Nahrungsmittel und Energie: Deutschland läuft Gefahr, fatale Fehler zu begehen

Mit Atomkraft ließen sich Energiewende und Russland-Sanktionen leichter regeln.
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Gastbeitrag von THOMAS BRÜGMANN

BERLIN – Um neue Gaslieferquellen zu erschließen, begibt sich Deutschland teilweise in die Hände arabischer Despoten, wie Robert Habecks Verhandlungen mit dem Emirat Katar belegen.

Weil in der „Kornkammer Ukraine“ die Frühjahrsaussaat kriegsbedingt stockt, dürfte es für jeden gerecht denkenden Menschen eine Selbstverständlichkeit sein, alles Erdenkliche für eine Steigerung der deutschen Nahrungsmittelproduktion zu tun. Dies wäre allein schon deshalb ein leichtes Unterfangen, weil in den vergangenen Jahren aus den verschiedensten politischen und ökologischen Gründen Anbauflächen in großem Stil stillgelegt wurden und es auf den verbliebenen Feldern unter anderem zu strikten Fruchtfolge- und Düngungs-Vorgaben kam, die vielleicht ökologisch geboten erscheinen, aber in keinem Falle einer Ertragsmaximierung dienten.

Doch statt angesichts der für das nächste Jahr absehbaren Nahrungsmittelknappheit der deutschen Landwirtschaft die Erlaubnis zu geben, so viel wie nur möglich zu produzieren, möchte der deutsche Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) auch weiterhin auf die Bremse treten. Weil die Versorgung der Europäischen Union mit Weizen nicht gefährdet sei, dürfe man die „ersten Schritte“ der europäischen Agrarpolitik hin zur Förderung einer klima- und umweltschonenden Landwirtschaft nicht zurückstellen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Weltweit nehmen Ideologen wie Özdemir Hunger und soziale Unruhen in den ärmsten Ländern der Welt offenbar bewusst in Kauf, weil sie das von ihnen für die fernere Zukunft ausgerufene Ziel eines angeblichen „Klimaschutzes“ nicht einmal um ein paar Jahre hinausschieben wollen. Sie berufen sich dabei auf meteorologische Modelle, mit denen es sich angeblich auf Jahrzehnte hinaus genau berechnen lässt, welcher CO2-Ausstoß jetzt zu welcher Erderwärmung in zum Beispiel 50 Jahren führen soll. Gleichzeitig ist es der meteorologischen Forschung aber heute noch nicht möglich, mit Berechnungsmodellen aufzuwarten, mit denen das morgige Wetter mit Sicherheit vorhergesagt werden könnte. Es gebe dafür – so lautet die ständige Begründung und Entschuldigung – ganz einfach noch viel zu viele unbekannte Wirkungszusammenhänge. Komisch, dass dies nur für das morgige Wetter gilt, nicht aber für das grundsätzliche Wettergeschehen in 50 Jahren…

Ohne die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit des Umweltschutzes an sich in Frage zu stellen, muss doch der an Özdemir und seine grünen Genossen gerichtete Vorwurf eines gewissen Zynismus gestattet sein, weil sie ganz offenkundig ihre grüne Ideologie über die Gefahr des Hungers und des Todes von Menschen stellen. Und gleichzeitig, auch das muss gesagt sein, spielen sie damit Russland nur in die Hände. Denn neuer Hunger in der Dritten Welt oder in manchen arabischen Staaten würde zwangsläufig zu einem neuen Migrationsdruck in Richtung Westeuropa führen.

Einen ähnlich fatalen Fehler begeht nach Auffassung mancher anderer Experten auch der ebenfalls grüne Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. Es ist zwar richtig, wenn er derzeit versucht, neue Gaslieferquellen zu erschließen, wenngleich sich Deutschland damit teilweise (man denke nur an die arabischen Staaten) auch in die Hände weiterer Despoten begeben wird. Doch gleichzeitig übersieht der ebenfalls ideologiegetriebene Habeck die Möglichkeit des problemlosen Weiterbetriebs von sechs deutschen Kernkraftwerken (die drei per 31.12.2021 stillgelegten und die drei noch für den Rest dieses Jahres betrie­benen Anlagen).

Würden sie weiterhin betrieben, könnten sie den für die Stromerzeugung erforderlichen Erdgasbedarf verlässlich um zwölf Prozent senken. Obwohl diese Zahl auch dem Wirtschaftsministerium bekannt sein muss, sieht man dort in einer Kernkraftwerk-Laufzeitverlängerung „nur einen sehr begrenzten Beitrag“ zur Lösung des Energie-Debakels, das uns erwartet. Auch hier wird der deutsche Kernkraft-Verzicht letztlich zu Lasten derjenigen Länder gehen, die zur Stromerzeugung weitgehend auf den Bezug von Kohle oder Gas angewiesen bleiben. Und er wird einigen Nachbarländern Deutschlands beim Weiterbetrieb alter Kernkraftwerke helfen, deren Sicherheitsstandards längst nicht die deutschen Normen erreichen. Der Ukraine-Krieg und die als Antwort darauf verschärften Wirtschaftssanktionen gegen Russland haben mehr als deutlich gemacht, dass sich die Welt zugleich in einem globalen Wirtschaftskrieg befindet. Dieser wird aus bekanntem und anerkanntem Grund derzeit vor allem gegen Russland geführt.

Doch das Blatt könnte sich schnell wenden (oder gar erweitern) – und dann würde China zu unserem auch öffentlich erklärten „Angstgegner“. Geht es nach Habeck, Özdemir und Kollegen, wird insbesondere Deutschland dem dann herrschenden Treiben noch weitaus schutzloser als bisher ausgeliefert sein. Man kann dies ablehnen oder auch nicht – die Ehrlichkeit gegenüber den deutschen Wählern würde jetzt eine offene Diskussion über diese Frage und die Gründe nahelegen. Doch dazu fehlt den entscheidenden Personen offenbar der Mut.

Dipl. Ök. Thomas Brügmann
ist Herausgeber des Informationsdienstes „Vertrauliche Mitteilungen“ und Präsident des Bundes der Selbständigen, Landesverband Nordrhein-Westfalen, sowie der Bundesvereinigung mittelständischer Unternehmer

Bildquelle:

  • Atomkraftwerk_3: pixabay
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