NEW YORK – Mit unmissverständlichen Worten wandte sich gestern der polnische Außenminister Radosław Sikorski im UN-Sicherheitsrat an den den russischen Außenminister Sergej Lawrow. Sikorski durchbrach alle diplomatischen Gepflogenheiten und sorgte mit seinem Auftritt – nicht zum ersten Mal – für weltweites Aufsehen.
Direkt an Wawros gewandt sprach er den Amtskollegen it Vornamen an, um die Eindringlichkeit seines Appells mzu unterstreichen: „Sergey, I know you’re listening. Tell your boss: enough is enough.“ Übersetzt: Sergej, ich weiß, dass Sie zuhören. Sagen Sie Ihrem Boss: Es reicht,,,
Sikorski stellte klar, dass die internationale Gemeinschaft die andauernde Aggression, die Zerstörung und das unendliche Leid, das Russland über die Ukraine gebracht wird, nicht länger tatenlos hinnehmen wird.
Zentraler Bestandteil von Sikorskis bemerkenswerter Rede war die schonungslose Analyse des bisherigen Kriegsverlaufs, die er als strategisches und militärisches Desaster für Moskau darstellte.
„Sie versuchen seit mehr als zwölf Jahren, den Donbass zu erobern, und seit über vier Jahren Kiew“, rechnete der polnische Außenminister vor und hielt dem Kreml damit das monumentale Scheitern seiner ursprünglichen Pläne vor Augen. Trotz des massiven Einsatzes von Menschenleben und Ressourcen sei es Russland nicht gelungen, seine strategischen Ziele zu erreichen. Sikorski warnte Lawrow und die russische Führung eindringlich vor der Illusion eines totalen Sieges: „Sie können immer noch viele Menschen töten, aber Sie können nicht gewinnen. Sie können diesen imperialen, selbst gewählten Krieg jederzeit beenden.“
Besonders scharf wies der polnische Chefdiplomat die seit Jahren von Moskau verbreiteten Propagandanarrative zurück, mit denen der Überfall auf das Nachbarland gerechtfertigt werden soll. Lawrow hatte in seinen vorangegangenen Ausführungen erneut die Behauptung aufgestellt, dass der Machtwechsel in Kiew im Jahr 2014 ein „blutiger, vom Westen gesteuerter Putsch“ gewesen sei. Sikorski konterte diese Darstellung mit seiner eigenen, direkten Zeugenschaft. Er erinnerte den Sicherheitsrat daran, dass er im Februar 2014 als damaliger polnischer Außenminister selbst in Kiew vor Ort war, um zwischen der Opposition und der Regierung des damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch zu vermitteln.
„Ich war tatsächlich zusammen mit den Außenministern Deutschlands und Frankreichs dort, und es gab keinen Putsch“, stellte Sikorski klar. Der damalige Präsident Janukowitsch sei vom demokratisch gewählten ukrainischen Parlament verfassungskonform aus dem Amt gewählt worden, nachdem er die Flucht ergriffen hatte. Alles andere seien gezielte russische Desinformationen.
Sikorski beließ es nicht bei der historischen und militärischen Analyse
Er warf der Führung in Moskau vor, die Stabilität des gesamten europäischen Kontinents und der Weltordnung aufs Spiel zu setzen. Gleichzeitig betonte er, dass der Krieg vor allem auch die Zukunft Russlands selbst systematisch zerstöre. Die wirtschaftliche Isolation, der Verlust an geopolitischem Einfluss und der sinnlose Tod zehntausender russischer Soldaten seien der Preis, den die russische Bevölkerung für die imperialen Ambitionen des Kremls zahlen müsse. „Gefährden Sie Europa und die Welt nicht weiter. Hören Sie auf, Russlands Zukunft zu zerstören“, appellierte Sikorski mit Blick auf die verheerenden langfristigen Folgen des Konflikts.
Die Rede stieß im UN-Sicherheitsrat und darüber hinaus auf globale Resonanz. Während die russische Delegation wie gewohnt mit demonstrativer Gleichgültigkeit und der Wiederholung bekannter Phrasen reagierte, sahen viele westliche Diplomaten und Beobachter in Sikorskis Auftritt ein notwendiges Signal der Entschlossenheit. Die polnische Diplomatie hat sich seit Beginn des Konflikts als eine der klarsten und lautesten Stimmen zur Unterstützung der Ukraine und zur Verteidigung des Völkerrechts positioniert. Sikorskis direkte Konfrontation mit Lawrow hat diese Rolle Polens als sicherheitspolitisches Schwergewicht an der NATO-Ostflanke einmal mehr unterstrichen.
Bildquelle:
- Radoslav_Sikorski_POL_UN: polen gov
