von MARTIN EBERTS
MAINZ/HAMBURG – Die Wellen schlugen hoch nach den umstrittenen Äußerungen des Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU) in einer Fernseh-Talkshow. Vergiften die „Social Media“ das Meinungsklima in Deutschland? Sind sie es, die mit Halbwahrheiten und „Fake News“ unbilligen Einfluss auf die Bevölkerung nehmen? Steckt dahinter ein feindliches Ausland mit seinen „Tech-Konzernen“? Müssen wir deshalb in unserer Demokratie solche Medien an die Kandare nehmen, notfalls sogar verbieten?
Während die Debatte sich auf eine Art Meta-Ebene verlagert – was das gesprochene Wort des Mannes gemeint habe oder „wirklich“ bzw. „eigentlich“ gemeint haben könnte – sollten wir zur Abrundung des Bildes auch einmal in eine andere Richtung schauen: Sind es tatsächlich nur die verruchten Social Media, die mit mehr Meinung als Meldung arbeiten? Das selbstverständliche Mitheulen der öffentlich-rechtlichen Medien im Wettstreit der Empörung über „schwarze Schafe“ sollte uns nachdenklich stimmen. Da heulen die Wölfe mit!
Dass es die öffentlich-rechtlichen Medien nicht immer so genau nehmen mit der Wahrheit, und dass es dort genau jenes Framing und „faktenfreie“ Publizieren gibt, das Herr Günther einem ihm missliebigen Nachrichtenportal vorwirft, dafür habe ich Ende vergangenen Jahres wieder einmal einen krassen Beleg gefunden; eine WDR-Sendung mit dem Titel „Radikale Christen in Deutschland: Kreuzzug von Rechts“ (11.12.2025). 29 Minuten voller Halbwahrheiten, Unterstellungen und Framing: Hass und Hetze gegen gläubige Christen. Das ist zwar nichts Neues in den Mainstream-Medien, die generell kritisch bis feindselig auf Christen blicken, die ihren Glauben ernst nehmen. In diesem Fall aber hatte die WDR-Kolportage nicht nur eine abstrakte Rufschädigung bewirkt, sondern nachweisbar konkreten Schaden angerichtet.
Ein guter Freund von mir, der mit einer schweren Krankheit ringt und auch ein wenig einsam ist, hatte erstmals in seinem Leben Interesse am christlichen Glauben gefunden. Obwohl er völlig areligiös sozialisiert ist und vom Christentum wenig Genaues weiß, fühlte er in seiner existenziellen Not zum ersten Mal, dass Agnostizismus und Atheismus in ihrer Trostlosigkeit nicht das letzte Wort in unserem Leben haben sollten. In dieser Phase der beginnenden Suche nach Trost und Sinn sah er, ein regelmäßiger Konsument von ARD-Produkten, die Kolportage des WDR. Seine Reaktion darauf war wie programmiert: Damit will ich dann doch lieber nichts zu tun haben…
Es hat mich einige Mühe gekostet, meinen guten Freund davon zu überzeugen, dass das Zerrbild jener Sendung nichts mit der Realität gelebten christlichen Glaubens gemein hat. Noch weiß ich freilich nicht, ob meine Bemühungen Erfolg haben werden, ob das sachliche Argument und das persönliche Zeugnis gegenüber der negativen Suggestion des Fernsehens bestehen können.
Aber ich habe an den Intendanten der ARD und die Intendantin des WDR geschrieben, um ihnen – sachlich und ohne Aufregung – den angerichteten Schaden zu beschreiben. Dabei habe ich allerdings auch meinem Wunsch Ausdruck verliehen, der Feldzug der ARD-Medien gegen missliebige Christen fände einmal ein Ende und jener jakobinischen Furor ließe sich ein wenig zügeln, mit dem die WDR-Redakteure faktenfrei gläubige Christen verleumdet haben.
Noch hat kein Ministerpräsident öffentlich Anklage erhoben und zur Treibjagd gegen die ARD-Sender aufgerufen. Und das ist auch gut so. Aber dass jene Verantwortlichen einfach schweigen, auf unliebsame Bürgerbeschwerden nicht eingehen, dass sie zugleich den Nimbus der Aufrechten beanspruchen, das ist definitiv kein Zeichen von verantwortungsvollem Journalismus.
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- Lanz_Günther_ZDF: zdf
