Lust auf mehr: Das war gut gestern Abend!

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Liebe Leserinnen und Leser,

reden wir nicht lange um den heißen Brei herum: einen Ausgleich beim Fußball gegen den alten hochgeachteten Gegner von der Insel und das in der 88. Minute, das ist doof. Sehr doof. Und gegen England eben ein bisschen mehr doof als gegen Brasilien oder Italien. Wegen dem 30. Juli 1966 und dieser Schiedsrichterentscheidung damals. Englischer Fußball, ich liebe den, seit ich als elfjähriger Junge mit meinem Papa vor dem Fernseher das WM-Viertelfinale im Estadio León in Mexiko sehen durfte. Gerd Müller machte das Ding in der 108. Minute – atemberaubend. Wer das auch gesehen hat, weiß, von was ich rede. Ich mag den kraftvollen Fußball der Engländer, ohne Schnörkel, Balleroberung, Attacke! Und David Beckham habe ich verehrt. Und Niederlage kurz vor Abpfiff? Pah!

Wenn Sie – wie ich mal – einen Abstieg durch ein Gegentor in der 121. Minute live miterlebt haben, glauben Sie mir, dann gibt es viel Schlimmeres als ein Leistungsgerechtes 1:1 der Krauts gegen die Brits.

Ich war absolut zufrieden, als der Schiri vorhin abpfiff, denn es war seit langem mal wieder ein Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft (wie das klingt), bei dem der berühmte Funke auf mich übergesprungen ist. Es hat Spaß gemacht, dem Spiel zuzusehen, dem Kampf der Männer in den weißen und blauen Hemden, den Torraumszenen, den langen Pässen, ansatzlos gespielt, die genau dort landeten, wo sie ankommen sollten.

Und weil ich weiß, dass der deutsche Fußballfreund 2022, der deutsche Mitbürger insgesamt. zum Jammern und Meckern neigt, will ich Ihnen gleich selbst erzählen, was mich nervt, was ich gut finde, was mir völlig egal ist.

Die deutsche Nationalmannschaft hat gut gespielt, war deutlich verbessert gegenüber dem Kräftemessen jüngst mit den Italienern, wozu auch die zahlreichen Wechsel in der deutschen Startformation beigetragen haben. Und weil nix von nix kommt, meine Meinung: Hansi Flick als Bundestrainer ist ein Glücksfall für Fußball-Deutschland. Elf Spiele hintereinander ungeschlagen. Ich denke nicht eine Sekunde daran, ob wir in Katar die Vorrunde schaffen. Top Trainer, klasse Spieler, Schlaaand“! Auf geht’s!

Dass die WM an Katar vergeben wurde, ist übrigens ein Skandal und rational nicht nachvollziehbar, aber es dürfte da auch nicht um Ratio, sondern um gute Geschäfte gegangen sein. Und von Russland vorher will ich gar nicht anfangen, und dort war die Vorrunde für uns Deutsche ein echtes Problem, wie Sie wissen. Ich weiß nicht, ob Alexander Gauland das Spiel gesehen hat gestern Abend. Aber ich bin sicher, dass er damals mit seiner Einschätzung komplett falsch lag, dass deutsche Fußballfreunde zwar das elegante Spiel vom Jerome Boateng schätzen, aber ihn nicht als Nachbarn haben wollten. Wenn ich mir das gerade nochmal so überlebe, was für ein unglaublich dämlicher Vergleich.

Und tatsächlich dachte ich in den ersten Minuten des Spiels immer mal wieder darüber nach, ob es mich selbst stört, dass da in unserem Trikot junge Männer mit dunkler Hautfarbe auflaufen, die zum Beispiel Jamal Musiala oder Leroy Sané heißen. Und wissen Sie was: warum sollte es mich stören? Natürlich nicht. Wenn die Jungs deutsche Staatsbürger sind und gut spielen können und gute Repräsentanten unseres Landes sind – wunderbar. Die Zeit, wo deutsche Spieler in der deutschen Mannschaft Gerd Müller, Sepp Meier oder Willi „Ente“ Lippens heißen mussten, sind wirklich vorbei. Das kann man bedauern, zumal Lippens, der in Kleve am Niederrhein, also vor unserer Haustür, aufwuchs, nie in der deutschen Nationalmannschaft spielen durfte. Er spielte in der holländischen. Sein niederländischer Vater hasste nämlich „die Deutschen“ wegen des Krieges und verhinderte, dass sein Sohn im Kader von Helmut Schön auflief.  Lippens sagte dazu mal: „Er hat mir gesagt, dann bräuchte ich nicht mehr nach Hause kommen“. Ja, gute, alte Zeit.

Aber wir haben ja in unserer Nationalmannschaft Thomas Müller und für die ganz Volkstümlichen auch noch Nico Schlotterbeck.

Mir hat es Spaß gemacht wie lange nicht mehr, dieser deutschen Mannschaft zuzuschauen, und gegen England ist sowieso Ehrensache. Nur das Regenbogengedöns geht mir echt auf die…, also geht mir gegen den Strich. Spieler mit Regenbogen-Armbinde, das Stadion in den Farben der Homosexuellenbewegung erleuchtet. Was soll das?

Es ist mir völlig egal, ob jemand homosexuell ist, es interessiert mich schlichtweg nicht. Ich will auch nicht wissen, ob einer Single ist oder in den Swingerclub geht, ob er Taubenzüchter ist oder gern im Segelboot fährt. Lasst mich einfach in Ruhe und macht Euer Ding! Wenn ich ein Fußballspiel gucken will, dann brauche ich keine von oben orchestrierte Volkserziehung. Dann will ich Fußball sehen und in Ruhe ein helles Paulaner trinken.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

P.S. Jamal Musiala hat übrigens gestern ein starkes Spiel gemacht im deutschen Trikot. Guter Junge.

 

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.