Heute vor 80 Jahren präsentierte der Deutsche Konrad Zuse den ersten Computer der Welt

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von DIETRICH KANTEL

BERLIN – Steve Jobs und Steve Wozniak starteten den Bau des ersten Personal Computers der Welt, den Apple I in einer Garage. Konrad Zuse, dem Erfinder des ersten funktionsfähigen Computers der Welt reichte für seine ersten technischen Basteleien noch die Wohnung seiner Eltern. Er war ein technisches Multitalent und Self-Made-Tüftler: Mit 14 Jahren baute er „Zuses Mandarinenautomat“, der nach Münzeinwurf Obst und Wechselgeld herausgab. Mit 18 baute er aus einem Metallbaukasten der Marke Stabil einen Kohleverladekran und erhielt die Ehrenurkunde des Unternehmens. Mit 17 hatte er bereits das Abitur abgelegt und begann ein Studium des Maschinenbaus an der heutigen TU Berlin.

Er wechselte zur Architektur, sodann zum Bauingenieurwesen und erwarb 1935 das Diplom. Er arbeitete zunächst als Statiker bei den Henschel-Flugzeugwerken, richtete eine Erfinderwerkstatt in der Wohnung seiner Eltern ein, wo er zunächst die (mechanischen) Vorläufer der Z3, die Z1 und die Z2 entwickelte. 1941 gründete er dann mitten im Krieg das „Zuse Ingenieurbüro und Apparatebau, Berlin“ wo er bis zu 20 Mitarbeiter beschäftigte. Die nach dem Krieg von ihm gegründete „Zuse KG“ zur Produktion und Reparatur von Rechenmaschinen musste Konrad Zuse Mitte der 1960er Jahre wegen Überschuldung abgeben. Er war zuletzt als technischer Berater tätig und verstarb 85-jährig im Jahr 1995.

Die revolutionionäre und die letztlich unsere Welt verändernde technische Sensation präsentierte Konrad Zuse heute vor 80 Jahren in Berlin, am 12. Mai 1941: Die „ Zuse Z3“, den ersten voll funktionsfähigen Digitalrechner und damit den ersten Computer der Welt. Dieser programmierbare Digitalrechner wies bereits viele wichtige Merkmale der heutigen modernen Rechner aus: Binäres Zahlensystem, Ein- und Ausgabegeräte, Gleitkommazahlenberechnung, Nutzerschnittstelle für Interaktionen während des Rechenvorgangs, ein Mikroprogramm zur Steuerung des Rechenwerkes und auch ein System zur Zerlegung von Befehlen in Einzelaufgaben zu deren parallelen Bearbeitung.

Den ersten funktionsfähigen Computer der Welt entwickelt zu haben berühmt man sich dementgegen heute auch in den USA mit ENIAC, dem „Electronic NumericalIntegrator and Computer“, welcher der US-Army zur Berechnung ballistischer Tabellen diente. Dieser wurde jedoch erst am 14.Februar 1946 der Öffentlichkeit präsentiert. Um die Lorberen „Erst-Erfinder des Computers“ zu sein für sich zu beanspruchen, definierten die Amerikaner kurzerhand einzelne „Computereigenschaften“ so um, dass diese von der früher präsentierten deutschen Erfindung Z3 angeblich nicht erfüllt worden seien. Bei dieser Umschreibung der Technikgeschichte durch die Amerikaner erwies sich als hilfreich, dass die Z3 im Jahre 1944 in Berlin bei einem Luftangriff zerstört wurde. Ein 1968 gefertigter Nachbau der Z3 ist heute im Deutschen Museum in München zu sehen.

Die „Zuse Z3“ ist ein typisches Beispiel für zahlreiche wegweisende deutsche Erfindungen, die die Welt revolutionierten, mit denen aber andere ein Vermögen machten. Auch wenn das größte Computermuseum der Welt – eine Stiftung des früheren Computerherstellers Nixdorf – heute in Paderborn steht: Die weitere Computerentwicklung und erfolgreiche -vermarktung ist Deutschland längst entglitten.

Oder die Glühbirne: Zwar erhielt Edison 1879 auf die angeblich erste Kohlefadenlampe das Patent. Erfunden hatte die Glühlampe jedoch der Uhrmacher Heinrich Göbel bereits 1854. Jedoch hatte er darauf kein Patent angemeldet.

Oder das Telefon: Der Mathematik- und Physiklehrer Johann Phillip Reis hatte es 1859 geschafft, Töne in elektrische Impulse umzuwandeln und anderenorts als Schall wieder herauszugeben. Marktreif machte die Erfindung aber erst Graham Bell, der darauf 1875 ein Patent angemeldet hatte.

Das MP3 Format: Ohne die Erfindung des Fraunhofer-Instituts kein Walkman, kein iPod, kein MP3-Plaer. Düsenjet, Senkrechtstarter, Magnetschwebebahn … Millionen, Milliarden an Steuergeldern investiert, um am Ende von phantasielosen und inkompetenten Politikern verschmäht zu werden.

Bildquelle:

  • Konrad_Zuse_Computer: konrad zuse archiv
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