Buttercookies statt Bundestag…es ist Sommer

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Liebe Leserinnen und Leser,

vor ein paar Tagen habe ich für die Leser meines bürgerlich-konservativen Blogs „Denken Erwünscht“ ein Stück geschrieben, wie surreal mir unsere Wirklichkeit in Deutschland derzeit vorkommt. Und ich möchte hier daran anschließen heute, weil für Menschen in meinem Job auch Sommerferien an sich etwas Surreales sind.

Es zeichnete sich schon in der ersten Juli-Woche ab, der letzten Sitzungswoche des Bundestages. Hochbetrieb in Berlin. Jeden Tag vier, fünf Termine. Interviews, Hintergrundgespräche, Investoren anbetteln, Pläne schmieden, Empfang hier, Party dort. Inspirierend zweifellos, aber wenn Sie dann spätabends ins Bett fallen, sind Sie auch nicht böse, drei, vier Glas Wein und die Scampis in Dillsauce ausgelassen zu haben und einfach nur die Augen vorübergehend (wichtiges Wort in diesem Zusammenhang) schließen zu können. An einem Tag dort ist es wirklich auch bei mir später geworden, weit nach Mitternacht, ich glaube so gegen vier war Schluss. Wenn da morgens dann der Wecker klingelt, das ist für einen 63-Jährigen, als wenn mir jemand mit dem Holzhammer auf den Schädel schlägt. Viertelstunde kalt duschen, drei Tassen Kaffee hintereinander, wo ist noch ein glatt gebügeltes, weißes Hemd, wann kommt das Taxi?

Ich will nicht klagen, niemand zwingt mich, so zu leben. Wäre ich damals bei Springer geblieben, hätte ich 14 Jahre geregelte Arbeitszeiten mehr, jeden Monatsersten ein ordentliches Gehalt auf meinem Privatkonto, 14 Mal im Jahr, Betriebsrente, Presse-Versorgungswerk. Und würde gleich auf den Golfplatz schlendern, bevor ich mir auf der Terrasse des Golfclubs ein Wiener Schnitzel mit Kartoffel-Gurken-Salat und Preiselbeeren gönne. Aber der Liebe Gott hat einen anderen Plan für mich…irgendwie…

Der Sommer erwärmt die Erde und unsere Herzen, viele sind bereits irgendwo am Strand, auch meine halbe Familie. Manche in Portugal, manche auf irgendeiner griechischen Insel, Weißbrot, Feta und Oliven in der Sonne und gleich den ersten Ouzo, verdünnt natürlich, aus dem Wasserglas.

Fällt Ihnen das Umschalten auch so schwer wie mir?

So von 150 km/h auf 20 km/h innerhalb von drei Tagen?

Heute kein einziger Termin außer Haus, Croissants holen – ok, das ist der Einzige. Jeans mit zwei Löchern, grünes T-Shirt mit der Aufschrift „Polizei“, keine Socken an, die GAP-Band laut mit „Early in the Morning“ im Ohr. Early in the Morning – um 9.47 Uhr! Wahnsinn, meine Leser warten seit Mitternacht auf den „Frühen Vogel“. Vorhin mit zwei Abgeordneten per WhatsApp geschrieben, mit denen ich wirklich auch privat sehr gut befreundet bin. Unterschiedliche Parteien, welche sage ich nicht.

Beide haben den ganzen Tag noch Termine. Beide völlig durchgetacktet. Parlament, Plenum. Bürgersprechstunde, Rede korrigieren, neuen Flyer formulieren, Grillfest hier, Grillfest da. Bis in den späten Abend. Am 19. Juli!!! Wahnsinn, oder?

Wann leben wir eigentlich noch, frage ich den einen der beiden Abgeordneten, bevor er in die Sitzung muss. Durchgeplant, unter Dauerstress, gesund ist es auch nicht. Und für was? Damit jetzt das Tempolimit eingeführt wird?

Wir Bürgerlichen verlieren immer, wirklich immer. Und wir finanzieren den ganzen linkswoken Unfug auch noch selbst, den wir dann mit Elan versuchen zu verhindern, was wir aber nicht können, weil die Anderen immer gewinnen. Ich glaube, ich gehe gleich mal auf den Marktplatz, da ist eine sehr gute Eisdiele, wo unser Jüngster (16) jobbt. Da gibt’s jetzt dieses neue Buttercookie-Eis in der Waffel…

Haben Sie alle einen sonnigen Tag!

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.