Wird Kardinal Schönborn auch Fünfjährige im Wiener Dom impfen lassen?

ARCHIV - Formal besteht in Österreich keine Impfpflicht. Faktisch schon. Foto: Jonas Güttler/dpa
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Gastbeitrag von ROLAND NOÉ

LINZ – „Divide et impera“ („Teile und herrsche“) . Mit diesem Prinzip haben die alten Römer versucht, das Volk in Untergruppen mit widerstrebenden Interessen aufzuspalten. Das Ziel war klar: Die Teilgruppen bekämpfen sich gegenseitig und waren beschäftigt.

Mit einer ähnlichen Strategie erfolgt offensichtlich derzeit die Bekämpfung der Pandemie in Staaten wie Deutschland, Österreich und anderen Ländern. Die vermeintlich „Bösen“ sind die Ungeimpften.

Mit einer fast schon unheimlichen Empathielosigkeit erklärt Alexander Schallenberg vergangene Woche den Österreichern, dass man die Zügel für Ungeimpfte straffer ziehen möchte. Nein, man möchte keinen Impfzwang, betonten die Politiker jede Woche mehrfach und lügen uns damit mitten ins Gesicht, denn in der Praxis findet sehr wohl ein Impfzwang statt, nur ohne die lästige Haftungsfragen, die sich bei möglichen Impfschäden stellen würden.

Denn eine 2G-Regelung ist ein Lockdown für Nicht-Geimpfte. Diese dürfen in Österreich und in Teilen von Deutschland selbst nach der bestätigten Feststellung ihrer Gesundheit durch einen PCR-Test nicht mehr in ein Gasthaus oder zum Friseur gehen. In der Praxis wird dies in Österreich unserer Erfahrung nach allerdings vielerorts kaum umsetzbar sein bzw. umgesetzt werden. So mancher Gastwirt hat am Wochenende bereits mitgeteilt, dass er auch ab Montag ungeimpfte Gäste bewirten werde.

Aber so einen Irrsinn muss man sich in jedem Fall auf der Zunge zergehen lassen: Man beschließt einfach, dass 30 bis 40 Prozent einer Bevölkerung, die ebenfalls mit Steuern das Land erhalten und die Luxus-Gehälter der Politiker bezahlen, nicht mehr am sozialen Leben teilnehmen dürfen. Das ist Totalitarismus und erinnert an die dunkelsten Stunden unseres Landes und hat mit einer christlichen Gesinnung, die sich Herr Schallenberg in Österreich und die CDU/CSU in Deutschland gerne geben möchten, nichts mehr zu tun. „Corona und Klimawandel setzen immer mehr autoritäre Phantasien frei“, meint der Medienwissenschaftler Norbert Bolz vor kurzem auf Twitter. Recht hat er.

Auch nicht wenige Geimpfte sprechen von einer Maßnahme, die sachlich nicht gerechtfertigt ist. De facto wollen sich in Ländern wie Österreich oder Deutschland offensichtlich 30 Prozent der Menschen nicht mit dem mRNA-Impfstoff impfen lassen, einige warten auf den Totimpfstoff wie Valneva. Warum macht die Politik nicht mehr Druck, dass hier die Zulassung möglichst schnell kommt? Warum passiert so wenig im Bereich der Covid-Medikamente? Vielleicht, weil man noch unzählige Impfdosen von Biontech übrig hat, die per Jahresende ablaufen und dann wertlos sind? Hat die Politik hier zu schnell nur sehr einseitig agiert?

Selbst, wenn man durch einen 2G-Zwang einige von der Gruppe der Nicht-Geimpften zu einer Impfung bringen wird können: diese Menschen werden sich das merken und, liebe Politiker, wenn diese 30 Prozent sich in einer oder mehreren Parteien bei der nächsten Wahl bemerkbar machen, dann ist das eine kritische Größe, die man jahrelang nicht mehr übergehen wird können. Dann wird die impfkritische MFG nicht nur eine Fünf-Prozent-Partei im nächsten österreichischen Parlament sein. Wollt ihr das? Klar ist: Wahltag ist Zahltag, die nächsten Wahlen werden kommen.

Nach zwei Jahren Pandemiebekämpfungswahnsinn sind viele Menschen schwer ermüdet und die Gesellschaft ist gespalten wie nie zuvor. Die größten Spalter sitzen in der Politik. Man muss nur mit einfachen Menschen innerhalb der Bevölkerung sprechen, die sich in keiner Politikblase in Wien oder Berlin bewegen. Völlig unabhängig von einer Parteizugehörigkeit wird man dann Menschen begegnen, die sich nicht impfen lassen wollen. Die meisten wird man auch nicht durch Zwang dazu bringen. Aber so schnell werden diese vielen Menschen die Lügen und Halbwahrheiten aus Politik und Gesellschaft bei dem Thema nicht vergessen. Ja, falsche Versprechungen sind auch Lügen und kleine Kinder, die de facto nicht gefährdet sind, zu einer Impfung zu zwingen, ist ein Verbrechen. Auch viele geimpfte Eltern sehen das so.

Weiter zum Thema „Lügen und falschen Versprechungen“: So versprach Biontech-Gründer Ugur Sahin in BILD am 27. Februar 2021: „Geimpfte sind NICHT mehr ansteckend!“ . Als skeptischer Impfbefürworter kann ich dazu aus heutiger Sicht nur „Aja…“ sagen. Ähnliche voreiligen Versprechungen und Unwahrheiten gab es bei Astrazeneca und bei Moderna. Oder warum ist Moderna in Ländern wie Schweden plötzlich nur mehr für über 30-Jährige möglich und Astra, das bei uns am Anfang bejubelt wurde, de facto verboten?

Wir haben auch eine Pandemie der Geimpften, stellte die BILD vergangene Woche fest. Fast schon bizarr scheint mir, dass der Wiener Kardinal Schönborn vor wenigen Tagen feststellte, dass die wissenschaftsbezogene Skepsis ein bestürzendes Phänomen sei, und in diesem Zusammenhang auch die Skepsis gegenüber dem Biontech-Gründern beklagte. „Man hat dem Vakzin massive Skepsis entgegengebracht. Diese neue wissenschaftsbezogene Skepsis ist etwas Bestürzendes.“ Nein, Herr Kardinal, mit Verschwörungstheoretikern möchte ich auch nichts am Hut haben, mit Kirchenvertretern, die quasi blind jede legitime Kritik ausblenden und den Biontech-Gründer gleich seligsprechen möchten, aber ebenso wenig.

Fakt ist, dass die Impfung nicht so gut schützt, wie man es uns versprochen hat.

Täglich lesen wir von unzähligen Spreader-Events unter Geimpften. Wie viele österreichischen Bischöfe hatten inzwischen Covid, trotz Impfung? Wenn man nur etwas ehrlich in der Argumentation wäre, dann würden sich vielleicht sogar mehr Menschen freiwillig impfen lassen. Zur Ehrlichkeit gehört auch, dass es durchaus auch, wenn auch mit geringer Wahrscheinlichkeit, dramatische Impfnebenwirkungen geben kann. Das muss man den Menschen auch klar sagen, dass etwas passieren kann. Und es können dramatische Dinge passieren. So ist gerade vergangene Woche ein zwölf Jahre altes Kind im Landkreis Cuxhaven zwei Tage, nachdem es zum zweiten Mal gegen das Coronavirus geimpft wurde, gestorben. Es könnte auch deine Tochter sein. Man könnte auch andere Fälle aufzählen, die in den vergangen Tagen in seriösen Zeitungen thematisiert wurden.

Zur Ehrlichkeit gehört auch dazu, dass man eigentlich eine 1G einführen müsste. Das heißt, alle müssten getestet werden, bei Veranstaltungen. Nur diesen Mut zur Wahrheit haben derzeit kaum Politiker, weil sie dann zugeben müssten, dass sie den Geimpften falsche Versprechungen gaben. Dass Kirchenvertreter hier blind im Impfchor miteinstimmen, ist fatal. Oder lässt der Wiener Kardinal demnächst auch fünfjährige Kinder im Stephansdom impfen, weil der Wiener Bürgermeister das möchte?

Bis jetzt dachte ich übrigens auch, dass sich Kirche so vehement für die an den Rand Gedrängten und Ausgegrenzte einsetzt. Täglich werden wir von Kirchenvertretern moralisch belehrt, dass man Flüchtlinge aufnehmen müsse. Derzeit werden Nicht-Geimpfte auf massivste Weise ausgegrenzt, bejubelt von unkritischen Medien, die von der Regierung mit vielen Millionen an Subventionen und Werbegeldern „gekauft“ wurden. Warum gibt es von Kirchenvertretern kein Wort für diese Ausgegrenzten, warum schaut die Kirche hier zu? Daher, liebe Kirchenvertreter: Was wäre, wenn die Ungeimpften alles Ausländer und Flüchtlinge wären? Würdet ihr euch dann für die neuen Ausgegrenzten einsetzen?

Abschließend noch ein Tipp: In Österreich kann man sich gegen eine 2G-Regelung rechtlich zur Wehr setzen. Die Chancen, dass diese wieder vom Obersten Gerichtshof aufgehoben wird, sind durchaus gegeben. Wiener Anwälte bieten hier Hilfe

Der Beitrag von Roland Noé erschien zuerst auf dem österreichischen Portal kath.net.

Bildquelle:

  • Johnson & Johnson-Impfung: dpa
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