Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
Wenn Sie in Geschichte etwas bewandert sind, dann empfehle ich Ihnen, sich intensiver mit dem Begriff Querfront zu beschäftigen, der in manchen Kreisen, besonders rechten, einigen Publizisten immer mal so leicht über die Lippen kommt.
Querfront meint, das Zusammenwirken komplett unterschiedlicher politischer Kräfte zum Erreichen eines gemeinsamen Ziels. Sehr erfolgreich und das Paradebeispiel überhaupt war dabei die Zerstörung der Weimarer Republik (1919–1933). Mangels echter Machtoptionen versuchte Intellektuelle der rechten sogenannten Konservativen Revolution erste Brücken zu den Kommunisten aufzubauen. Ihr gemeinsames Ziel: die Zerstörung der Weimarer Demokratie, des herrschenden Bürgertums und des Kapitalismus.
Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor?
Damals bildete sich auch der sogenannten Nationalbolschewismus heraus, eine intellektuelle Strömung. die ihren radikalen Nationalismus mit dem sozialistischen Wirtschaftssystem der Sowjetunion zu verbinden suchte.
Insofern ist die Diskussion darüber – und das Aufjaulen von Links – verständlich, wenn jemand behauptet, Hitlers NSDAP sei im Grund keine rechte sondern eine, ja, was soll man sagen, national-sozialistische Partei gewesen, weshalb sie ja wohl auch so heißt. In der Nazi-Partei gab es damals den anfangs durchaus einflussreichen nationalrevolutionären Flügel um die Brüder Otto und Gregor Strasser, die stark antikapitalistisch agierten, um die Arbeiterschaft hinter sich zu versammeln.
Hitler selbst verhinderte den Marsch seiner braunen Truppe nach links, stoppte den linken Flügel um Georg Strasser und wurde wenige Wochen später im Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt. Strategisch alles richtig gemacht.
Aber das, was die Querfront ausmacht, war damals wie heute: der angestrebte Sturz des verhassten „Systems“
Eine armselige Posse, den Mann morgens um 6 Uhr an der Haustür im Bademantel der geifernden Öffentlichkeit vorzuführen. Diese Aktion war eines Rechtsstaates tatsächlich unwürdig.
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Aber festzuhalten bleibt, dass da draußen eine Menge Leute unterwegs sind, die intensiv daran arbeiten, die bürgerliche Mitte in Deutschland zu pulverisieren. So, wie das damals in der Weimarer Republik gelungen ist.
Dabei sind die Voraussetzungen heutzutage ganz anders
Hier stehen nicht Millionen Menschen an Suppenküchen an, hier wird man sozial abgesichert, wenn man arbeitslos ist oder aus anderen Gründen durch das soziale Netz fällt. Natürlich ist es eine Schande, dass heute Menschen bei gemeinnützigen „Tafeln“ anstehen müssen, um Brot und Gemüse fürs Überleben zu Hause abzuholen. Und das in einem Staat, wo Hunderttausende Menschen „geduldet“ werden, die kein Recht haben, dauerhaft bei uns und auf unsere Kosten zu leben. Oder die mehr als 100 Millionen Euro, die allein die Bundesregierung jedes Jahr für linke NGOs ausgeben, die damit den Kampf gegen ihre Geldgeber finanzieren. 100 Millionen – sollten die nicht lieber dafür ausgegeben werden, dass alle Familien in Deutschland auch am Monatsende satt werden und dass sie die Miete und Heizung bezahlen können?
In diesem Land läuft seit Jahren gewaltig etwas schief
Sie alle wissen das. Aber niemand scheint die Kraft zu haben, dagegen aufzustehen, sich der fatalen Entwicklung entgegenzustellen.
In Sachsen-Anhalt – und demnächst in Thüringen und Sachsen – brechen längst die Dämme, wird „das Systen“ (in dem man, nebenbei bemerkt, dennoch gut und gerne lebt) längst von großen Teilen der Bevölkerung abgelehnt. AfD, Linke und BSW zusammen sind nicht weit von echtem politischen Einfluss entfernt. Hauptgrund ist die jämmerliche Performance der einst staatstragenden Parteien CDU, SPD und FDP. Die Älteren werden sich erinnern. Und natürlich ist die AfD nicht eine neue NSDAP, was für ein Schwachsinn. Und die Linke ist nicht 1:1 die SED, wie sie mal hieß. Aber das ist kein Grund zur Beruhigung. Berlin zeigt uns gerade, dass es immer noch schlimmer werden kann. Und SPD und Grüne machen dort diese Farce mit. Es ist zum Verzweifeln. Und seit ich das BSW kenne, weiß ich, wie gut es ist, wenigstens noch eine paar pragmatische Linke zu haben.
Nein, ich wähle nicht die Linke, bevor Sie mir schreiben, was aus mir geworden sei
Ich weiß überhaupt nicht mehr, wen ich noch wählen kann. Ich bin politisch heimatlos, so wie so viele da draußen, sicher auch wie viele von Ihnen.
Das entscheidende „Battlefield“ im Moment ist unübersehbar Russlands Krieg gegen die Ukraine und der Umgang damit.