Kennen Sie eigentlich Belgien? Fahren Sie hin, es ist phantastisch!

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Liebe Leserinnen und Leser,

einen schönen guten Morgen aus der Wallonie, einem von drei Landesteilen Belgiens, in dessen äußersten östlichen Landesteil man sich fühlt…wie in Deutschland. Nur sehr viel gemütlicher.

Belgien, das war bisher unter meinem persönlichen Radar. Zugegeben, ich wusste, dass es Belgien gibt, und dass Brüssel die Hauptstadt der Europäischen Union ist. Dass die Belgier als Teil der Weltkultur Pommes frites erschaffen haben und Schokolade, die sie in wunderbaren Pralinen verarbeiten. Belgien ist – gemessen an der Bevölkerungszahl – eine Top-Fußballnation, derzeit auf Platz 1 der FIFA-Rangliste vor all den großen Fußballnationen, zu denen Deutschland auch einst zählte. Und aus Belgien stammt meine wunderbare Freundin Martine, die am Niederrhein mit einem tollen Mann verheiratet ist und jedes Jahr zum Treffen der Schwarmintelligenz kommt – egal, wo das stattfindet.

Aber Belgien, dazu hatte ich bisher keinen persönlichen Bezugspunkt, wenn man von einmal Urlaub in de Haan und mehreren Geschäftsreisen nach Brüssel absieht.

Als ich ein kleiner Junge war, so fünf oder sechs Jahre jung, fuhren meine Eltern mit mir manchmal nach England zum Sommerurlaub in Cornwall. Das war damals ein generalstabsmäßiges Unterfangen. Mein Vater bestellte Reiseunterlagen und Landkarten beim ADAC, es wurden gleich mehrere Währungen eingetauscht, wir mussten an Grenzen – liebe Kinder, schaut Euch ein Youtube-Video an, um den Begriff zu verstehen! – unsere Ausweise vorzeigen und den Kofferraum und manchmal sogar die Koffer selbst öffnen, um den strengen Herren vom Zoll zu genügen und weiterfahren zu dürfen.

Das Einzige, das mir von diesen Reisen und Belgien in Erinnerung geblieben ist, war die Beleuchtung der Autobahnen. Das beeindruckte mich sehr, und schon als kleines Kind auf dem Rücksitz unseres Volvo fragte ich mich, warum es dieses schöne gelbe Licht an deutschen Autobahnen nicht gab.

Seit gestern bin ich in Belgien und schreibe für sie aus einem kleinen aber schönen Hotelzimmer. Ein wirklich guter Freund, der in Brüssel arbeitet, hat sich hier in der Nähe in einem kleinen Ort ein Haus gekauft, total schnuckelig, und mich eingeladen, ihm am Morgen zu helfen. Denn Thomas wird heute um 10.30 Uhr in einer feierlichen Messe zum katholischen Glauben konvertieren. Weil ich als gebürtiger Protestant vor über 30 Jahren in meiner Heimatstadt Bad Salzuflen genau den gleichen Schritt vollzogen hatte, fragte er mich, ob ich heute als sein Firmpate assistieren könne. Na klar kann ich das und will ich das. Die Antwort auf so eine Anfrage ist nun wirklich alternativlos.

Thomas hat sechs Freunde aus Deutschland eingeladen, Mitglieder des ökumenischenTempelritterordens wie ich. Und gestern Abend saßen wir also in einem tollen Restaurant, der Pfarrer war auch eingeladen, und aßen wunderbare Dinge zusammen, tranken Bordeaux aus Frankreich und hatten eine sehr, sehr gute Zeit. Und wir sprachen über Belgien, und wie sie so sind, die Belgier.

Vorweg: Thomas behauptet, dass die Belgier phantastische Leute sind, und weil ich Martine kenne, neige ich dazu, ihm zu glauben. Was unsere Nachbarn von den Deutschen unterscheide sei aber, dass sie anders als wir richtig genießen können. Ja, werden Sie sagen, wir genießen doch auch in Deutschland, und wir haben auch da gute Restaurants, in die wir gehen. Aber in Belgien ist der Stellenwert von Genuss ein ganz anderer. Lieber verzichte der Belgier auf ein schickes Auto oder einen Südsee-Urlaub als auf stil- und genussvolles Essen. Das Restaurant, in dem wir wunderbar bekocht wurden, ist auf Wochen ausgebucht. Thomas musste Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um einen Tisch für uns sieben Männer klarzumachen. Und alle sprechen Deutsch hier, die Speisekarte ist in deutscher Sprache verfasst, man fühlt sich wie zu Hause.

Ich hatte Ihnen im Sommer erzählt, wie begeistert ich und unsere Familie beim ersten Kroatien-Urlaub gewesen sind, auch da alles kultiviert, freundliche Menschen. Eine andere Freundin aus Niedersachsen war vergangene Woche in Ungarn. Sie kam zurück und erzählte mir am Telefon, dass sie sich dort eine Wohnung oder ein Haus kaufen werde. Und wie schön das Land ist, wie normal und herzlich und deutschfreundlich die Menschen sind.

Und, wo ich Ihnen das jetzt alles schreibe, ungeordnet einfach nur runtererzähle, fällt mir auf, wie wunderbar Europa insgesamt eigentlich ist. Nicht die Bürokraten in ihren Blasen Brüssel und Straßburg, nicht die Gender-Irren und die Geld-Entwerter. Aber dieser Kontinent mit seinen Menschen, geschaffen als christlich-jüdisches Abendland, ist herrlich.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.