Massive russische Raketenangriffe auf zivile Ziele in der Ukraine

Bei einem russischen Raketenangriff auf Kiew wurden am Dienstag auch zwei Wohnhäuser beschädigt. Foto: Andrew Kravchenko/AP/dpa
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KIEW – Die russischen Raketenangriffe auf die Ukraine am Dienstag waren nach Angaben aus Kiew der wohl massivste Beschuss der Energieinfrastruktur seit Kriegsbeginn. Die Energielage sei kritisch, hieß es.

«Es sind etwa 100 Raketen auf das Territorium der Ukraine abgefeuert worden», teilte der Sprecher der ukrainischen Luftstreitkräfte, Jurij Ihnat, im Fernsehen mit. Das seien mehr als bei dem Beschuss Anfang Oktober, kurz nach dem Anschlag auf die Brücke zur von Russland annektierten Halbinsel Krim. Damals wurden 84 Raketen auf das Land abgefeuert.

Auch im Umland von Kiew habe es Einschläge gegeben. Über Angriffe wurde auch aus den Gebieten Odessa, Tscherkassy, Kirowohrad, Chmelnyzkyj, Charkiw und Dnipropetrowsk berichtet. Zwischenzeitlich wurde im gesamten Land Luftalarm ausgerufen. Ukrainischen Medienberichten zufolge wurden die Raketen über dem Kaspischen Meer abgefeuert.

Energielage kritisch – Stromabschaltungen im Land

Der Vizechef des Präsidentenbüros, Kyrylo Tymoschenko, bezeichnete die Situation nach Einschlägen in Energieinfrastrukturobjekte als «kritisch». «Die meisten Treffer wurden im Zentrum und im Norden des Landes festgestellt», schrieb der 33-Jährige im Nachrichtendienst Telegram. Der staatliche Energieversorger Ukrenerho habe zu außerordentlichen Stromabschaltungen übergehen müssen, um das Netz auszubalancieren. Tymoschenko forderte die Bevölkerung zum Stromsparen auf. In Kiew ist den Behörden zufolge etwa die Hälfte der Stadt ohne Strom. Mindestens ein Mensch wurde infolge der Luftangriffe getötet.

Die staatlichen Eisenbahnen warnten indessen vor Zugverspätungen von bis zu einer Stunde. Wegen möglicher Stromausfälle seien Dieselloks als Reserve bereit gestellt worden.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bekräftigte nach den Angriffen den Durchhaltewillen seines Landes. Der Feind werde sein Ziel nicht erreichen, sagte der 44-Jährige in einer Videobotschaft am Dienstag. Alles werde repariert und die Stromversorgung wieder hergestellt, sicherte der Staatschef zu. Gleichzeitig lobte er mit geballter Faust die Ukrainer: «Ihr seid Prachtkerle!»

Die US-Regierung verurteilte die jüngsten Raketenangriffe Russlands. «Während die Staats- und Regierungschefs der Welt auf dem G20-Gipfel auf Bali zusammenkommen, um Fragen zu erörtern, die für das Leben und Auskommen der Menschen auf der ganzen Welt von großer Bedeutung sind, bedroht Russland erneut diese Leben und zerstört die kritische Infrastruktur der Ukraine», teilte der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, am Dienstag mit.

Außenminister Dymtro Kuleba verlangte unterdessen, die gesamte in Indonesien tagende Zwanziger-Gruppe großer Industrie- und Schwellenländer (G20) solle den Angriff verurteilen.

Russland ist Ende Februar in die Ukraine einmarschiert. Seit Anfang Oktober attackiert die russische Luftwaffe regelmäßig die ukrainische Energieinfrastruktur mit Kampfdrohnen und Raketen. In der Hauptstadt Kiew und anderen Landesteilen gibt es seitdem oft nur stundenweise Strom.

Bildquelle:

  • Kiew: dpa
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