Mit dem „alten Ami“ stirbt auch wieder ein Stück des alten West-Berlins

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!

Die Nachricht vom Tod des Radiomoderators, eigentlich Radiomachers, Rik de Lisle in Berlin erschüttert mich immer noch. Nicht, dass wir ein besonders enges Verhältnis zueinander hatten, aber wir kannten uns seit über 40 Jahren aus West-Berliner und dann gesamt Berliner Radio-Zusammenhängen. Rik war eine einzigartige Persönlichkeit, sein Stil mit dem unverwechselbaren sprachlichen Ami-Einschlag, gemixt mit Berlinerisch – das hatte schon was. „Icke bin’s, der alte Ami …“

Es gab gestern zurecht zahlreiche positive Nachrufe auf Rik.

Und auch wenn wir immer freundlich miteinander waren, wenn wir uns mal bei Radio-Events trafen, waren das zwei unterschiedliche Welten: Rik, der Ausnahmemoderator, der den Rock ’n’ Roll ins alte West-Berlin brachte, und ich, der staubtrockene Nachrichtenmann.

Der Tod von Rik berührt mich heute so sehr, weil mit ihm ein Stück weit das alte West-Berlin gestorben ist. Nicht nur mit ihm, aber auch mit ihm.

Denn die von den Sozialisten eingemauerte, quirlige Metropole hatte damals ein einzigartiges Lebensgefühl.

Die Wannsee-Romantik, Berliner Weiße, Harald Juhnke, Insterburg & Co., die Neue Deutsche Welle und Jim Rakete, das Springer-Hochhaus direkt an der Mauer, das Deutsch-Amerikanische Volksfest (DAV) mit Cheeseburgern und Country-Music und eben Radiomoderatoren wie Rik de Lisle. Oder auch Dennis King, der legendäre RIAS-2-Moderator, ein enger Freund von Rik. Natürlich.

Ganz ehrlich, ich vermisse das alte West-Berlin ein bisschen: seine Gemütlichkeit, die Strippenzieher aus der Baubranche, Rolf Eden und sein Rolls-Royce-Cabrio. Aber das sind vielleicht auch nur die verklärten Erinnerungen eines älter werdenden (weißen) Mannes, der Berlin auch heute noch sehr mag – trotz der offensichtlichen Missstände, trotz Palästinenser-Gekreische, trotz vermüllter Straßenecken und, ich muss es leider so sagen, einer Stadtregierung, die diese Metropole unter Wert regiert.

Keine Woche vergeht, ohne dass ich hier mit Menschen zusammensitze und irgendwann der Satz fällt: „Ein Wunder, dass das alles irgendwie immer noch zu funktionieren scheint.“ Und das ist es: ein Wunder. Aber es funktioniert eben tatsächlich irgendwie.

Ich werde Rik de Lisle sicher nicht vergessen – ein guter Typ, den ich immer entspannt und als Rock ’n’ Roller erlebt habe. „Alter Ami“ eben …

Ruhe in Frieden, Rik, und leg da oben im Himmel anständige Mucke auf!

Mit herzlichen Grüßen

Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.