Weil der Vater Umgangsrecht bekam: Mutter schnitt sechsjähriger Tochter die Kehle durch

Die Angeklagte neben ihrem Anwalt Siegmund Benecken. Foto: David Young/dpa
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von JÖRN HARTWICH

ESSEN – Es müssen grausame Szenen gewesen sein: Vor knapp sieben Monaten soll eine Frau aus Bottrop ihre sechsjährige Tochter umgebracht haben. Seit Mittwoch steht die 46-Jährige vor Gericht. Zum Prozessauftakt am Essener Landgericht hat sie über ihren Verteidiger ein knappes Geständnis abgelegt. Die Anklage lautet auf Mord.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagte ihrer Tochter in der Nacht auf den 28. Januar 2022 zunächst eine Überdosis Psychopharmaka verabreicht hat. Anschließend soll sie versucht haben, das Mädchen in der Badewanne zu ertränken. Weil das jedoch fehlgeschlagen sei, habe sie der Sechsjährigen schließlich mit einem Küchenmesser die Kehle durchgeschnitten.

Ein schrecklicher Entschluss

Hintergrund der Tat soll ein Sorgerechtsstreit gewesen sein. Dem Vater des Kindes war am Vortag ein erweitertes Umgangsrecht zugesprochen worden. Das habe die 46-Jährige als «Niederlage» empfunden, heißt es in der Anklage. Sie sei von der Vorstellung getrieben gewesen, dass niemand außer ihr Umgang mit ihrer Tochter haben dürfe – erst recht nicht der Vater. Deshalb habe sie den Entschluss gefasst, zunächst ihre Tochter und dann sich selbst zu töten.

«Für sie ist das alles ganz schrecklich, was da passiert ist», sagte Verteidiger Siegmund Benecken am Rande des Prozesses über die heute 46-Jährige. Sie könne sich das alles überhaupt nicht mehr erklären. «Die Tochter war das Liebste, was sie hatte auf Erden.»

Die Angeklagte hatte nach der Tat einen Suizidversuch unternommen. Laut Anklage nahm sie Tabletten und schnitt sich die Pulsadern auf. Lebensgefahr bestand in ihrem Fall aber nicht.

Sie kam nicht zur Schule

Die Leiche der Sechsjährigen war am nächsten Tag gefunden worden. Eine Lehrerin hatte sich Sorgen gemacht, weil die Schülerin nicht in der Schule erschienen war. Weil die Lehrerin wohl von Problemen in der Familie wusste, war sie nach dem Unterricht zur Wohnung der Mutter gefahren. Als niemand öffnete, das Auto der Angeklagten aber vor der Tür stand, alarmierte sie die Polizei.

Laut Anklage lag das Mädchen in einer großen Blutlache auf dem Bett der Mutter. Der Notarzt hatte nur noch den Tod feststellen können. Speise- und Luftröhre waren durchtrennt, zwei Drosselblutadern ebenfalls. In der Lunge befanden sich Blut und Wasser. Die Ärzte gehen davon aus, dass die Sechsjährige erstickt ist.

Nach Angaben des Verteidigers leidet die 46-jährige Deutsche seit Jahren unter Depressionen. «Sie hatte an nichts mehr Freude», so Benecken. «Ihr ganzes Leben drehte sich nur noch um ihr Kind.»

Die Richter am Essener Schwurgericht müssen unter anderem prüfen, ob die Angeklagte zur Tatzeit voll schuldfähig war. Mit einem Urteil ist voraussichtlich Ende September zu rechnen.

Bildquelle:

  • Prozess um Kindesmord: dpa
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