Trotz Trump: Wie die USA im Kampf um Meinungs- und Informationsfreiheit Peking und Moskau herausfordern

Kurzwellensendungen für wenig entwickelte Staaten

WASHINGTON – „Radio Free Asia ist zurück im Geschäft!“ Mit diesem Satz beendete Bay Fang, CEO von Radio Free Asia (RFA), eine monatelange Phase der Stille in den Ätherwellen Ostasiens. Nachdem der US-Kongress im Februar 2026 ein umfassendes Haushaltsgesetz verabschiedet hat, fließen die Gelder für die US-finanzierte Agency for Global Media (USAGM) wieder. Damit ist der Versuch der Trump-Administration, die staatlich finanzierten Auslandssender massiv zu beschneiden, vorerst gescheitert.

Im Jahr 2025 stand das gesamte System des US-Auslandsrundfunks am Abgrund

Die Trump-Administration hatte die Mittel für RFA, Radio Free Europe (RFE/RL) und Radio Martí drastisch gekürzt. Die Begründung folgte dem „America First“-Paradigma: Man sah in den Sendern „ineffiziente bürokratische Apparate“, die im Weißen Haus als politisch zu liberal oder gar als „anti-Trump“ wahrgenommen wurden.

Unter der kommissarischen Leitung von Kari Lake bei der USAGM wurden Verträge mit Kurzwellenanbietern gekündigt und die Büros in strategisch wichtigen Regionen wie Hongkong oder Istanbul geschlossen. Doch der Widerstand im Kongress war parteiübergreifend. Republikaner wie Demokraten begriffen, dass ein Rückzug aus dem Informationskrieg ein fatales Signal an China und Russland senden würde.

Das neue Haushaltspaket sichert nun 653 Millionen Dollar – genug, um den Sendebetrieb in Sprachen wie Mandarin, Uigurisch und Tibetisch sofort wieder aufzunehmen.

Information als „Soft Power“

Hinter dem Betrieb dieser Sender steckt eine klare geopolitische Strategie der Amerikaner. Die USA setzen darauf, dass autoritäre Regime am verwundbarsten sind, wenn ihre Bürger Zugang zu unzensierten Informationen über das eigene Land haben. Während lokale Staatsmedien in China oder Russland in Dauerschleife Erfolgsmeldungen verbreiten, berichten RFA und RFE/RL über Korruption in der Provinz, Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang oder die tatsächlichen russischen Verluste an der Front in der Ukraine.

Die Sender verbreiten keine amerikanische Propaganda im klassischen Sinne, sondern geben lokalen Aktivisten und Whistleblowern eine Plattform, die in ihrer Heimat mundtot gemacht werden.

Um das Programm rund um die Uhr aufrechtzuerhalten, betreiben die Sender ein globales Netzwerk mit der Zentrale in Washington DC, wo sich auch die Hauptstudios befinden. Die Zentrale für Europa sitzt in Prag. Radio Free Asia produziert seine Programme in Taipeh (Taiwan), Seoul (Südkorea) und Bangkok (Thailand). Von dort aus wird das Material über Kurzwellensender auf den Philippinen oder den Marianen-Inseln ausgestrahlt.

RFE/RL hat nach dem russischen Überfall auf die Ukraine neue Studios in Vilnius (Litauen) und Riga (Lettland) eröffnet, und beschäftigt dort russischsprachige Exiljournalisten.

Gesendet wird über alle Kanäle: Während die Kurzwelle in den Bergen Tibets oder ländlichen Regionen Nordkoreas noch immer das sicherste Medium ist, nutzen die Sender für China und Russland verstärkt das Darknet (Tor-Browser), Satellitenfernsehen und verschlüsselte Telegram-Kanäle.

Dass diese Arbeit an der Informationsfront mit unseren Gegnern wirkt, zeigt die heftige Reaktion der Gegenseite.

So hat twa Peking RFA-Mitarbeiter als „Separatisten“ gebrandmarkt. Familienmitglieder von uigurischen Journalisten in den USA wurden in Internierungslager in Xinjiang verschleppt, um Druck auf die Berichterstatter auszuüben. RFE/RL wurde in Russland offiziell als „unerwünschte Organisation“ eingestuft. In Prag und anderen Standorten gab es wiederholt Warnungen vor physischen Anschlägen durch russische Geheimdienste. 2024 und 2025 nahmen zudem massive Cyberangriffe (DDoS) auf die Server der USAGM zu, die zeitweise die Webseiten der Sender lahmlegten.

Im März 2024 musste RFA sogar sein Büro in Hongkong schließen, nachdem Journalisten direkt mit Haftstrafen bedroht worden waren.

Bildquelle:

  • Kurzwellensender: usc

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