Wie Grimmas Bürgermeister das GenderGaga in Kommunalverwaltungen stoppt

Das genderfreie Rathaus von Grimma.
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von THOMAS PAULWITZ

GRIMMA/LEIPZIG – Matthias Berger hat Erfahrung mit Katastrophen. Deswegen stellt er sich jetzt auch unerschrocken der gegenwärtigen Sprachkatastrophe entgegen: der Genderwelle. Er brachte die Verwaltungen der Stadt Grimma und des Landkreises Leipzig dazu, auf Gendersterne und ähnliche ideologisch motivierte Schreibweisen zu verzichten.

Der Oberbürgermeister der Stadt Grimma hat bereits zwei Flutkatastrophen gemeistert, die seine Stadt heimsuchten: 2002 und 2013. Beim ersten Unglück war er gerade einmal ein Jahr im Amt. Im Gegensatz zu anderen Politikern stand er nicht den Helfern für ein paar Bilder im Wege oder lachte, wenn es unpassend war. Er war sich des Ernstes der Lage bewusst und traf entschlossen die notwendigen Maßnahmen. Dafür bestätigten ihn die Bürger Grimmas zweimal mit Traumergebnissen im Amt: 2008 erhielt er 98,2 Prozent der Stimmen, 2015 fast 90 Prozent.

Stadt Grimma und Landkreis Leipzig entsagen dem Genderstern

Mit so viel redlich erworbenem Rückhalt durch die Bürger kann Berger nicht nur selbstbewusst auftreten, sondern auch eine unabhängige Meinung vertreten. Dabei hilft ihm, dass er keiner Partei verpflichtet ist. Seine politische Heimat ist die „Unabhängige Wählervereinigung“ (UWV), die zu den Freien Wählern gehört. „Mit Herz und Verstand“ heißt der Leitspruch der UWV, nach dem auch Berger handelt. Überregional ist er für die neue „Bürgerbewegung für Sachsen“ politisch aktiv, um Leute zu mobilisieren, „die mit der ganzen Parteipolitik nichts mehr anfangen können“. Bei der Landtagswahl 2019 unterstützte seine Bewegung die Freien Wähler, die mit 3,4 Prozent ein beachtliches Ergebnis erreichten.

Am 11. Oktober stimmte nun der Verwaltungsausschuss der Stadt Grimma einem Antrag „zur Schrift- und Sprachregelung in der Stadtverwaltung Grimma“ zu. Diesen Antrag hatten die drei Wählergemeinschaften gestellt, die zusammen eine Mehrheit im Stadtrat bilden. Demnach wird Matthias Berger als Oberbürgermeister damit beauftragt, dafür zu sorgen, dass sich die Stadtverwaltung bei geschlechtersensibler Sprache an die Empfehlung des Rechtschreibrats hält. Dieser hatte im März dieses Jahres dazu geraten, Genderschreibweisen nicht zu verwenden, die zum Beispiel Sterne, Doppelpunkte oder Unterstriche enthalten.

Rundumschlag gegen den „Genderwahn“

Diesen Auftrag nahm Berger gern an. Nur zwei Tage später bekam er die Gelegenheit, auch auf Kreisebene für eine verständliche und lesbare Sprache ohne Gendersterne zu werben. Im Kreistag des Landkreises Leipzig hatte die AfD einen Antrag gegen das Gendern in der Kreisverwaltung eingebracht. Der Grimmaer Oberbürgermeister forderte daraufhin, dieses Thema nicht der AfD zu überlassen: „Es tut mir weh, wenn die Partei mit platten Sprüchen zum Gendern Wahlen gewinnt.“ Daher brachte er einen eigenen Antrag der UWV ein, der auch die Unterstützung von CDU und FDP bekam.

Mit einer flammenden Rede warb er für seinen Antrag. „Berger holte bei der sonst an Höhepunkten armen Kreistagsdebatte zum Rundumschlag gegen den aus seiner Sicht grassierenden ‚Genderwahn‘ aus“, berichtet die Leipziger Volkszeitung und zitiert ihn mit den Worten: „In Dienstanweisungen für Feuerwehren ist mittlerweile von Bartträger*innen die Rede, oder es wird über Hygieneartikel für menstruierende Männer philosophiert. Angler werden zu Angelmenschen erklärt.“ Solche Auswüchse sorgten bei den Bürgern für Kopfschütteln und Entsetzen, so der Oberbürgermeister.

„Grimma liegt an der Straße der deutschen Sprache“

Berger kann seinen Einsatz für die deutsche Sprache auch mit der Geschichte seiner Stadt begründen: „Grimma liegt an der Straße der deutschen Sprache“, betonte er im Kreistag. Die Muldestadt ist eine von rund zwei Dutzend Stationen an der ersten Ferienstraße, die Sprachpflege und Tourismus miteinander verbindet. Sie führt durch Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Franken – und auch durch Grimma: Der Kirchenliederdichter Paul Gerhardt und der Schriftsteller Christian Gottfried Körner gingen dort zur Schule. In der Stadt wohnte der Drucker und Verleger Georg Joachim Göschen, zu dessen Kunden Goethe und Schiller gehörten. Der Schriftsteller Johann Gottfried Seume wirkte in Grimma. Heute kann man das Museum Göschenhaus mit Seume-Gedenkstätte besichtigen.

Letztlich stimmten 52 Kreisräte für Bergers Antrag, 16 dagegen, fünf enthielten sich. Was Grimma und der Landkreis Leipzig geschafft haben, das sollten doch andere Kommunen auch hinbekommen können: die ideologisch bedingten Manipulationsversuche an der Sprache zu beenden, um sich wieder voll und ganz um die wirklich wichtigen Sachthemen kümmern zu können.

Matthias Berger steht sicher gern beratend zur Seite: Er weiß, wie es geht.

Bildquelle:

  • Rathaus_Grimma: stadt grimma
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