von KLAUS KELLE
BERLIN – Meine erste Woche Reha ist vorbei, und ich habe dabei mehr Sport gemacht als in den vergangenen fünf Jahren insgesamt. Aber ich lerne dort auch sehr viele andere nützliche Dinge, zum Beispiel, wie man richtig sitzt, Stress bewältigt und was Arteriosklerose konkret bedeutet.
Und wie immer, wenn ich etwas Neues erlebe, habe ich danach ein tiefes Bedürfnis, darüber zu schreiben und mit Ihnen ins Gespräch zu kommen.
Warum lernen die Schüler im deutschen Bildungssystem eigentlich so etwas nicht?
Dass man beim Kochen von Nudeln nicht unbedingt Salz braucht, sondern das auch mit Kräutern wunderbar machen kann? Oder dass ein erwachsener Mensch die Menge von sechs Würfeln Zucker am Tag verbrauchen sollte, dass aber ein einfacher Fruchtjoghurt bereits neun Zuckerwürfel enthält? Ich bin jetzt 67 Jahre jung und höre das zum ersten Mal so konkret.
Warum ist gesunde Ernährung nicht Pflichtfach an unseren Schulen – dafür aber frühkindliche Sexualerziehung?
Warum lernen nicht alle Eltern, dass sie ihren Kindern nichts Gutes tun, wenn sie jeden Morgen „Fruchtzwerge“ in den Brotbeutel packen? Warum hat Schulsport nicht einen deutlich höheren Stellenwert im Unterrichtsplan? Warum können so viele Schüler heutzutage nicht schwimmen?
Wie funktioniert so ein Körper, was ist gesund, was ist ungesund, was kann man tun, damit man nicht Jahre später eine Fettleber hat?
Und: Wie funktioniert Marktwirtschaft?
Wie entwickelt man einen Businessplan, wenn man sich selbstständig machen will? Wie finanziert man sich ohne Bankkredite? Was sind die wichtigsten Punkte, die man klären muss, bevor man eine Firma gründet?
Und was ist eigentlich Recht und Ordnung? Warum gehören Gewaltverbrecher eingesperrt und nicht in „Freigang“?
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Die Liste wäre lang, was unseren Kindern in der Schule nicht ausreichend oder überhaupt nicht vermittelt wird.
Was sind Steuern und warum gibt es die, worauf muss man in Miet- und Versicherungsverträgen achten? Wie funktioniert das Internet, wo liegen die Gefahren, wie nutze ich Medien so, dass ich nicht manipuliert werde?
Wo lernen unsere Kinder das in der Schule?
Ein Projekttag kurz vor den Sommerferien reicht bei Weitem nicht aus. Hinzu kommt natürlich der Föderalismus, der jedem der 16 Bundesländer Autonomie bei der Bildungspolitik zubilligt. Dazu kommt der Lehrermangel, Burn-out an Stress-Schulen. Die BILD hat gerade ein Interview mit einer Lehrerin in NRW veröffentlicht, 80 Prozent Migrantenkinder: Iraker, Syrer, Afghanen. Da verweigern Eltern den Unterricht ihres Sohnes durch eine Lehrerin, da schlagen Schüler auch mal Lehrkräfte und in dem genannten Fall prostituierte sich eine Minderjährige im Schulklo für Geld und Drogen.
Der unerfreuliche Zustand Deutschlands hängt auch damit zusammen, dass das mit der Bildung nicht mehr funktioniert
Elternhäuser und Kirchen versagen, viele Schulen auch. Nicht, weil sie keine guten Absichten oder engagierten Lehrer hätten, sondern weil ihre Voraussetzungen schlecht sind. Und die Lehrpläne auch. Wir haben ein Bildungssystem, das den Anforderungen der heutigen Zeit nicht gerecht wird. Wir haben Lehrer, die unverhohlen den Unterricht politisieren für Klima, Gender, gegen Rechts. Aber wir schicken Schulabgänger auf die Straße, die nicht schreiben oder einen einfachen Dreisatz rechnen können.
Warum Reformen so langsam sind
Jedes der 16 Bundesländer bestimmt seine Lehrpläne selbst. Ein bundesweit einheitliches, schnelles Umdenken ist dadurch rechtlich unmöglich.
Schulen kämpfen mit massivem Personalmangel. Die Einführung neuer Inhalte scheitert oft schlicht daran, dass niemand da ist, der sie unterrichten kann.
Entscheidend ist aber: Die Entwicklung und Genehmigung neuer Curricula und Schulbücher dauert in Deutschland oft mehrere Jahre.
Und selten geht es um das Wohl unserer Kinder und darum, sie zu selbstbewussten und lebensfähigen Staatsbürgern zu machen. Stattdessen werden sie indoktriniert für vermeintlich hehre Ziele und niemand in der Politik fällt den Leuten in den Arm.
Wer Deutschland zurück auf einen besseren Weg bringen will, der muss bei der Bildungspolitik anfangen!
Bildquelle:
- Schule_Erstklässler: adobe.stock/drubig-photo
