Wie wäre es mal mit ein wenig mehr Demut vor der Leistung unserer deutschen Automobilbauer?

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!

Wenn wir uns heute Morgen mit der schweren Krise des VW-Konzerns beschäftigen, dann müssen wir zunächst einmal einsortieren, über was genau wir sprechen. Das Unternehmen Volkswagen wurde am 28. Mai 1937 in Berlin gegründet. Die Grundidee war – der Name sagt es – ein für die breite Masse der Deutschen bezahlbares Auto zu kreieren und anzubieten. Denn in den 30er-Jahren galt ein Auto als absolutes Luxusgut für die Reichen. Und nun also ein Auto für das Volk …

Zur Geschichte gehört auch dazu, dass nicht ein kluger Entrepreneur diese Idee hatte, sondern Nazi-Reichskanzler Adolf Hitler, der später als Massenmörder in die Weltgeschichte einging. Bei der Gründung hieß das Unternehmen noch „Gesellschaft zur Vorbereitung des Deutschen Volkswagens mbH“ (GeZuvor). Erst 1938 wurde es in „Volkswagenwerk GmbH“ umbenannt.

Die Geschichte von Volkswagen ist atemberaubend und wäre es wert, in einer Serie hier umfassend erzählt zu werden. Doch heute müssen wir über eine schwere Krise sprechen, denn VW plant den Abbau von 50.000 gut bezahlten Stellen. Als die Krise begann, sprach man noch von 35.000 – auch damals schon sehr viel.

Die Gründe sind vielfältig, sie liegen keineswegs nur beim Wolfsburger Konzern

Auch Mercedes, Audi, BMW und Porsche befinden sich in einer schweren Absatzkrise.

So sank der Konzerngewinn im dritten Quartal 2024 bereits um 63 Prozent, die Bilanz für das Gesamtjahr wies dann ein verstörendes Minus von mehr als 30 Prozent aus. Wesentlicher Grund ist wohl, dass der wichtige Absatzmarkt in China für uns Deutsche wegbricht. Neue Hersteller in China dominieren jetzt den Markt, zum Beispiel bei den günstigeren und hochsubventionierten E-Autos von BYD. Auch Elon Musks Tesla hat das schon schmerzhaft erfahren müssen.

Aber hinzu kommt auch ein anderes, sehr deutsches Problem, das marktwirtschaftlich denkende Menschen und Verbände, einst sogar Parteien wie CDU und FDP, seit vielen Jahren beklagen.

Die erdrückende Bürokratie, die hohen Lohn- und jetzt auch Energiekosten schnüren den großen Musterkonzernen die Luft zum wirtschaftlichen Atmen ab. Im vergangenen Jahr wurde sogar erstmals in der 88-jährigen Konzerngeschichte mit dem Aus für das Werk in Dresden die vollständige Schließung eines deutschen VW-Standorts besiegelt.

Betrachten wir VW noch etwas genauer

Der Volkswagen-Konzern beschäftigte zum 31. Dezember 2025 weltweit rund 663.000 Mitarbeiter, davon fast 300.000 in Deutschland. 300.000 Familien, die davon leben, dass ihr Arbeitgeber Erfolg hat. 4.670 Euro brutto hat ein Facharbeiter dort im Monat; Schichtarbeiter erhalten außerdem Nacht-, Sonntags- und Feiertagszuschläge, die das Nettoeinkommen deutlich erhöhen. Und im Rahmen der Tarifrunde Ende 2024 gab es für die VW-Mitarbeiter mehr Geld sowie Inflationsausgleichsprämien, um die Kaufkraft trotz Krise zu sichern.

Unsere deutschen Automobilkonzerne sind schon etwas Besonderes, auf das wir alle stolz sein können und sollten.

Nur: Wenn der Gewinn um 30 Prozent einbricht, dann ist das mehr als nur ein Alarmzeichen.

Die Autobranche steuert direkt fast fünf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, nimmt man die gesamte Wertschöpfungskette (Zulieferer, Dienstleister) hinzu, sind es fast zehn Prozent. Die deutsche Automobilindustrie erwirtschaftete im Jahr 2024 im Inland etwa 536 Milliarden Euro und zahlte 100 Milliarden Euro Steuern. Alle Autohersteller zusammen mit den Zulieferbetrieben: Das sind insgesamt fast drei Millionen Arbeitsplätze.

So, liebe Grüne und Klimaretter aller Art: Wie wäre es mal mit ein wenig Demut vor der großen Leistung der deutschen Autobauer? Und, liebe AfD-Freunde, die meinen, unser deutscher Wohlstand könne mit Faxgeräten und Fernsehern aus deutscher Produktion für den deutschen Markt erhalten werden: Begreift Ihr bitte mal, dass kaum ein anderes Land und seine Menschen auf diesem Planeten dermaßen von der Globalisierung profitieren wie wir Deutschen?

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.