Anklage gegen den Haupterben: Hat Tengelmann-Chef Christian Haub unter Eid gelogen?

Tengelmann-CEO Christian Haub

ESSEN/MOSKAU – Es wurde höchste Zeit: Die Kölner Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen Tengelmann-Chef Christian Haub erhoben. Der soll im Zusammenhang mit dem mysteriösen Verschwinden seines Bruders Karl-Erivan Haub, damals Tengelmann-Chef, an Eides statt gelogen haben.

„Das ist eine private Angelegenheit von Herrn Haub, daher nehmen wir unternehmensseitig keine Stellung“, ist das einzige, das seitens des Konzerns zu dem brisanten Vorgang heute mitgeteilt wurde. Der Konzern betreibt neben den bekannten Supermarktketten auch OBI-Baumärkte und KiK-Discounter.

Im April 2018 verschwand Karl-Erivan Haub – intern KEH genannt – bei einem Skiausflug in den Schweizer Alpen. Weder seine Ausrüstung noch eine Leiche wurden bis heute gefunden – trotz der umfangreichsten Suchaktion in der Geschichte der Schweiz. So stellte das Amtsgericht Köln schließlich formell seinen Tod fest, obwohl die Recherchen der RTL-Journalistin Liv von Boetticher zu diesem Zeitpunkt schon stichhaltige Belege vorlegten – auch beim Kölner Gericht –, dass sich Haub nach Russland abgesetzt hat und heute am Stadtrand von Moskau lebt.

Es gibt zahlreiche Hinweise, dass KEH ähnlich wie Jan Marsalek von Wirecard seit Jahren ein russischer Einflussagent gewesen ist, der bei großen Geldwäsche-Aktionen eine entscheidende Rolle spielte und wahrscheinlich vom FSB (früher KGB) geführt wurde oder sogar noch wird.

Fotos von Überwachungskameras in Moskau aus dem Februar 2021 wurden im deutschen „Manager Magazin“ veröffentlicht. Analysten schätzten in zwei Gutachten die Wahrscheinlichkeit, dass diese Bilder Karl-Erivan Haub putzmunter zeigen, auf über 90 Prozent ein.

Nur durch die gerichtliche Todeserklärung in Köln wurde es damals möglich, die Eigentumsverhältnisse in der Tengelmann-Holding und das Milliardenvermögen der Familie neu zu strukturieren und zu klären. Da es auch schon 2021 erhebliche Zweifel an der Geschichte vom Skiunfall gab, begann die Staatsanwaltschaft 2024 endlich gegen den neuen Konzernchef und Bruder Christian Haub zu ermitteln.

Der hatte eidesstattlich versichert, ihm lägen keinerlei belastbaren Belege vor, dass sein Bruder Karl-Erivan noch leben könne.

Ermittler durchsuchten die Privaträume des neuen Konzernchefs und beschlagnahmten technische Geräte, nachdem die RTL-Journalistin von Boetticher selbst Strafanzeige erstattet hatte – ein ausgesprochen ungewöhnlicher Vorgang.

Bildquelle:

  • Christian_Haub: tengelmann21

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.