulierungen Baerbocks stammten gar nicht von ihr. Weber weiter: «Und wenn man es genau nimmt, handelt es sich auch um mehrere Urheberrechtsverletzungen.»

Baerbock, so hört man, habe inzwischen den auf Medienrecht spezialisierten Berliner Rechtsanwalt Christian Schertz beauftragt, ihre Interessen wahrzunahmen. Und Schertz ist – wie Höcker und Steinhöfel – richtig gut bei sowas.

Baerbocks Buch «Jetzt. Wie wir unser Land erneuern» erschien am 21. Juni, hat 240 Seiten, auf denen sie grüne Ideen vorstellt und mit persönlichen Geschichtchen verbindet. Fußnoten mit Quellenangaben verwendet sie nicht.

Und das ist auch der Knackpunkt, denn die Grüne hat ja gar keinen akademischen Text geschrieben, für sie gelten nicht die strengen Vorgaben für wissenschaftliche Arbeiten. Vielleicht kaufen manche Grüne das Buch einfach nur aus persönlicher Sympathie zu Frau Baerbock. Vielleicht machen andere ein Suchspiel darin, ob zum Beispiel auf irgendeiner Seite der Begriff Kobold auftaucht. Das wissen wir alles nicht. Und ganz ehrlich: Es interessiert zumindest mich auch nicht. Selbst der Medienwissenschaftler Stefan Weber konstatiert: «Ein Sachbuch einer Politikerin im Ullstein-Verlag ist keine Dissertation.» Erinnert aber gleichzeitig auch daran: «Textplagiate sind ethisch nicht korrekt und wurden auch bereits in Sachbüchern zurecht bemängelt.» Das ist wie mit den herrlichen „acht Kostbarkeiten“ des Paderborner Kabarettisten Rüdiger Hofmann beim „Chinesen“, wo nur sieben Kostbarkeiten drauf sind: „So ganz richtig ist es aber auch nicht….“

Ich könnte hier eine Reihe von konkret bemängelten Stellen aus dem Buch zitieren, die Sie aber auch anderswo überall im Internet selbst leicht finden. Es ist nämlich eigentlich völlig belanglos, ob sie neben ihrem Lebenslauf auch bei einem Ullstein-Buch ein wenig, sagen wir, nachfrisiert hat. Entscheidend ist, dass Frau Baerbock in den vergangenen drei Monaten immer wieder eindrucksvoll nachgewiesen hat, dass sie mir ihrer Aufgabe, mit ihrer „Mission Kanzleramt“, heillos überfordert ist.

Gebt der Frau ein Bundestagsmandat, überreicht ihr Blumen am Wahlabend, platziert sie als Sprecherin des Bundestagsausschusses für Klima und Kobolde, am besten aber sagt ihr endlich, sie soll sich ein anderes Hobby suchen. Gewogen und für zu leicht befunden, Frau Baerbock!

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.