Werbung fürs Impfen: Werden die bayerischen Bistümer zu Erfüllungsgehilfen von Markus Söder?

Unterstützt die katholische Kirche Söders Impfkampagne in Bayern?
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von MARTIN D. WIND

MÜNCHEN – Markus Söder ist für Ehrgeiz und Machttrieb bekannt. Derzeit kann er seine Veranlagungen beinahe grenzenlos ausspielen und tut das. Die Pandemielage wegen des Corona-Virus spielt ihm in die Hand. Und er greift zu: Ausgangssperren, Reisebeschränkungen, Quarantäne, Gastronomieschließungen, Geschäftsschließungen, Mund-Nasenmasken, Tests, Distanzunterricht – Markus Söder lässt nichts aus, um den aktiven, kompetenten Politiker zu geben, der mit Sicherheit zu Höherem berufen ist. Er will schneller, höher, weiter und besser sein als seine „Konkurrenz“ auf Ministerpräsidentenposten.

Ihn nervt, dass „sein bayerisches Volk“ sich nicht recht impfen lässt. Werben, Moralisieren, subtiles und offenes Drohen, all seine markigen Auftritte, nichts scheint zu helfen: Söder bekommt die Durchimpfung nicht hin. In der CSU sucht man nach kreativen Ansätzen um die Kampagne des Vorsitzenden voranzutreiben. Irgendjemand hatte dann einen Einfall, der ganz nach dem Geschmack von Beschwörern von Volksgesundheit und -gemeinschaft ist: Die Mobilmachung gesellschaftlicher Gruppen, Vereine, Verbände, Komitees und dergleichen.

Bekannt wurde diese Volksmobilisierung durch eine E-Mail des „Landeskomitees der Katholiken“ an seine Mitglieder: „Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege hat sich an das Katholische Büro Bayern gewandt mit der Bitte um Unterstützung zur Steigerung der Impfbereitschaft und bei der Durchführung der Impfungen. Es sollten möglichst alle Optionen ergriffen werden, die zum Erreichen einer möglichst hohen Impfquote führen, bei der so viele Einschränkungen wie möglich wegfallen.“

Erstaunlich, dass sich die Kirche offenbar von der Regierung einspannen lässt, obwohl sie eigentlich den Auftrag hat, die Menschen mit Gott und seinem Heil in Berührung zu bringen, Sie im Leben für das Sterben, den Tod fit zu machen und das Ewige Leben zu ermöglichen, damit ihnen die Tore des Paradieses offenstehen. Erstaunlich auch, dass das bei einer fragwürdigen Kampagne zu einem erregt diskutierten Manöver geschieht. Erstaunlich.

Da die E-Mail vom Geschäftsführer des „Landeskomitee der Katholiken in Bayern“, Karl Eder, stammen soll, sollte eine Verifizierung und weiterführende Informationen per Telefonat eingeholt werden. Die Reaktion auf die Frage, ob es üblich sei, dass eine Regierung sich zum Erreichen politischer Ziele an die Kirche bzw. eine ihrer Strukturorganisationen wende, führte dazu, dass Eder sich die Frage verbat und erregt auflegte.

Meistens ist etwas unkoscher, wenn unsouveräne Reaktionen erfolgen. Im Landeskomitee sitzen Laienvertreter aus allen bayerischen Diözesen. In der E-Mail wurde das Mitwirken der „Evangelischen Landeskirche Bayern“ (ELKB) erwähnt und so wurden unter anderem den Diözesen München, Augsburg, Regensburg und der ELKB Fragen zugesandt. Augsburg reagierte umgehend, auf Nachfrage wurde auch telefonisch versichert, dass im Ordinariat eine solche Anfrage nicht bekannt sei, der Bischof davon keine Ahnung habe. Bedeutet das, das Katholische Büro im Freistaat habe unter Umgehung der Bischöfe das Anliegen der Staatsregierung in die Strukturen der Kirche einfließen lassen? Leider konnte das nicht abschließend geklärt werden. Die Pressestelle des Erzbistums München-Freising sah sich offenbar außer Stande, zu reagieren. Aus Regensburg kam eine automatisch generierte Abwesenheitsnachricht.

Von der ELKB kam folgende Erklärung:

„Die bayerische Landeskirche befürwortet freiwillige Impfungen. Sie dienen gemäß Informationen und Vorgaben der zuständigen Behörden dem Infektionsschutz der Geimpften und der Menschen, mit denen sie Kontakt haben. Insofern ist es ein Akt der Vernunft sowie der Rücksichtnahme und es steht insgesamt im Interesse des Gemeinwesens, für die Möglichkeit der Impfung zu werben. Eine Anfrage des bayerischen Gesundheitsministeriums, seitens der Landeskirche Optionen der Unterstützung der Impfkampagne zu prüfen, stehen wir deshalb wohlwollend gegenüber. Wir ermutigen die Mitglieder unserer Landeskirche, nach eigener Entscheidung die Impfung in Erwägung zu ziehen.“

Nun musste geklärt werden, was da das Katholische Büro spielt. Prälat Dr. Lorenz Wolf ließ mitteilen:

„Das Katholische Büro steht im ständigen Austausch mit der Staatsregierung (…) Ich wurde und werde (…) nicht gebeten, mich an der Durchsetzung politischer Ziele zu beteiligen. Die Bekämpfung der Pandemie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Kirchen prüfen, ob sie Menschen, die ein Impfangebot erhalten wollen, unterstützen können. Nicht die Kirchen machen daher ein Angebot an die Landesregierung, sondern das Ministerium eröffnete den Kirchen die Möglichkeit, ihre ureigene Aufgabe der Sorge für alle Menschen erfüllen zu können. Das Verhältnis des demokratischen Staates und der Gesellschaft ist bestimmt durch das Subsidiaritätsprinzip. (…)“

„Akt der Vernunft“, „Interessen des Gemeinwesens“, „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, „das Ministerium eröffnete den Kirchen die Möglichkeit, ihre ureigene Aufgabe der Sorge für alle Menschen erfüllen zu können“ und sogar das „Subsidiaritätsprinzip“ werden bemüht, um das Handeln der Kirchen im Sinne der söderschen Impfkampagne gut zu heißen. Übrigens: Subsidiaritätsprinzip bedeutet, dass eine Obrigkeit sich so lange heraushält, wie untergeordnete Strukturen(sic!) die Aufgaben erfüllen können. So geben die Antworten der Kirchen interessante Einblicke in das Selbstverständnis der Funktionsträger dieser Gemeinschaften und das Verhältnis zwischen einem obrigkeitlichen Staat und sich offenbar unterordnenden Kirchen.

Bildquelle:

  • Katholisch_Bayern: pixabay
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