Gründer und „digitaler Nomade“ Durow über Telegram: „Die Privatsphäre ist heilig“

Pawel Durow, Telegram-Gründer, lebt heute in Dubai.
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von JULIAN MARIUS PLUTZ

BERLIN – An Telegram scheiden sich die Geister. Die eine loben das hohe Maß an Datenschutz und Privatsphäre, an der sich schon Staaten wie der Iran oder Russland die Zähne ausgebissen haben. Andere wiederum schätzen die hohe Funktionalität des Messengers und die einfache und physiologische Handhabe.

Dann wiederum gibt es Stimmen, die Telegram am liebsten verbieten wollen. Die hohen Hürden des Datenschutzes werden kritisiert, denn, so der Vorwurf, sei dies für Extremisten und Terroristen ein Leichtes, ihre Botschaften und ihre unlauteren Machenschaften zu verbreiten. Nun hat sich der Gründer Pawel Durow, selbst Russe, zum Ukraine-Krieg geäußert.

Durow weigerte sich, Daten der russischen Behörde zu übergeben

Zunächst betonte der Unternehmer, dass Teile seiner Familie aus der Ukraine stammen. „Deshalb ist dieser tragische Konflikt sowohl für mich, als auch für Telegram persönlich“.

Anschließend erzählte der 37- Jährige in kurzen Worten seine Geschichte, wie seine Karriere in Russland endete. „Vor neun Jahren“, so Durow, „war ich Geschäftsführer des größten sozialen Netzwerkes in Russland und Ukraine, das VK heißt.“ Als im Jahr 2013 die russische Sicherheitsbehörde FSB (früher KGB) forderte, dass er private Daten von ukrainischen Benutzern zur Verfügung stellen sollte, weil die sich gegen den damaligen prorussischen Präsidenten Wiktor Janukowich protestierten“, machte Durow nicht mehr mit.

Er weigerte sich, dieser Forderung nachzukommen, „weil dies ein Verrat an unseren ukrainischen Benutzern bedeutet hätte“. Im Anschluss wurde er von seiner eigenen Firma entlassen und musste aus seiner Heimat fliehen.

Für die Integrität geschätzt

Spürbar emotional fuhr er fort: „Ich habe meine Firma und mein Zuhause verloren, würde es aber immer wieder tun – ohne zu zögern.“ Laut Durow stand für ihn viel auf dem Spiel, als er sich den Forderungen der russischen Behörde widersetzte. Seitdem habe sich bei ihm vieles verändert. Durow lebt nicht mehr in Russland, er habe keine Firmen und keine Mitarbeiter mehr dort. „Aber eines bleibt gleich, ich stehe auf jeden Fall zu unseren Nutzern. Ihr Recht auf Privatsphäre ist heilig. Jetzt mehr denn je.“

In totalitären Staaten wird Telegram für seine Integrität geschätzt. So versuchte Putin zwei Jahre lang vergeblich, den Messenger-Dienst, der zunehmend auch als Soziales Medium gesehen wird, zu verbieten. In diesen Ländern ist Telegram die einzige sichere Chance, sich mit Oppositionellen zu vernetzen.

Durow und Kollegen sind „digitale Nomaden“

In Deutschland jedoch gibt es Kritik. Innenministerin Nancy Faeser (SPD) warf dem Unternehmen von Durow vor, es würde Hass und Hetze Vorschub leisten und forderte Apple und Google auf, ihrer „gesellschaftlichen Verantwortung“ nachzukommen und Telegram aus ihren App-Stores zu verbannen. Inzwischen jedoch ruderte Faeser zurück. „Es ist natürlich nicht mein Ziel, Telegram zu verbannen“, sagte sie dem Hessischen Rundfunk.

Der Messenger hat heute rund 500 Millionen aktive Nutzer. Durow selbst bezeichnet sich und seine Mitarbeiter als „digitale Nomaden“. Der Firmensitz ist in Dubai.

Bildquelle:

  • Pawel_Durow_Telegram: reuters
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