Wird schon irgendwie gehen? Ja, aber gut, wenn Kinder ein Gespür für die Gefahr entwickeln

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Liebe Leserinnen und Leser,

gestern vor 35 Jahren wurde in Hamburg das Musical «Cats» von Andrew Lloyd Webber in deutscher Erstaufführung gezeigt. Und gestern Nachmittag haben wir bei Apfel- und Schokoladentorte im kleinen Kreis der Familie den Geburtstag unserer ältesten Tochter gefeiert. Was hat beides miteinander zu tun, werden Sie sich fragen, und meine Antwort lautet wie regelmäßig in diesen Monaten: Corona.

War das noch schön, als wir in Musicals gehen durften, zu Konzerten in großen Hallen oder gar Stadien oder auch einfach nur abfeiern und zappeln in angesagten Clubs. Aber es ist vorbei, und keiner weiß, wann es oder auch ob es jemals wieder normal wird, unser Leben.

Viele von uns arbeiten im Homeoffice, und es funktioniert. Brauchen wir zukünftig überhaupt noch große Glaspaläste mit Büros? Und die Versorgung mit Lebensmitteln funktioniert reibungslos in Deutschland, aber wir müssen Einkaufswagen benutzen, auch wenn wir nur ein Stück Butter holen wollen, Maske auf, Abstand halten – wir haben uns daran gewöhnt. Ab Mittwoch wird es in vielen Städten nächstliche Ausgangsbeschränkungen gehen. Ab 21 Uhr sind die ohnehin schon leeren Straßen total verwaist. Wir bleiben dann abends zu Hause, wird schon gehen, auch in den vergangen Monaten hatten wir ja kaum Gelegenheit, rauszugehen. Bis fünf Uhr bleiben wir dann zu Hause. Wird schon irgendwie gehen.

Bemerkenswert war heute, dass unsere Kinder von sich aus im Gespräch damit anfingen, wohin das alles führt und ob durch die Maßnahmen der Bundesregierung nicht unsere Demokratie gefährdet ist. Ich dachte, ich höre nicht recht, denn wenn ich solche Gedanken vergangenes Jahr auszusprechen wagte, verdrehten die gleichen Kinder die Augen und dachten, dass der Papa jetzt wieder mit so rechtspopulistischen Sprüchen ankommt. Doch heute bemerken sie selbst, dass sich in ihrem – unserem – gemeinsamen Land etwas verändert. Und nicht zum Guten.

Wird also unser Leben jemals wieder so unbeschwert sein, wie es das mal war? Wie viel Kontrolle muten die Regierenden uns in Zukunft zu, wenn sie jetzt festgestellt haben, dass fast die ganze Bevölkerung ohne bedrohliches Murren mitmacht, was immer angeordnet wird. Was, wenn einige der Mächtigen Gefallen an einer solchen Gesellschaft finden und das weiterzuführen versuchen?

Ich denke und hoffe, dass das nicht passieren wird. Aber ich bin wirklich froh, das unsere Kinder im Alter von 12 bis 30 Jahren ganz instinktiv ein Gespür dafür entwickeln, dass hier etwas ganz böse schieflaufen könnte.

Passen Sie gut auf sich auf!

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.