„Meinungsvehikel der Geschlechterpolitik“ – Warum ein Film nicht automatisch gut ist, weil eine Frau die Hauptrolle spielt

Daisy Ridley als Rey in Star Wars: wenig überzeugend.
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von CARSTEN NOTH

BERLIN – Hollywood liebt Fortsetzungen und Remakes. Der Grund liegt auf der Hand: War ein Streifen bereits einmal erfolgreich, ist die Wahrscheinlichkeit eines nochmaligen Erfolges mit einer „verbesserten“ Formel in einem weiteren Film relativ groß. Bemerkenswert ist jedoch, wie man in Hollywood in den letzten Jahren versuchte, die Formel zu verbessern.

Als Daniel Craig kürzlich gefragt wurde, ob die James-Bond-Reihe einen Neustart mit einer weiblichen Hauptrolle rebootet werden sollte, sagte er unmissverständlich, dass eine Frau James Bond nicht spielen solle. „Warum sollte eine Frau James Bond spielen, wenn es eine Rolle geben könnte, die genauso gut ist wie James Bond, aber für eine Frau?“ sagte Craig.

Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da, denn die jüngsten Neuauflagen beliebter Franchises wie „Ghostbusters“, „Charlie’s Angels“, „Terminator“, „Ocean’s Eleven“ oder auch „Star Wars“, bei denen die wichtigen Parts von Frauen gespielt wurden, kamen nicht besonders gut beim Publikum an, um es vorsichtig auszudrücken. Aber warum wurden diese weiblichen Neuauflagen abgelehnt? Liegt es am frauenfeindlichen Publikum, wie es viele der Macher dieser Filme als Grund für das Scheitern ihres Projekts anführen? Oder liegt die Schuld bei schlechten Drehbüchern und einem generellen Mangel an Respekt für die Komplexität von Frauen?

Die Antwort ist simpel: Es sind einfach keine guten Filme. Sie setzen auf Wokeness statt auf eine gute Geschichte, und wenn sie an den Kinokassen floppen, ist es eben die Schuld des trotzigen Publikums. Als Elizabeth Banks‘ jüngste Version von „Charlie’s Angels“ an den Kinokassen floppte, gab sie umgehend Männern die Schuld für den kommerziellen Misserfolg ihres Films. Und dabei reden wir hier von einem Remake, dessen Vorlage ein rein weiblich angeführter Films ist. Ein Film, der im Jahr 2000 unglaublich erfolgreich war und an den Kinokassen 264 Millionen Dollar einspielte.

Ähnlich äußerte sich auch Paul Feig, der Regisseur des „Ghostbusters“-Reboot-Flops aus dem Jahr 2016 mit ausschließlich weiblichen Darstellern. Auch für ihn lag die Schuld daran bei „rassistischen und sexistischen“ Trollen.

Jede echte Kritik an Filmen dieser Machart als bloßen Sexismus abzutun, ist vielsagend. Es suggeriert, dass der gesamte Film eher ein Meinungsvehikel der Geschlechterpolitik ist, als eine echte Geschichte. Hier liegt das zentrale Problem dieser Filme. Niemand hat ein Problem mit großartigen Geschichten, die aus der Perspektive gut geschriebener Frauencharaktere erzählt werden. Das eigentliche Problem ist, dass „starke Frauenfiguren“ in weiblichen Reboots eher Karikaturen sind, die nicht mit der nötigen Sorgfalt und Detailgenauigkeit erschaffen wurden.

Mutter aller schlechten weiblichen Charaktere: Die Mary Sue

Die Zielsetzung, einen „starken weiblichen Charakter“ zu schreiben, verhindert leider oftmals die Erschaffung eines echten und fesselnden Charakters und führt zur Begegnung mit der gefürchteten „Mary Sue“. Eine Mary Sue ist eine fiktive weibliche Figur, die keine Schwächen hat. Sie ist nicht interessant, weil sie nicht realistisch ist. Sie ist in jeder Hinsicht perfekt. Sie ist stark, klug, mutig, witzig und hat keine Schwächen, die sie überwinden muss. Sie darf in keinem Bereich ihres Lebens verletzlich, schwach, zerbrechlich oder inkompetent sein. Eine Charakterentwicklung ist daher von Anfang an kaum möglich.

Ein perfektes Beispiel dafür ist Rey aus der neuen „Star Wars“ Trilogie. In der ersten Hälfte des Films ist sie trotz ihrer mangelnden Erfahrung den Männern in ihren Fähigkeiten immer ebenbürtig. Sie steuert den Millennium-Falken ohne die Hilfe eines Co-Piloten und manövriert problemlos zwei TIE-Fighter aus. Sie führt Reparaturen am Schiff durch und weiß intuitiv Dinge, die nicht mal dem ursprünglichen Besitzer Han Solo bekannt sind. Rey ist eine Mary Sue, weil sie niemals an irgendetwas scheitert. Obwohl sie eine Anfängerin ist, beherrscht sie alles, was sie versucht, innerhalb von Minuten. Obwohl sie nie ein Lichtschwert in der Hand hatte, besiegt sie Kylo, den neuen Darth Vader, bereits bei ihrem ersten (!) Zusammentreffen.

Im neuesten Charlie’s Angels-Reboot ist jeder der Engel eine Mary Sue. Sie sind allesamt erfahrene Kämpferinnen, die mit Waffen umgehen und große Männer mit Leichtigkeit ausschalten können. Gleichzeitig sind sie auch streberhafte Chemikerinnen, witzige, gewiefte Betrügerinnen und versierte Technikfreaks. Ihre Geschichte ist einfach uninteressant, weil sie sich in jedem Bereich stets durchsetzen und nie an ihre Grenzen kommen.

Die Auslöschung der Weiblichkeit

Der „starke weibliche Charakter“ soll Frauen zeigen, dass sie genauso stark, intelligent und fähig sein können wie Männer. Frauen gelten als stark, solange sie männliche Ideale von Macht, Stärke, Dominanz, Führung und Durchsetzungsvermögen verkörpern. Weiblichkeit wird zu Unrecht als etwas Negatives dargestellt, das man ablegen, dessen man sich schämen oder das man überwinden muss. Ist es nicht absurd, dass man Frauen Männerrollen gibt und vorgibt, damit Frauen im Geschlechterkampf unter die Arme zu greifen?

Wenn man erfolgreiche, von Männern geführte Kassenschlager neu verfilmt und mit Frauen besetzt bringt Hollywood damit eigentlich zum Ausdruck, man glaube nicht dass Frauen neue, originelle oder einzigartige Geschichten verdienen. Die konkludente Annahme, eine reine Frauenbesetzung könne nur bei Filmen erfolgreich sein, die das Publikum bereits kennt und schätzt, konterkariert die vordergründig feministische Botschaft. Es ist auch nachweislich falsch.

Gut geschriebene, originelle Geschichten mit weiblichen Protagonisten, wie z. B. „Bridesmaids“, „Mean Girls“, „Clueless“ oder „Pitch Perfect“, kommen beim Publikum gut an. Es sollte daher nicht überraschen, wenn Filme mit weiblicher Besetzung floppen, die lediglich eine bereits erzählte Geschichte wiederverwerten, ohne etwas Substanzielles hinzuzufügen. Starke weibliche Protagonisten wie Elen Ripley aus „Aliens“ oder Beatrix Kiddo aus „Kill Bill“ sind nahbare, verletzliche und authentische Charaktere in ihren eigenen Geschichten.

Wir brauchen nicht noch mehr weibliche Reboots. Wir brauchen mehr intelligente Drehbücher mit komplexen, ausgefeilten und faszinierenden Charakteren. Vor allem für Frauen.

Bildquelle:

  • Rey_Star_Wars: thegermanz
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