Endlich mal ausgesprochen: Was Männer wirklich wollen

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Liebe Leserinnen und Leser,

wenn Sie den „Vogel“ gestern gelesen haben, dann wissen Sie, warum ich heute zu spät dran bin mit meiner täglichen Kolumne. Hochzeit des ältesten Sohnes, mittags um 13 Uhr Trauung in der Kirche, und dann durchgehend Party. Nicht „all night long“ zwar, aus dem Alter bin ich (leider) raus, aber schon anstrengend, auf jeden Fall schön. Glückliche Menschen zu sehen, viele neue – Familie und Freunde – kennengelernt, das ist immer herrlich. Und dann das mega Essen, das frische Krombacher vom Fass – kann man machen.

„Wir geben euch heute unseren besten Mann“, hatte ich in meiner Tischrede abends der Familie der Braut noch unter lautem Beifall versprochen, aber gegen 19 Uhr war ich selbst halt auch noch frisch und munter. Gegen Mitternacht – und das will ich Ihnen eigentlich erzählen – wird es schwieriger auch für einen jung gebliebenen 62-Jährigen. Ich verstehe, dass die jungen Leute auf der Tanzfläche richtig abgehen, mit Glas in der Hand und Partyfinger in der Luft bei lauter Mucke. Und ich verstehe auch, dass die Mütter dann hinterherstürmen, weil sie sich ja auch so jung fühlen, wie ihre Töchter. Aber wir alten weißen Männer?

Wir sitzen da unter uns am Tisch, zur Abwechslung mal ein frisches Bolten-Alt vor uns auf dem Tisch und plaudern über Schalkes derbe Klatsche gegen Werder Bremen am Nachmittag, da rufen und winken sie, die eigenen Kinder mit ihren Freunden und Freundinnen und winken dieses „Koooommm, Kooommm….“ zu uns herüber, das Fans aus Fußballstadien kennen. Und ja, was willste maaache? Wir Jungs aufgesprungen, Jacke aus, Krawatte auf Halbmast und ab ins Getümmel. Wir machen das, klar. Wir wollen uns nicht blamieren vor der eigenen Brut und den Damen, die rhythmisch und nahezu hemmungslos über die Tanzfläche hüpfen zu „Earth, Wind and Fire“. Aber eigentlich – seien wir ehrlich – wollen die meisten Männer einfach sitzen und quatschen und dabei was trinken.

Ich habe diese Erfahrung schon vergangenes Jahr bei der Vorbereitung unseres Schwarmtreffens in Essen machen können. In der Facebook-Gruppe gefragt, ob man vielleicht mal etwas Ballähnliches organisiseren sollte abends, Big Band, Smoking, Abendgarderobe, tanzfähige Damenschuhe sind ganz, ganz wichtig, wie ich gelernt habe, aber ein eindeutiges Ergebnis. 90 Prozent der Frauen sofort total begeistert, 90 Prozent der Männer „Herr Kelle, das passt doch nicht zu so einem Treffen…“

Manche Dinge ändern sich nie, oder?

Ich habe irgendwann, nicht lange nach Mitternacht, aufgegeben. Weil ich müde war. Einfach müde.

Viele gute alte Freunde waren gestern dabei, einige hatte ich 30 Jahre lang nicht mehr gesehen. Ich schlug vor, dass wir uns Ende Mai alle wieder treffen, wenn ich meinen 63. Geburtstag feiere. Schnell kam die Idee, dass wir das mal als ein reines Männerevent zelebrieren könnten. Einer mit großem Garten feuert den Grill an, wir legen Fleischbrocken auf den Rost, bisschen Baguette und selbst gemachte Aioli, kaltes Pils – fertig. Dann sind wir alten weißen Männer einfach glücklich. Mein bester Freund seit Jugendzeiten schaut kurz auf sein Smartphone und checkt den Termin. An dem Abend ist Champions League-Finale, sagt er in die Runde. Ich frage: Wann? Er sagt: 21 Uhr. Passt! Dann fangen wir halt einfach um 15 Uhr schon an. Immerhin zwei Stunden später gestern…

Schönen Sonntag, liebe Freunde!

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.