Deutliche Verärgerung in Ungarn über die Entlassung eines Torwarttrainers in Berlin

ARCHIV - Muss als Torwart-Trainer bei Hertha BSC gehen: Zsolt Petry. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa
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Gastbeitrag von Dr. GERHARD PAPKE
Präsident der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

In Deutschland hat es der Vorgang höchstens auf die Sportseiten geschafft, in Ungarn war und ist er Gesprächsthema und ein echtes Politikum: Der Fußballbundesligist Hertha BSC feuert seinen ungarischen Torwarttrainer Zsolt Petry. Der hatte im Interview der Zeitung „Magyar Nemzet“ seinem Landsmann Péter Gulácsi widersprochen, dem Torwart von RB Leipzig.

Gulácsi gefällt die Familienpolitik der ungarischen Regierung nicht, genauer gesagt, er möchte ein Adoptionsrecht auch für homosexuelle Paare. Dieser Auffassung kann man selbstverständlich sein. Man sollte aber auch anderer Meinung sein dürfen, ohne deshalb sofort seinen Arbeitsplatz zu verlieren. In Deutschland ist das heutzutage offenbar nicht mehr gewährleistet. Das irritiert die Ungarn. Doch es sollte auch uns Deutsche beunruhigen.

Wenn man sich die Äußerungen Petrys anschaut, dann findet man nichts, was herabsetzend oder diffamierend wäre. Auch wenn er im Nachhinein beklagt, dass „Magyar Nemzet“ seine Äußerungen nicht vollständig wiedergegeben habe. Die Maschinerie der medialen Tugendwächter arbeitet in Deutschland schnell und unerbittlich. Bei Abweichungen vom zulässigen Meinungsspektrum gibt es keine Gnadenfrist für Diskussionen.

Zumal es Petry im selben Interview auch noch gewagt hatte, scharfe Kritik an der europäischen Einwanderungspolitik zu üben. Hertha BSC warf ihn einfach raus. Mit der öffentlichen Begründung des Bundesligisten: Der Verein setze sich „aktiv für Vielfalt und Toleranz ein, weil uns diese Werte wichtig sind“. Wie bitte? Ein erschütterndes Beispiel für Intoleranz gegenüber anderen Meinungen wird ins Gegenteil uminterpretiert? So viel Dreistigkeit verschlägt einem fast den Atem. Aber gerade deshalb sollte sie uns alarmieren.

Immer drängender stellt sich die Frage, mit welchem Recht in Deutschland eigentlich fehlender Pluralismus in anderen Ländern beklagt wird, wenn bei uns schon einfache Meinungsäußerungen, die nicht dem linken Mainstream entsprechen, zum sofortigen Jobverlust führen können. Sieht so die Meinungsfreiheit aus, die angeblich in Ungarn fehlt?

Die ungarische Regierung war jedenfalls höchst empört und bestellte sogar den Geschäftsträger der deutschen Botschaft in Budapest ins Außenministerium ein. Aber die Bundesregierung will die Aufregung in Ungarn gar nicht verstehen können. Es handele sich schließlich allein um eine Entscheidung von Hertha BSC. Ist es wirklich so einfach? Hat nicht gerade die staatsfinanzierte Deutsche Welle angekündigt, künftig Beiträge in ungarischer Sprache zu senden, um die angeblich „in den ungarischen Medien weniger diskutierten Themen wie Menschenrechte, Minderheitenrechte und LGBTQ-Themen zu behandeln“?

Es scheint allerhöchste Zeit, lieber erst einmal bei uns in Deutschland kritisch zu beleuchten, welche Themen und vor allem welche Meinungen „weniger diskutiert“ werden. Weil diejenigen, die es dennoch tun, zusehends ins Abseits geraten können. Das ist eine akute Gefahr für die Meinungsfreiheit. Nicht in Ungarn, sondern in Deutschland.

Bildquelle:

  • Zsolt Petry: dpa
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