Warum verändern so viele kluge und sympathische Patrioten im Grunde nichts?

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Liebe Leserinnen und Leser,

einen wunderschönen Guten Morgen wünsche ich Ihnen aus Potsdam, zusammen mit Erfurt meine Lieblingsstadt in Ostdeutschland! Heute und morgen werde ich an den Hayek-Tagen teilnehmen, dem alljährlichen „Hochamt“, wie ich gestern schrieb, der liberalen Intellektuellen in Deutschland. Und davon gibt es noch erstaunlich viele, wie ich gestern Abend beim Essen an unserem Tisch schnell bemerkte. So viele gebildete und hochgescheite Leute, so scharfsinnige Analysen und köstlicher Humor, und wie immer, wenn unsereins irgendwo zusammenkommt, auch ein leichter Anflug von Zynismus, weil so viele Menschen da draußen nicht sehen können oder wollen, was offenkundig falsch läuft in unserem Land.

Bei der Hayek-Gesellschaft, die sich den Lehren des große Ökonomen und neoliberalen Vordenkers Friedrich August von Hayek verpflichtet fühlt, ist man stolz darauf, unbequem zu sein, Fragen zu stellen, die andere nicht zu stellen wagen. Und spitzbübisch zu provozieren.

Und das Schöne für Deutschland: Es gibt noch weitere hochklassige Zusammenkünfte bürgerlicher Köpfe wie etwa vor wenigen Tagen das Treffen der Atlas-Initiative rund um Markus Krall oder Ende Oktober, in aller gebotenen Bescheidenheit, mein Netzwerktreffen der „wahren Schwarmintelligenz“. Sind es hier die neoliberalen Freigeister, sind es bei Krall die Wirtschafts- und Geld-Leute, so sind es bei mir die bürgerlichen Konservativen, die Neocons und auch die Christen, die nicht aufgeben wollen.

Es ist immer schön, zusammenzukommen, klugen und amüsanten Redner zu lauschen, auch über den richtigen Weg zu streiten. Ein bisschen, wie ein Familientreffen. Wir kennen uns fast alle, wir nicken und freundlich zu im Saal oder umarmen uns überschwänglich, wenn wir uns schon länger kennen. Manchmal klatschen wir uns ab.

Aber eins fehlt halt noch, und das ist nicht unwichtig.

Wie setzen wir das, was unsere klügsten Köpfe analysieren und empfehlen, in politische Aktion um? Was machen wir in Zeiten, in denen Menschen wie wir im Grunde keine wirkmächtige politische Vertretung mehr haben in Deutschland, um die Dinge zu verändern? Was kann unsereins überhaupt noch wählen, wenn die beliebtesten Politiker in Deutschland derzeit Habeck und Baerbock heißen?

Die FDP? Eine entkernte One-Man-Show. Wenn Lindner morgen beschließt, fortan Golf zu spielen, ist der Laden tot. Die CDU? Hat jetzt endlich Friedrich Merz an der Spitze. Und was passiert? Er will das Klima retten und eine Frauenquote einführen. Na, herzlichen Glückwunsch! Die CSU? Nicht wenige reden inzwischen offen darüber, dass man den sprunghaften Söder loswerden müsse. Aber, gar nicht so einfach, denn nächstes Jahr ist Landtagswahl in Bayern, der einstigen Trutzburg, wo man früher über 60% Zustimmung an den Wahlurnen einsammelte, und wo man sich jetzt für 35% bei den „Wöhlerinnen und Wählern“ für das „große Vertrauen“ bedankt. Die AfD? Wenn es ganz schlecht läuft in Riesa, gehen sie ab Montag den Weg einer Lega Ost. Und dann? „Herr Kelle“, sagt gestern einer in der Hotellobby in der Schlange beim Einchecken zu mir, „wir müssten mal was ganz Neues machen. Vielleicht eine neue Partei…“

Tolle Idee, oder? Und so neu…

Genießen Sie die Sonne!

Ihr Kaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.