PEKING – Den Film „State Organs“ aus dem Jahr 2024 werden die wenigsten von Ihnen kennen. Aber eigentlich sollte ihn jeder, wirklich jeder gesehen haben. Denn in dem Dokumentarstreifen werden die Umstände des Verschwindens von Yun (Zhang Yun) und Shawn (Huang Xiong) detailliert rekonstruiert.
Yun war eine 28-jährige Angestellte in einem deutschen Unternehmen im chinesischen Qingdao. Im Jahr 2002 wurde sie zusammen mit ihrem Ehemann festgenommen, während sie gemeinsam im Freien die „Falun-Gong“-Übungen praktizierten. Nach ihrer Verhaftung durch die lokale Polizei verliert sich ihre Spur in der Haft. Ihre Familie, insbesondere ihr Bruder Zhang Qingfa, versuchte über 20 Jahre lang vergeblich, offizielle Informationen über ihren Verbleib oder ihren rechtlichen Status zu erhalten.
Der 24-jährige Shawn war ein Informatikstudent, der bereits zuvor wegen seines Glaubens (Falun Gong) in einem Arbeitslager inhaftiert gewesen war. Nachdem er aus diesem ersten Lager entlassen worden war, wurde er erneut zur Zielscheibe der Behörden. Er verschwand im Jahr 2003 endgültig. Sein Bruder, Dr. Will Huang, der später in die USA auswanderte, suchte zwei Jahrzehnte lang nach Hinweisen und stieß dabei auf die im Film gezeigten Indizien für die Organentnahme.
Der Gedanke, dass Menschen in Unrechtsregimen einfach so von der Straße weg entführt und dann zum Zwecke der Gewinnmaximierung ausgeschlachtet werden, kommt uns in den westlichen Staaten wie eine „Urban Legend“ vor. Außerhalb unserer Vorstellungswelt, Stoff für Horrorfilme vielleicht. Aber sowas würde doch niemand tun…
Doch da, wo viel Geld zu verdienen ist, ist alles möglich
Während hierzulande Menschen auf ein Spenderorgan oft mehrere Jahre warten müssen, können Sie so etwas in China problemlos bestellen. Dort versprechen Kliniken, ein passendes Organ innerhalb von zwei Wochen oder selbst punktgenau zu einem bestimmten Datum zu liefern. Was für Patienten wie ein Ausdruck chinesischer Planungskunst gilt – man kann dort ja angeblich sogar Flughäfen innerhalb von zwei Wochen bauen –, ist in Wirklichkeit das absolute Grauen: ein System, das jede Vorstellungskraft sprengt: lebende Menschen als Ersatzteillager.
Berichte von Whistleblowern und geflohenen Chirurgen aus China haben belegt, wie das System der Zwangsorganentnahme (Forced Organ Harvesting) funktioniert. Opfer sind meist gewaltlose politische Gefangene – Anhänger der spirituellen Bewegung Falun Gong, Uiguren, Tibeter oder auch Hauschristen. Es trifft jene Gruppen, die außerhalb der Kommunistischen Partei existieren. In früheren dunklen Zeiten hätte man sie wohl als „lebensunwertes Leben“ bezeichnet.
Das Grauen beginnt meistens schon in den Lagern: Häftlinge werden nicht medizinisch versorgt, aber regelmäßig detaillierten Bluttests und Ultraschalluntersuchungen unterzogen. Diese dienen nicht ihrer Gesundheit, sondern der Erstellung einer gigantischen Datenbank für Gewebemerkmale. Passt ein zahlender Patient im fernen Peking oder ein „Organtourist“ aus dem Ausland auf das Profil eines Häftlings, wird dieser zur Hinrichtung freigegeben – für den industriell skalierten Mord für Profit.
Das Buch: „Killed to Order“
Die hier beschriebene moderne Barbarei steht im Zentrum des Mitte März erscheinenden Buches „Killed to Order: China’s Organ Harvesting Industry and the True Nature of America’s Biggest Adversary“. Es verspricht, die bisher umfassendste Untersuchung dieses Schattenreiches zu werden.
Hauptautor ist Jan Jekielek, leitender Redakteur bei der Epoch Times und einer der profiliertesten Kenner der chinesischen Menschenrechtssituation. Er hat über zwei Jahrzehnte hinweg Beweise gesammelt und Opfer interviewt. Unterstützt wird die wissenschaftliche und politische Einordnung durch Experten wie Nina Shea, Direktorin des Center for Religious Freedom am Hudson Institute. Shea ist eine juristische Instanz, die seit Jahren vor den Vereinten Nationen und dem US-Kongress über die Erosion der Menschenrechte durch die Kommunistische Partei Chinas (KPC) aussagt.
Kritiker tun diese Schilderungen oft als Verschwörungstheorie ab. Doch Jekielek und Shea stützen sich in dem Buch auf eine erdrückende Beweiskette, die unter anderem vom unabhängigen China Tribunal in London validiert wurde. Die Zahl der Transplantationen in China stieg sprunghaft an, kurz nachdem das Regime begann, Mitglieder von Falun Gong massenhaft zu internieren. Ein funktionierendes freiwilliges Spendensystem gab es damals in China nicht.
Undercover-Telefonate mit chinesischen Krankenhäusern bestätigten, dass Organe „auf Abruf“ verfügbar sind und explizit aus „gesunden Quellen“ stammen. Warum sollte ein Regime, das Gefangene foltert, Millionen in teure medizinische Screenings investieren, wenn nicht zur Organ-Kategorisierung? Ein System, das Herz- oder Lebertransplantate innerhalb von Tagen garantiert, setzt voraus, dass der Spender getötet wird, sobald der Empfänger bereit ist.
Warum schaut die Welt weg?
Viele westliche medizinische Einrichtungen und Pharmaunternehmen sind tief in den chinesischen Markt verstrickt. Universitäten kooperieren bei Transplantationsstudien, und Fachzeitschriften haben jahrelang Arbeiten chinesischer Chirurgen publiziert, ohne nach der ethischen Herkunft der Organe zu fragen. Hinzu kommt die geopolitische Macht Chinas: Regierungen fürchten wirtschaftliche Sanktionen, wenn sie das Thema „Organraub“ zu laut ansprechen.
„Killed to Order“ ist mehr als nur ein Sachbuch; es ist eine Anklageschrift. Jekielek macht klar, dass die Zwangsorganentnahme kein Randphänomen ist, sondern die logische Konsequenz eines totalitären Systems, das den Menschen nur noch als verwertbare Ressource sieht.
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