Sexueller Missbrauch im Bistum Limburg: Herr Bätzing in der Kritik

ARCHIV - Georg Bätzing ist Bischof von Limburg sowie Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (Archivbild). Foto: Sebastian Gollnow/dpa
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Kurz vor der Eröffnung des Katholikentags in Stuttgart ist auch aus der Kirche Kritik am Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, laut geworden.

«Ich bin perplex und überrascht», sagte der Bischof des gastgebenden Bistums Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, bei der Auftaktpressekonferenz am Mittwoch. «Ich kenne den Umfang jetzt nicht genau, aber ich würde in meiner Diözese so etwas niemals tun.»

Durch die «Zeit»-Beilage «Christ & Welt» war am Dienstag bekannt geworden, dass Bätzing in seinem Limburger Bistum einen Pfarrer trotz Vorwürfen sexueller Belästigung befördert hatte. Der Priester soll demnach im Jahr 2000 eine evangelische Pfarrerin in Ausbildung verbal und körperlich sexuell belästigt haben, später auch eine angehende Gemeindereferentin. Ein Bistumssprecher sagte dazu, Bätzing habe eine Ermahnung gegen den Priester ausgesprochen. Weil der Priester Reue gezeigt und sich entschuldigt habe, habe Bätzing ihn aber doch zum Bezirksdekan ernannt.

Eröffnung am Abend mit dem Bundespräsidenten

Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, wies am Mittwoch darauf hin, dass es sich nach ihrer Kenntnis nicht um strafrechtlich relevante Vorgänge gehandelt habe. «Aber die Frage, warum Bischof Bätzing in dieser Situation den betreffenden Priester dann als Regionaldekan eingesetzt hat, das ist natürlich eine Frage, die wahrscheinlich nicht nur ich mir stelle, und insofern gehe ich schon davon aus, dass hier er zu einem Fehler möglicherweise in der Vergangenheit auch Stellung nehmen muss.»

Der Katholikentag sollte am Mittwochabend in Anwesenheit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnet werden. Das Kirchenfest mit 1500 Veranstaltungen findet erstmals seit vier Jahren wieder in Präsenz statt, allerdings werden viel weniger Teilnehmer erwartet als zuletzt, etwa 25.000. Darunter sind 7000 Mitwirkende. Zum Katholikentag 2018 in Münster waren 90.000 Menschen gekommen.

Angesichts dieses Rückgangs mussten sich die Verantwortlichen fragen lassen, warum der ungleich kleinere Katholikentag in Stuttgart mit zehn Millionen Euro genauso viel koste wie der besucherstarke in Münster und ob es noch gerechtfertigt sei, so viel öffentliches Geld dafür auszugeben. Der Kirchenrechtler Thomas Schüller kritisierte Katholikentage als «kostspielige Strohfeuer ohne Nachhaltigkeit».

Stetter-Karp räumte ein, die Anmeldezahlen hätten nicht nur mit Corona zu tun, sondern auch damit, dass die katholische Kirche durch eine «krisenhafte Situation» gehe. «Es ist bestimmt kein Zufall, dass wir im Programm über 30 Veranstaltungen zu den drängenden Reformfragen in der katholischen Kirche haben.» Dabei gehe es unter anderem um Macht und Gewaltenteilung, die katholische Sexualmoral, den Zugang von Frauen zu allen Ämtern und die verpflichtende Ehelosigkeit der Priester (Zölibat).

Wie soll sich die Kirche zum Ukraine-Krieg verhalten?

Ein anderes überragendes Thema ist der Ukraine-Krieg. Gerade für Christen stelle der russische Angriff eine Herausforderung dar, sagte Stetter-Karp der Deutschen Presse-Agentur. Prinzipiell seien Christen in der Nachfolge von Jesus der Gewaltfreiheit und dem Frieden verpflichtet. «Gleichzeitig können wir seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges den Ukrainern nicht ihr Recht auf einen souveränen Staat, auf ihre Unversehrtheit und ein Leben in Freiheit absprechen. Das führt in der Friedensethik zu massiven Verunsicherungen.»

Stetter-Karp warnte die deutsche Politik angesichts der derzeitigen Rüstungsanstrengungen vor einer Vernachlässigung der Entwicklungspolitik. «Wir fordern, den entwicklungspolitischen Etat gemäß dem Koalitionsvertrag an die Verteidigungsausgaben zu koppeln und nicht etwa zu kürzen», sagte sie. «Wie dringend das ist, zeigen die Erschütterungen der Nahrungsmittelmärkte und die bedrückenden Nachrichten aus Afrika.»

Den Papst nahm Stetter-Karp gegen den Vorwurf in Schutz, sich bisher nicht klar vom russischen Präsidenten Wladimir Putin distanziert zu haben. Sie nehme wahr, dass sich der Papst bemühe, Gesprächswege offenzuhalten, und deshalb eine gewisse Rücksicht nehme. Gleichzeitig habe er in einem Gespräch mit dem Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche aber auch klargestellt, dass er nicht der «Ministrant von Putin» sei.

«Ich finde, das schon ein klares Wort von ihm», sagte Stetter-Karp. «Vielleicht wie manches Mal bei Papst Franziskus ist es nicht ganz leicht, eine Linie und ein Entweder-Oder wahrzunehmen.»

Bildquelle:

  • Bischof Bätzing: dpa
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