Oskar Lafontaine verlässt die Polit-Bühne…ich finde es schade

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Liebe Leserinnen und Leser,

der Abschied des Sozialisten Oskar Lafontaine von der Politik berührt mich. Und das als jemand, der Zeit seines Lebens den Sozialismus für eine Schwachsinnsideologie gehalten hat. Weil der Sozialismus und natürlich auch der Kommunismus der Natur des Menschen komplett widerspricht. Wir sind nicht so, das wir unisono alles freiwillig geben für die Gemeinschaft und uns nur das rausnehmen, was wir brauchen. Und wir werden nie so sein, und wenn eine Mehrheit das noch einmal wünscht und durchsetzt, dann wird es ganz problematisch. Was macht man dann mit der verbleibenden Minderheit? Umerziehung? Lagerhaltung? Sozialismus-Impfung? Nein, Sozialismus hat noch nie funktioniert und wird auch nie funktionieren.

Aber ich mag so Typen wie Lafo, die widersprüchlich sind und sich damit aber aus dem politischen Einheitsbrei herausheben.

Wir alle haben uns doch immer wieder die alten Haudegen unserer Zeit zurückgewünscht, wenn wir in der Bundestagsdebatte Frau Nahles oder Marie-Agnes Strack-Zimmermann anhören mussten, bei der der Name Programm ist. Obwohl…, auch Frau Nahles war eine bunt schillernde Figur mit ihrer Pippi Langstrumpf-Variante am Rednerpult. Das musst Du erstmal bringen im Hohen Haus…

Nein, der Oskar hat(te) schon was. Ein Political Animal durch und durch, aber nicht glattgebürstet. Ein Sozialist und gleichzeitg Liebhaber französischer Weine und elsässischer Küche. Knapp überlebte er ein Messerattentat 1990, als ihm bei einem Wahlkampfauftritt in Köln die psychisch kranke Adelheid Streidel mit einem Messer in den Hals stach. Dann das tiefe Zerwürfnis mit Kanzler Gerhard Schröder und seiner Politik, Rücktritt als Minister, Austritt aus der SPD und dann Gründung einer neuen Partei, die später leider mit einer an sich überflüssigen Partei verschmolz.

Wie gesagt: Ich mag richtige Typen, egal, wo sie politisch stehen, nur gradlinig müssen sie halt sein. Was hat der Mann mediale und politische Prügel bekommen, als er sich 2017 öffentlich für die Abschiebung von Flüchtlingen aussprach. Ein Anführer der Linken, die einst alle „Hoch, die in-ter-nationaaale So-li-da-ri-tääät“ auf Demos gebrüllt hatten – und er fordert konsequente Abschiebungen, wozu ein großer Teil der Merkel-Hypnotisierten in der Union nicht imstande waren. Einfach nur gut.

Und ich mag übrigens auch, dass Oskar mit der 26 Jahren jüngeren Sarah Wagenknecht verheiratet ist und irgendwo in einem kleinen Ort im Saarland lebt. Die werden sich beim Rotwein garantiert immer etwas zu erzählen und zu streiten haben. Älterer Mann, jüngere Frau – beide scharfsinnig und politisch – perfekt.

Also, was immer Oskar Lafontaine macht, wenn er in den Ruhestand geht, ich wünsche ihm Glück und viel Freude im zukünftigen Leben. Auch wenn ich ihn nie, nie, niemals gewählt hätte.

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.