Grönland ist extrem wichtig für Amerika und Europa: Aber so geht man nicht mit Partnern um, Mr. President!

Militärtransporter im Landeanflug auf die US-Militärbasis "Pituffik Space Base" auif Grönland

von KLAUS KELLE

BERLIN/KOPENHAGEN – Verschiedentlich habe ich meiner Begeisterung über das disruptive politische Taktieren des amerikanischen Präsidenten Donald Trump an dieser Stelle zum Ausdruck gebracht. Und davon rücke ich auch heute nicht ab, wenngleich ich sein großkotziges Auftreten gegenüber Dänemark in der Grönlandfrage nicht angemessen und …ja,… sogar stillos finde.

Dabei hat Trump in der Analyse bezüglich Grönland absolut recht, wenn er von der strategischen Bedeutung der Insel spricht

Die USA betreiben auf Grönland mit der „Pituffik Space Base“ einen Luftwaffenstützpunkt mit Radaranlagen zur Raketen-Früherkennung, da der kürzeste Weg von Russland in die USA über die Insel führt. Das ist ein zentraler Punkt für Trump und die NATO insgesamt, auch um russische Marineaktivitäten im Nordatlantik von dort aus zu überwachen. Außerdem eröffnet das unübersehbare Abschmelzen des Eises potenziell kürzere Handelsrouten, die für China und andere Länder ebenfalls von großem Interesse sind.

Nicht zu übersehen: Unter dem Eis liegen riesige Vorkommen an Seltenen Erden, Lithium, Gold, Öl und Gas, die für moderne Technologien (z. B. Batterien) heute entscheidend sind und die Abhängigkeit des Westens von China deutlich verringern könnten.

Russland unterhält zudem im nördlichen Polarkreis etwa doppelt so viele Militärstützpunkte wie alle NATO-Länder zusammen. Viele dieser Basen wurden modernisiert und mit Langstrecken-Luftverteidigungssystemen (wie S-400) ausgestattet.

Russland und China haben als Spieler in dieser wichtigen Region, über die man längst nicht mehr als von „unter ewigem Eis“ gelegen spricht, mächtig an Einfluss gewonnen.

Chinesische Forschungsschiffe und Stationen (z. B. auf Spitzbergen) sammeln Daten über Eisbewegungen und Unterwasserakustik. Eigentlich zivile Daten, aber für die Navigation von U-Booten im Arktischen Ozean von direktem militärischem Nutzen.

Und nachdem Peking und Moskau im Jahr 2025 ihre Zusammenarbeit in der Arktis vertieft haben, um eine „Immunität“ gegenüber westlichen Sanktionen aufzubauen und alternative Handelsrouten zu sichern, ist klar, dass die USA und Europa da nicht einfach mehr zusehen dürfen.

Aber so, wie Trump das angeht, ist es einfach unterirdisch

Und deshalb haben Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland heute mal wieder dem erneuten Gebietsanspruch Trumps auf Grönland natürlich zurückgewiesen. Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen sagt dazu, die Vereinigten Staaten hätten „überhaupt kein Recht“ einen Teil der dänischen Staatsgemeinschaft zu annektieren. Sie rief die USA dazu auf, „mit den Drohungen aufzuhören, gegen einen historisch engen Verbündeten und gegen ein anderes Land und ein anderes Volk, das deutlich gesagt hat, dass es nicht zum Verkauf steht“.

Das ist ein wichtiger Punkt

Denn Dänemark, Gründungsmitglied der NATO, ist immer einer der zuverlässigsten Partner der Amerikaner gewesen. Das dänische Militär beteiligte sich weltweit an zahlreichen NATO-Missionen und von den USA geführten multinationalen Operationen, etwa im Irak und Afghanistan. Und Dänemarks Verteidigungsausgaben waren schon vor Trumps Drohungen mehr als drei Prozent des BIP, deutlich höher als bei vielen anderen europäischen Staaten, auch Deutschland.

Und was macht Trump?

Auf einem Flug nach Washington sagte er am Sonntagabend vor Journalisten: „Wir brauchen Grönland mit Blick auf die nationale Sicherheit“. Die Insel sei von großer strategischer Bedeutung, sei aktuell aber von russischen und chinesischen Schiffen umgeben.

„Dänemark wird das nicht schaffen“, bekräftigt der Präsident, wahrscheinlich zurecht. Doch das erwartet ja auch niemand. Die USA und die EU müssen Grönland zu ihrem gemeinsamen Projekt machen, was es ja teilweise ohnehin schon ist. Aber Trump wäre nicht Trump, würde er nicht noch einen draufsetzen.

„Wissen Sie, was Dänemark jüngst gemacht hat? Um die Sicherheit in Grönland zu verstärken, haben sie noch einen Hundeschlitten hinzugefügt. Es ist wahr. Sie dachten, das war eine großartige Verstärkung“, lästerte er vollkommen undiplomatisch und überflüssig.

Denn die Wahrheit ist, dass Dänemark schon vor einem Jahr zugesagt hatte, knapp zwei Milliarden Euro in seine Militärpräsenz in der Arktis zu investieren. In der Erklärung von Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen dazu war von der Anschaffung von drei neuen Schiffen der arktischen Marine, zwei zusätzlicher Langstreckendrohnen und Satelliten für eine bessere Überwachung konkret die Rede.

Und nicht von Hundeschlitten…

Bildquelle:

  • US-Basis_Grönland_Pituffik Space Base: facebook

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.