Zalando schließt in Erfurt: 2700 Arbeitsplätz weg – weder Land noch Stadt wussten vorher davon

Das Zalando-Logistikzentrum in Erfurt

ERFURT – Das Modehaus Zalando gibt seinen Standort Erfurt Ende September dieses Jahres komplett auf. Zalando wolle seine Logistikstruktur europaweit straffen und modernisieren, teilte das Unternehmen mit.

Zalando spricht von einer „schwierigen, aber notwendigen Entscheidung“. Betroffen davon sind 2700 Beschäftigte, man verhandele bereits mit dem Erfurter Betriebsrat über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan.

Hintergrund ist wohl, dass das Versandunternehmen Zalando seine Logistikstruktur zusammen mit dem im Vorjahr übernommenen Versandunternehmen „About You“ ganz neu ausrichten will. Um das zu realisieren werde in Gießen ein Logistikzentrum „der neuen Generation“ mit 1.700 Mitarbeitern geschaffen.

Erst im vergangenen Oktober hatten die Beschäftigten im Zalando-Logistikzentrum gestreikt – es war der vierte Arbeitskampf seit März 2025. Verdi forderte die Anerkennung von Flächentarifverträgen für den Einzel- und Versandhandel in Ostdeutschland, da die Löhne bei Zalando deutlich unter denen der Branche lagen. Das Unternehmen verwies auf Gehaltserhöhungen im Vorjahr und betonte, ein fairer Arbeitgeber zu sein.

Thüringens Wirtschaftsministerin Colette Boos-John (CDU) ist erbost und kritisiert, das Land sei vor vollendete Tatsachen gestellt worden, das sei „kein guter Stil“. Die Entscheidung sei vor dem Hintergrund, dass Umsatz und Gewinn zuletzt deutlich zugelegt hätten, umso unverständlicher. Wäre die Landesregierung von Zalando vorher einbezogen worden, hätte man vielleicht Alternativen zur Schließung gefunden.

Das Aus sei ein herber Rückschlag für den Logistikstandort und für die Beschäftigten und deren Familien sehr bitter, so Boos-John weiter. Sie erwarte sozialverträgliche Übergangslösungen und Hilfe bei der Suche nach anderen Jobs. Laut Wirtschaftsministerium hatte der Konzern für den Aufbau des Standortes Erfurt gut 22 Millionen Euro Fördermittel erhalten. Zurückgefordert werden kann das Geld nach Angaben eines Sprechers aber nicht, dafür sei die Frist von zehn Jahren abgelaufen. Auch die Stadt habe keine Chanche gehabt, die Entscheidung irgendwie zu beeinflussen, hieß es aus dem Oberbürgermeister-Büro.

Von einem „Schlag ins Gesicht“ sprach die Gewerkschaft Verdi. Matthias Adorf (Fachbereich Handel) sagte, bei allen Betriebsversammlungen der vergangenen Monate habe das Unternehmen die Zukunftsfähigkeit des Erfurter Standorts gepriesen. Es habe kein Verdacht aufkommen sollen, dass die Mitarbeiter bereits „auf der Abschussliste“ standen.

Bildquelle:

  • Zalando_Logistik_Erfurt: zalando

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