Die „Wasserkinder“ von Japan: Im alternden Japan ständige Mahnung an die abgetriebenen Kinder

In Japan ständige Mahnung: die "Wasserkinder" halten die Erinnerung an 400.000 Abtreibungen pro Jahr wach.
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von AKIO TANAKA, Kyoto (Japan)

KYOTO – Zu den langfristigen Nebenwirkungen der Covid-Pandemie gehört auch die Verschärfung ohnehin bestehender demographischer Probleme in den Ländern Ostasiens. Chinas immer irgendwie extreme Bevölkerungspolitik brachte es gerade wieder einmal in die Schlagzeilen, mit dem offiziellen Umschwenken von der berüchtigten Ein-Kind-Politik zu einer nun plötzlich erwünschten Drei-Kind-Politik. Aber auch in den demokratischen Ländern der Region, die niemals eine so barbarische Bevölkerungskontrolle wie das kommunistische China betrieben haben, stellen sich ernste demographische Herausforderungen.

Reist man durch die Region, so begegnet einem geradezu ein Pessimismus-Wettbewerb, ein Kokettieren mit demographischen Schreckensszenarien. Ob in Korea, in Japan oder in Taiwan – kaum kommt das Thema „alternde Bevölkerung“ auf, so hört man allerorten „ja, wir haben nämlich die niedrigste Geburtenrate der Welt…“ Stolz ist man darauf in keinem der Länder, überall aber irgendwie ratlos. Und nun wird die ständige Abnahme der Geburtenzahlen auch noch durch die Pandemie beschleunigt. Überall müssen wegen des Wuhan-Virus die Schätzungen der Geburtenraten korrigiert werden; besonders dramatisch in Japan, wo man nun – Jahre früher als erwartet – an der Schwelle zur „super-aging society“ steht.

Die Japaner sind ein kinderliebes Volk. Da kann man sich fragen, warum nicht ein Lösungsansatz ins Auge gefasst wird, der eigentlich auf der Hand liegt: Hilfen für ungewollt schwangere Frauen. Anders als in Deutschland, den USA und anderen westlichen Ländern ist das Thema Abtreibung in Japan auch nicht ideologisch aufgeladen. Es ist eher so, dass man nicht darüber spricht. Das ist aber auch nicht gut für ungeborene Kinder. Offiziell registriert werden in Japan jedes Jahr ca. 180.000 Abtreibungen; gemessen an der Bevölkerungszahl von über 126 Miollionen mag das der eine oder die andere für nicht dramatisch halten, auch wenn man es mit den jährlich ca. 100.000 Fällen in Deutschland vergleicht. Der Haken daran: Die Zahl stimmt nicht.

Engagierte Ärzte und seriöse NGOs in Japan schätzen die tatsächliche Zahl von Abtreibungen pro Jahr auf über 400.000, und man geht sicher nicht fehl in der Annahme, dass der zusätzliche „Corona-Knick“, der noch obendrauf kommt, Japan gerade die niedrigste Geburtenrate seit Beginn der landesweiten Statistik beschert. Und das geht zur Gänze auf das Konto von zusätzlichen Abtreibungen, auch wenn genaue Zahlen, mangels verpflichtender Meldeverfahren, schwer zu bekommen sind.

Oberflächliche westliche Beobachter attestieren den Japanern gern eine angeblich gleichgültige Einstellung zum ungeborenen Leben, so als betrachteten sie Embryonen nur als Zellklumpen, die man ebenso bedenkenlos entfernen könne wie eine Warze. Besonders jene Lobbyisten, die in Japan auf große Geschäfte mit der Abtreibungspille hoffen, freuen sich über diese Darstellung. Die Sache hat aber wiederum einen Haken: Auch dieses Bild stimmt nicht.

Überall im Lande, geradezu unübersehbar, gibt es an Schreinen und Tempeln Bereiche, die einer Quasi-Gottheit gewidmet sind, mit Zuständigkeit für totgeborene und vor allem abgetriebene Kinder, die Mizuko, „Wasserkinder“. Dort stehen jeweils dicht gedrängt unzählige Figürchen mit putzigen Lätzchen, manchmal auch Mützchen. Es sind Votivgaben, mit denen die Seelen der Abgetriebenen beruhigt, ferngehalten und mit Hilfe des Jizo ins Jenseits geleitet werden sollen. Das Unrechtsbewusstsein ist also vorhanden. Wenn man mit offenen Augen durchs Land reist und immer wieder die vielen Figürchen sieht, dann begreift man die Größenordnung des Sterbens, um die es hier geht.

Westliche Abtreibungslobbyisten bemühen sich seit Monaten, unter Ausnutzung der Pandemie in Japan die Zulassung neuer Abtreibungspräparate für die Corona-taugliche „Hausabtreibung“ zu pushen. Ganz offen wird dafür geworben, dass genau der richtige Moment gekommen sei, zumal man in Japan nicht den Widerstand von Pro-Lifern und Kirchen zu befürchten habe. Falls diese Rechnung aufgehen sollte, würden davon außer den Vertreibern der tödlichen Pillen allerdings nur noch die Hersteller von Votivpüppchen profitieren.

Das unüberschaubare Heer der „Wasserkinder“ nähme weiter zu, während das Land nach und nach ergraute.

Bildquelle:

  • Wasserkinder_Japan: theGermanZ
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