„Feuerengel“: Ein Abend in Schwerin, für die, die Rammstein lieben

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von MANUEL GAMBIETZ

Schwerin – Die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern ist nicht für ganz große Kultur bekannt. Es gibt ein Staatstheater, eine Sternwarte und wenn der interessierte Betrachter auf die Homepage der Stadt klickt, dann findet er da einen Button „Kulturhöhepunkte“, unter dem – kein Witz – nicht eine einzige Veranstaltung zu finden ist. Und wenn man an große Kultur und die etwas lauteren Töne und feurigen Auftritte denkt, wird man auch nicht unbedingt zur „Sport- und Kongresshalle“ im hohen Norden fahren. Hätte man aber sollen…

Die Coverband „Feuerengel“ hatte geladen, und sage und schreibe 2.000 Musikfans, viele in „Feuerengel“-Shirts, waren zu einem außergewöhnlichen Abend erschienen.

Nach zwei wenig erbaulichen Vorbands kündigte ein Countdown, gestrahlt auf schwarzen Stoff, den Haupt-Act an. Das Publikum war vom ersten Takt an voll da. Als Bandleader Boris Delic in Lindemann-typischer Manier in Steppschritten und mit Zylinder die Bühne betrat, gab es kein Halten mehr. Lautstark begleitet von einem stimmgewaltigen Publikum, riss „Feuerengel“, eine der drei Top-Rammstein-Coverbands überhaupt, das Publikum mit Songs mit, die sie nur selten oder bisher gar nicht gespielt hatten: „Mein Land“, „Tier“ oder „Wilder Wein“. Die Feuerengel, kein Zweifel, sind kreativ und präsentieren Jahr für Jahr eine unterschiedliche Set-List. Und die Klassiker fehlten auch nicht: „Keine Lust“, „Feuer Frei“, „Du Hast“ und zum Schluss „Engel“.

Die Bühne kam dem Original der „Made in Germany“-Tour aus dem Jahre 2012 sehr nahe. Optisch gelungen und perfekt zur Leidenschaft des professionellen gestalteten Lichts passend, das die „Feuerengel“ so einzigartig macht. Und wer auf Rammstein steht, der darf zu recht ordentlich Pyro-Technik erwarten. Wer eher selbstironische und makabere Inszenierungen spannend findet, kam bei „Mein Teil“ auf seine Kosten. Keyboarder Thorsten Heintzsch wurde, in einem großen Topf sitzend, von Delic mit einem gigantischen Flammenwerfer geradezu „gegrillt“. Übrigens: „Mein Teil“ thematisiert die Geschichte des ´sogenannten „Kannibalen von Rothenburg“..

Warum zu einer Coverband gehen?

Nach einer derart energiegeladenen Show war es schließlich schon bemerkenswert, dass sich die Bandmitglieder noch reichlich Zeit für ihre Fans, Fotos und Autogramme nahmen. Kann eine Coverband also tatsächlich den Musik-Genuss des Originals ersetzen? Zunächst einmal gehen Fans bei Mega-Gigs wie Rammstein regelmäßig leer aus. Konzerte des Originals sind manchmal innerhalb von Minuten restlos ausverkauft. Und das weltweit.

„Es war einfacher, in der DDR, an Bananen zu kommen, als heute an Rammstein-Tickets“, ist ein beliebter Spruch in der Szene. Natürlich können Coverbands die „Sehnsucht“ (wurde übrigens auch gespielt) zu Rammstein nicht befriedigen. Doch für Leute, die Rammstein gesehen haben, sind diese Bands eine willkommene, alljährliche Abwechslung und füllen die Lücke schon recht gut, die Rammstein hinterlässt, wenn sie jahrelang wieder nichts von sich hören lassen. Sogar in Schwerin.

Bildquelle:

  • Feuerengel_Schwerin: feuervogel
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