Klartext vom Heereschef: General Freuding ist genau der richtige Mann zur richtigen Zeit

Chef des deutschen Heeres: Generalleutnant Dr. Christian Freuding

BERLIN – Der Förderkreis des Heeres e. V. bringt bei seinen exklusiven Abendveranstaltungen Menschen zusammen, die in besonderer Weise für die Sicherheit unseres Landes Verantwortung tragen. Generale und Stabsoffiziere des Heeres treffen dann auf Vertreter des Bundesverteidigungsministeriums. Unternehmen der deutschen und internationalen Verteidigungsindustrie sind hochrangig vertreten mit Vorständen, Geschäftsführern und Lobbyisten, und ausgewählte Bundestagsabgeordnete aus dem Verteidigungs- und Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages nutzen solche Abende zum direkten, informellen Austausch mit dem Militär und der Politik.

Die veränderte Sicherheitslage in Deutschland und Europa fühlt sich für uns immer noch unwirklich an

Wo man noch vor wenigen Jahren über Schminktische für Soldatinnen in Bundeswehrkasernen und Seminare zur sexuellen Vielfalt in der Truppe schwadronierte, wird heute endlich ernsthaft über Verteidigungsanstrengungen geredet. Und es tut sich Erhebliches auf diesem Gebiet.

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Kritiker der Bundeswehr neigen auch heute immer noch dazu, die deutschen Streitkräfte so zu beschreiben, wie sie unter den sogenannten Verteidigungsministerinnen Ursula von der Leyen, Annegret Kramp-Karrenbauer (beide CDU) und Christine Lambrecht (SPD) tatsächlich waren. Ach, wie ich den Anblick genieße, wenn Boris Pistorius (SPD) im olivgrünen Parka bei der Truppe aufkreuzt. Das steht ihm deutlich besser als sein Posieren als unerschrockener AfD-Gegner im Licht der untergehenden Abendsonne von Berlin.

Zu dieser neuen, effektiveren und schon jetzt beeindruckend besser ausgerüsteten Bundeswehr passt Generalleutnant Christian Freuding, der Inspekteur des Heeres

Er ist Chef von 63.000 Soldaten, aber im Grunde ist dieser Mann die Zukunft der Bundeswehr insgesamt.

Am vergangenen Mittwoch hielt er eine beeindruckende Grundsatzrede beim Förderkreis des Heeres und erklärte die Sicherheitslage vor den Gästen im geschichtsträchtigen Kaisersaal des ehemaligen Reichstagspräsidentenpalais in Berlin – ohne Schnörkel, Klartext.

Neben der Bestandsaufnahme wagte es Freuding, sein Publikum mit einer sicherheitspolitischen Schocktherapie zu konfrontieren. Man soll mit historischen Vergleichen immer vorsichtig sein, aber diese Rede könnte dereinst vielleicht wirklich als eine Zäsur betrachtet werden.

Freudings Botschaft: Die alten Denkmuster, die einst bei der Bundeswehr und in der deutschen Verteidigungspolitik galten, sind vorbei.

Freuding redet ohne jede Zurückhaltung über das, was ist und das, was geschehen muss

Und bevor man über Beschaffung, Strategie, Logistik, Bürokratie und fehlende Mannstärke spricht, muss man sich klarmachen, in welcher konkreten Bedrohungslage wir heute in Deutschland und Europa leben.

In seiner Berliner Rede zeichnete der General dieses Bedrohungsbild so scharf wie selten ein deutscher General vor ihm.

Russland, so seine Analyse, befindet sich mental und wirtschaftlich längst im dauerhaften Konflikt mit dem Westen.

Die Vorbereitungszeit Deutschlands und Europas auf ein potenzielles Eskalationsszenario schrumpft rasant. General Freuding bricht dabei radikal mit dem Perfektionismus des deutschen Beschaffungswesens:

„Wir haben keine Zeit. Der Feind wartet nicht auf unsere Fertigmeldung.“

Freuding fordert dabei ein neues Denken, das nicht länger das technisch „perfekte“ Einzelsystem sucht, sondern auf sofort verfügbare Masse und Skalierbarkeit setzt. Über Jahrzehnte waren die deutschen Landstreitkräfte auf die sogenannte „Duellfähigkeit“ im Nahbereich fixiert – das Gefecht Panzer gegen Panzer auf Entfernungen von wenigen Kilometern, unterstützt von Artillerie, die selten weiter als 40 bis 80 Kilometer wirkte. Das ist unserer Zeit nicht mehr angemessen.

Der Heereschef kündigte die Beschaffung von Marschflugkörpern für die Landstreitkräfte an, die massierte Angriffe in der Tiefe des feindlichen Raumes bis zu 1.500 Kilometer ermöglichen. Freudings Botschaft an potenzielle Gegner: Wer Deutschland und/oder seine Verbündeten angreift, wird nicht erst an der Grenze gestellt, sondern dessen logistisches und strategisches Rückgrat wird tief im eigenen Hinterland angegriffen und bestenfalls zerschlagen.

Solche kostengünstigen Systeme – die sich preislich im mittleren sechsstelligen Bereich bewegen und damit nur einen Bruchteil klassischer strategischer Waffen kosten – sollen im Ernstfall im Verbund mit schweren Systemen wie den aus den USA geplanten Tomahawk-Marschflugkörpern eingesetzt werden.

Freuding eckt mit seiner ungeschminkten Rhetorik bei den Putin-Freunden in deutschen Parlamenten an. Begriffe wie „Kriegstüchtigkeit“ und das Bekenntnis, dass eine Armee am Ende des Tages auch „siegfähig“ sein müsse, fordern die pazifistisch geprägte Kultur der alten Bundesrepublik heraus.

Doch General Christian Freuding ist genau der richtige Mann zur richtigen Zeit

Er will nicht den Mangel verwalten, sondern pragmatisch ausgerichtet auf die tatsächliche Bedrohung Deutschland und das Bündnisgebiet sicher machen. Und die Bundeswehr ins 21. Jahrhundert führen.

Zum Schluss seiner Rede fasst er zusammen:

„Denn wir stehen auch in der Verantwortung, dass wir lange Unzureichendes in eine Gelingens-Geschichte verwandeln. In eine Geschichte, dass jahrelang Beklagtes tatsächlich mit vereinten Kräften, mit Willen zur Veränderung, mit Mut zu Neuem zum Besseren gewendet werden kann.

Um damit all jene Lügen zu strafen, die denken, auf komplexe Fragen gäbe es einfache alternative Antworten, und die ihre Freude am Misslingen, am Scheitern, unverhohlen zum Ausdruck bringen.“

Bildquelle:

  • General_Christian_Freuding: bundeswehr

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.