Ist Aufgeben für Sie eine Option?

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Liebe Leserinnen und Leser,

ich glaube inzwischen wirklich, dass Donald Trump noch einmal ins Rennen um den Sessel im Oval Office im Weißen Haus einsteigt. Wie anders ist sein hohes Arbeitspensum in diesen Wochen zu erklären? Veranstaltungen, große Kundgebungen und jetzt gerade – na klar – die alljährliche CPAC-Konferenz in Dallas (Texas). Das trifft sich jedes Jahr das „Who is Who“ der Konservativen, da finden sich Wirtschaftsliberale und Libertäre, Christen und Bürgerliche aller Art zum Netzwerken, zum Selbstvergewissern, um den Rahmen abzustecken und die Strategie für die kommenden Jahre zu entwickeln.

Der Unterschied zu ähnlichen Veranstaltungen anderswo auf der Welt, wie in Deutschland die alljährliche „Vollversammlung der wahren Schwarmintelligenz“, besteht darin, dass die CPAC eng verbunden ist mit der Republikanischen Partei, während wir bunte Vielfalt auch von Teilnehmern aus ganz unterschiedlichen Netzwerken und Parteien pflegen. Und, natürlich, kommt zu uns auch kein ehemaliger Präsident der Vereinigten Staaten. Noch nicht, jedenfalls.

Man kann nicht sagen, dass Konservative oder auch Rechte überall auf breiter Front auf dem Rückzug sind oder Schlacht um Schlacht verlieren. In vielen Ecken der Welt gewinnen die Wahlen, mit einer überzeugenden Agenda, die – und da ist ein entscheidender Unterschied – sich an dem orientiert, was die Menschen da draußen denken und tun. Ich habe neulich mal erzählt von Mao Tse Tung und seinem sehr klugen Satz, dass „der Revolutionär im Volke“ schwimmen muss, wie „ein Fisch im Wasser“. Und das gilt auch für alle, die nicht Revolution aber deutliche Veränderung wollen.

Wir hatten hier in unserer Redaktion vor Monaten wirklich heftigen Streit über die Frage, ob wir nicht nahezu unsere ganze Zeitung dem Kampf gegen die drohende Impflicht widmen sollten, als stattdessen ein Interview mit Uli Hoeneß zu veröffentlichen oder über die 17. Staffel von „Germany’s next Topmodel“ zu berichten. Aber ich halte es mit Mao – wir müssen uns mit der Gesellschaft beschäftigen, wie sie ist, und dabei eben auch andere Akzente setzen. Wen interessiert Heidi Klum, fragen da Leser in Mails an mich. Die Antwort: Millionen Deutsche, die das anschauen, und Zehntausende Mädchen und junge Frauen, die sich da bewerben. Das kann man bedauern, aber der erste Schritt zu Veränderungen ist die nüchterne Betrachtung der Wirklichkeit. Und da hapert es gerade in Deutschland und gerade bei den Konservativen.

Heute Morgen, noch vor dem Duschen, warf ich einen kurzen Blick in Facebook, was – zugegeben – auch ein wenig krank ist. Eine großartige Freundin dort ätzt ab über das Heavy Metal-Freiluftkonzert in Wacken, wo in den vergangenen Tagen 75.000 Musikfans aus ganz Deutschland eine rauschende Party feierten. Überall finden in diesen Wochen Open Air-Festivals statt, Rock am Ring, Parookaville, was weiß ich, was es da alles gibt. Ist das meine Musik? Nein, ist es nicht. Gehe ich da hin? Nein, tue ich nicht. Aber ich muss doch begreifen, dass das existiert und verstehen, warum das so populär ist, statt alles, was einem selber nicht gefällt, für blöde zu erklären.

Gestern hat auch die Fußball-Bundesliga wieder begonnen, Hunderttausende pilgern in die Stadien, Millionen sitzen – leider – vor der Glotze und schauen öffentlich-rechtliches Volksbetreuungsfernsehen, weil sie wissen wollen, wie sich Borussia Dortmund gegen Bayer Leverkusen schlägt im Kampf um die Vizemeisterschaft in dieser Saison (Meister ist ja klar, jedes Jahr die Bayern). Und wir qualifizieren das ab, schauen verächtlich auf unsere Mitbürger herunter, die eben nicht total durchpolitisiert sind.

Wenn wir etwas verändern wollen, wenn wir die Deutungshoheit in der deutschen Gesellschaft zurückerobern wollen, dann müssen wir uns mit der Gesellschaft beschäftigen wie sie ist. Und nicht in unserer jeweiligen Blase Schulterklopfen betreiben, aber nie eine Schlacht gewinnen. Keiner. Die nicht, die die CDU retten wollten, die FDP ist ohnehin nicht mehr zu retten, die AfD hat mit ihrem vergangenen Bundesparteitag auch signalisiert, dass man lieber in der eigenen Blase vor sich hinschmoren will, als Gestaltungsmacht zu gewinnen, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Und ich und meine Aktivitäten mit der Schwarmintelligenz und den zahlreichen Bürgerlich-Konservativen Stammtischen haben auch nichts verändert.

Aber ist Aufgeben wirklich eine Option? Wollen Sie, will ich, wollen wir alle hinschmeißen? Die Koffer packen, das Land verlassen? Oder nehmen wir den Kampf erneut auf? Wenn nicht um Ideologien, dann wenigstens um die Zukunft unserer Kinder?

Donald Trump hat gestern in Texas unter großem Jubel gefordert, das Bildungsministerium in Washington D.C. abzuschaffen. Und seine Kritiker und Hater werden jetzt sagen: Klar, der Mann bedient ja die bildungsfernen Schichten, was ich wirklich bezweifele in dieser Plattheit. Aber richtig ist doch, dass die Zukunft nur über die Jugend in eine andere Richtung gelenkt werden kann. Wir sehen das doch täglich selbst, wenn unsere Kinder beim Mittagessen über die Klimakatastrophe und Greta Thunberg zu reden beginnen, weil ihre Klassenlehrerin ihnen drei Mal die Woche davon erzählt. Im christlichen Religionsunterricht wird übers islamische Zuckerfest geplaudert und in Biologie – darf man das noch so nennen? – über den Geschlechterwechseln am Morgen. Und wir lassen das alles laufen ohne Widerstand zu leisten.

Donald Trump, oder seine Berater, haben begriffen, dass es auch die weichen Themen sind, die entscheiden, in welche Richtung sich eine Gesellschaft entwickelt. Und das können die meisten Konservativen in Deutschland nicht. Bildung, Erziehung, Schulen, Kindertagesstätten sind der Schlüssel zu Veränderungen. Nicht in dem Sinne, dass Konservative Schulen politisieren sollten, sondern dass wir durchsetzen, dass sie einfach gute Lehrstätten sind, die Wissen vermitteln, auch praktisches Wissen. Ich denke jedenfalls, dass es gut wäre, wenn in unseren Schulen auch vermittelt würde, wie man zum Beispiel Unternehmer wird oder was das bedeutet, eine Familie zu gründen und Kinder zu bekommen, statt über Transgender und die Klimakatastrophe berieselt zu werden.

Einen schönen Sonntag wünscht

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.