20.000 demonstrieren in Berlin gegen Corona-Maßnahmen: SPD-Politiker beschimpfen die aufgebrachten Bürger als „Covidioten“

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von KLAUS KELLE

BERLIN – Die große Demonstration gegen die Covid-Maßnahmen in Deutschland wurde heute zu einem Lehrstück, wie aufgehitzt sich der politische Streit im eigentlich ja demokratischen Deutschland entwickelt hat. Den Vogel schoß dabei die SPD-Vorsitzende Saskia Esken ab, die sich auf Twitter zur pauschalen Beleidigung von 20.000 Bürgern verstieg, als sie die friedlichen Demonstranten „Tausende Covidioten“ nannte. Man kann das für fahrlässig halten, wenn so viele Menschen größtenteils ohne Mundschutz und Sicherheitsabstand demonstrieren, aber Frau Esken wäre erst dann glaubwürdig, wenn sie beim „Black-Live-Matter“-Aufzug am gleichen Ort vor einigen Wochen auch die versammelten Tausenden Linksextremisten als das bezeichnet hätte, was sie zweifellos im größeren Maße waren. Denn damals kam es andauernd zu aggressiven Angriffen auf die Polizei, die dieses Mal mit 1.100 Beamten im Einsatz war.

Leider ging es auch heute nicht ohne solche Szenen, die aber wirklich nur Einzelfälle waren. Dennoch übten sich Staatsmedien in devoter Haltung zur Herabwürdigung der Demo, die von der Stuttgarter Initiative „Querdenken 711“ angemeldet worden war. Den Vogel schoss dabei die RBB-Abendschau ab, die unwidersprochen den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) behaupten ließ: „Die kommen aus Stuttgart, Frankfurt und überall her, um in Berlin Randale zu machen.“ Das würden viele Berliner vom Stadtoberhaupt, der an der Spitze des rot-rot-grünen Senats Berlin herunterwirtschaftet,gern mal hören, wenn linke antifa-Schläger marodierend Einkaufsstraßen „entglasen“, Polizisten mit unfassbarer Brutalität angreifen und reihenweise Autos anzünden. Da sind solche Formulierungen von Müller nicht zu hören, der noch nachsetze: „Covidiotentourismus kann man leider nicht verbieten, denn es gibt ja Reisefreiheit innerhalb Deutschlands.“ Ja, schlimm. So als wünsche er sich die gute, alte DDR zurück. Und den Begriff „Covidiot“ verwendete er auch noch – wohl das neue Wording der PR-Leute der SPD-Zentrale. Ein ekelhafter Auftritt, eines Regierenden Bürgermeisters von Berlin unwürdig.

Aber auch nicht alle Demonstranten verhielten sich anständig. So wurde die ZDF-Journalistin Dunja Hayali, die mit einem Kamerateam Interviews in der Menge führen wollte, massiv beschimpft als „Schlampe“ von der „Lügenpresse“, die hier „abhauen“ solle. Obwohl sie versuchte, ruhig mit Demonstranten ins Gespräch zu kommen, drängten die Sicherheitsleute vom ZDF irgendwann auf Abbruch der Dreharbeiten. Später schrieb Hayali auf Twitter: „Beleidigungen und Bedrohungen gehören mittlerweile wohl dazu, wenn man irgendwo hingeht und einfach ganz offen fragt.“

Die Polizei brach schließlich die Demo und dann auch noch eine zweite Veranstaltung am Nachmittag ab, weil die Corona-Hygieneregeln nicht befolgt wurden. Der Veranstalter fing sich persönlich dazu auch noch eine Strafanzeige ein. Die weitgehend friedliche Menge verlief sich dann auf dem großen Platz vor dem Reichstag, einige Tausend Teilnehmer ließen den ereignisreichen Tag auf dem Rasen in der Sonne ausklingen. Und überall wurde diskutiert, ob man wohl tatsächlich 800.000 Demonstranten gewesen seien. Beim besten Willen: das ist nun wirklich eine Verschwörungstheorie. Die Polizei sprach von gut 20.000 Teilnehmern – was sehr viel ist. Vielleicht waren es auch 25.000 – wer kann das schon genau feststellen? Aber Hunderttausende waren es sicher nicht.

Bildquelle:

  • Freiheits-Demo_Berlin_01.08.2020: TheGermanZ
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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.