„Geboren um Liebe zu geben“: Ein Singabend mit Roland Kaiser im Freiluftkino

Roland Kaiser auf einer aufblasbaren Kinoleindwand im Volkspark Rehberge.

von KLAUS KELLE

BERLIN – Das Freiluftkino Rehberge im Berliner Wedding ist das vielleicht schönste und idyllischste Open-Air-Kino in der Hauptstadt. Als Amphitheater angelegt, verfügt die Anlage aus den 30er-Jahren im Volkspark Rehberge über rund 1.500 Plätze auf weißen Holzsitzbänken mit Rückenlehnen. Die Filme – ziemlich abgefahren – werden mittels moderner 4K-Laser-Projektion auf einer großen, aufblasbaren Leinwand ausgestrahlt.

Für die Besucher gibt es ein abwechslungsreiches Programm mit aktuellen Hollywood-Blockbustern, deutschen Komödien, Arthouse-Produktionen, Independent-Kino und zeitlosen Klassikern. Das Programm finden Sie hier

Roland Kaisers Konzertfilm zum 50-jährigen Bühnenjubiläum wurde gestern Abend bei schattigen 30 Grad gezeigt, und es weckte unser Interesse, weil dieser Roland Kaiser, einer der wirklichen Schlager-Superstars der Republik ist und auch aus dem Berliner Arbeiterbezirk Wedding stammt, wo er in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs.

Der Film „50 Jahre Roland Kaiser“ ist eine Mischung aus Dokumentation und Konzertfilm, kam im Herbst 2025 in die Kinos und soll mit 145.000 Zuschauern der erfolgreichste Konzertfilm eines deutschen Musikers überhaupt sein.

So war es eher etwas enttäuschend, dass sich in Kaisers alter Heimat nur vergleichsweise wenige Zuschauer einfanden. Und, seien wir ehrlich, der Streifen ist eine Aneinanderreihung von Konzertausschnitten, unterbrochen von ein paar Gesprächsschnipseln. Kein Vergleich zum Beispiel mit dem gerade weltweit boomenden Blockbuster über Michael Jackson.

Aber auf jeden Fall ist Roland Kaiser bis heute ein Star

Und das muss man einem 74-jährigen deutschen Schlagersänger erstmal nachmachen, der jedes Jahr zum Beispiel 50.000 zahlende Besucher zu seinen Konzerten am Elbufer in Dresden anlockt.

100 Millionen Tonträger mit Kaisers Liedern wurden bis heute verkauft. Was deutsche Open Airs angeht, spielt Kaiser in einer Liga mit Helene Fischer, Udo Jürgens und Herbert Grönemeyer.

„Santa Maria“, so hieß sein erster Riesenerfolg im Jahr 1980 und machte ihn über Nacht mit 1,2 Millionen verkauften Schallplatten zum Superstar. Und dann ging es Schlag auf Schlag: „Dich zu lieben“, „Ich glaub, es geht schon wieder los“, „Manchmal möchte ich schon mit dir…“ und „Joana, …

Geboren, um Liebe zu geben
Verbotene Träume erleben
Ohne Fragen an den Morgen…“

Kein Wunder, dass sich Mädels seiner Generation auch heute noch auf den Weg in Konzertsäle machen. Und selbst bei den Jungen hat Kaiser sein Publikum, wie 2014 das Duett „Warum hast du nicht nein gesagt“ zusammen mit Maite Kelly mit weit über 70 Millionen Streams auf Spotify und mehr als 150 Millionen Klicks auf YouTube beweist.

Gestern Abend gab es im Publikum in Rehberge jedenfalls nicht einen – es waren auch wenige Männer da –, der nicht durchgehend alle Lieder mitsingen konnte.

Ich selbst verkniff es mir, aber ich kann mich tatsächlich noch daran erinnern, wie ich Kaiser zum ersten Mal positiv wahrgenommen habe.

Das muss irgendwann im Frühjahr 1989 gewesen sein in Berlin, noch vor dem Mauerfall. Ich wohnte seit einem halben Jahr in der geteilten Stadt und war noch im Findungsprozess, ob ich Berlin lieben oder verachten sollte. Denn diese Entscheidung muss man irgendwann konsequent treffen, wenn man hier leben will.

Unterwegs zu einem Termin in Spandau auf der Heerstraße bei blauem Himmel dudelte plötzlich aus dem Autoradio „Wind auf der Haut und Lisa“, die melancholische Erinnerung an eine Sommerliebe. Und ich dachte spontan: Das ist aber schön. Das Lied war von Roland Kaiser.

Über die Jahrzehnte gab es immer auch mal Kritik an dem Schlagerstar

Wegen seines politischen Engagements zum Beispiel. Kaiser ist seit 2002 Mitglied der SPD, trat in Bundestagswahlkämpfen für mehrere Kanzlerkandidaten auf und ist ein strikter Gegner der AfD, die allerdings im einst „roten Wedding“ heute bei Wahlen auf Augenhöhe mit seinen Genossen abschneidet.

Viel mehr Kritik entbrannte sich früher allerdings an den Texten seiner Lieder, die häufig ein wenig schlüpfrig daherkamen und gar nicht zu den früheren westdeutschen Fans passen wollten.

Häufig durchbrach er die Regel, dass Schlager irgendwie nur Blümchenerotik enthalten dürften.

Kaiser thematisierte schnörkellos Seitensprünge und sang Zeilen wie: „Manchmal möchte ich schon mit dir / diesen Fehler begehn. / Und für eine Nacht die Vernunft verliern“ oder „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn ihm die schöne Nachbarin gefällt…“

Jetzt fällt mir ein, dass die Frau meines besten Freundes regelmäßig mit ihren Freundinnen nach Dresden zu Kaisers Elb-Konzerten übers Wochenende reist. Vielleicht sollte ich ihm empfehlen, mal in die Lieder des Künstlers reinzuhören…

Bildquelle:

  • Roland_Kaiser_Film_Rehberge: thegermanz

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.