Wer sorgt dafür, dass weiter genug Nahrungsmittel für alle da sind?

Noch herrscht Überfluss in deutschen Supermärkten.
Anzeige

GASTBEITRAG von MAIKE SCHULZ-BROERS
Land schafft Verbindung e. V.

Nun tobt dieser Krieg mitten in Europa schon 32 Tage. Man denkt, es ist so weit weg. Und doch sind wir mittendrin.

Und wenn man nun zurückschaut auf den Anfang, gewinnt man den Eindruck, dass dies überhaupt nicht der Anfang war.

Es ist eine lange Verkettung verschiedenster Ereignisse, die in diesem Wahnsinn gipfelt, der den langen Frieden, den wir alle genießen durften, nun beendet hat. Nie hätte ich mir träumen lassen, dass ich mit meinen Kindern solch schreckliche Ereignisse diskutieren, ihnen erklären muss, was dort im Herzen Europas für Gräueltaten passieren. Dieser Krieg bringt vieles zu Tage, über das man sich im normalen Alltag überhaupt keine Gedanken macht. Es ist selbstverständlich, dass man es warm hat, der Strom funktioniert, man im Supermarkt alles bekommt. Die Grundbedürfnisse sind gedeckt.

Die Situation zeigt uns allen nun, wie trügerisch diese Sicherheit ist, in der wir uns alle bewegen. Man stellt fest, dass man abhängig ist. Und dann auch noch vom „Feind“. 55 Prozent unseres Gases beziehen wir aus Russland. Dazu kommt 35 Prozent Steinkohle und 34 Prozent Erdöl. Daraus werden Strom, Wärme, Sprit und auch Dünger für die Produktion von Lebensmitteln erzeugt. Also genau das, was unsere Grundbedürfnisse deckt.

Und was macht unsere Regierung? Geht auf Einkauftour, um die unliebsame Abhängigkeit zu beenden und sich in eine neue zu begeben, die aber deutlich teurer wird. Kostet eine Million „British Thermal Units“ (MMBtu) Erdgas – das entspricht etwa 26,4 Kubikmetern – in der USA gerade einmal 1,90 bis 3,80 US-Dollar, lässt sie sich in Deutschland für 27,20 Dollar verkaufen. Eine Preissteigerung von 1300 Prozent. Und die nimmt man gerne mit, ist Europa darauf ja zwingend angewiesen, weil man sich ja gerne in Abhängigkeiten befindet.

Auch nimmt man billigend in Kauf, mit Ländern Geschäfte zu machen, die mit dem Thema Menschenrechte eher auf Kriegsfuß stehen. Verkündet stolz, man würde im Sommer schon einen großen Gang vorankommen. Der Zweck heiligt die Mittel. (Katar ließ schon mitteilen, dass die gewünschten Lieferungen noch Jahre dauern werden.) Und die Abhängigkeiten werden nicht weniger, sondern verschieben sich nur. Ob man damit besser fährt? Ich stelle das in Frage.

Wer bezahlt das alles?

Den Vogel schießt unser Bundeslandwirtschaftsministerium ab. Cem Özdemir verkündete im Deutschen Bundestag, gehungert würde woanders, man selbst sei nicht betroffen. Aus diesem Grund müsste manweiterhin am Green Deal und Farm to Fork festhalten, um das Klima zu schützen. Ökologische Vorrangflächen werden bei uns nicht freigegeben. Die Europäische Kommission hat hier klar den Weg frei gemacht, mehr zu produzieren, um den Wegfall der Ernten aus Russland und der Ukraine zu kompensieren. Und Deutschland ist wieder im Alleingang unterwegs. Man kann es nicht begreifen.

Auch gibt es in den Nachbarländern Hilfen für Landwirte für Dünger und die Produktion. Und in Deutschland? Wird der Etat noch um weitere 7,5 Prozent gekürzt. Man bekommt sie schon klein, die
eigene Versorgungssicherheit. Hauptsache, wir schützen das Klima. Es scheint noch nicht bei jedem angekommen zu sein, dass das Zeitalter der Dekadenz vor 32 Tagen geendet hat.

Ein großer Wurf unserer Regierung

Einmalig 300 Euro für Selbstständige. Einmalig 100 Euro pro Kind. Verzicht auf 14 Cent Steuern auf den Liter Diesel, 30 Cent beim Benzin. 9 Euro für ein Monatsticket im ÖPNV für jeden. (Kommt der Bauer damit zum Feld?). Und der Hinweis von Ricarda Lang, Vorsitzende der Grünen, man solle jetzt seine Gasheizung ausbauen und nachhaltiger heizen. Womit denn? Wurde nicht gerade in den letzten Jahren darauf hingedrängt, Gasthermen einzubauen? Weg vom bösen Öl?

Noch während derCorona-Pandemie hat Wirtschaftsminister Habeck der Gastronomie empfohlen, man solle jetzt auf Gas umrüsten. Weil man nun Zeit dazu hätte.

Und nun sitze ich hier an meinem Rechner und bin wütend, entsetzt, traurig, enttäuscht. Jeden Tag kommen neue Hiobsbotschaften auf uns eingeprasselt. Die Energiekosten steigen exorbitant, genauso wie die Rohstoffpreise im Nahrungsmittelsektor und im Düngebereich. Und die Angst wächst, dass es nicht nur bei Waffenlieferungen bleibt.

Eine liebe Freundin sagte einmal, dass Enttäuschung das Ende der Täuschung sei. Und sie behält damit Recht. Es ist das Ende der Täuschung. Unsere Regierungen haben es versäumt, uns fit zu machen für die Zukunft. Sie haben nicht erkannt oder erkennen wollen, dass zu viel Abhängigkeit uns angreifbar macht. Man hat sich darauf verlassen, dass man sicher sei im gemeinsamen Netz der Weltgemeinschaft.

Anstatt Europa so weit zu stärken, dass es nur einen kleinen Teil importieren muss, propagiert man den Welthandel, der gerade krachend scheitert. Absehbar schon in den vergangenen zwei Jahren, wo durch die Corona-Pandemie Lieferketten massiv gestört wurden und sich bis heute nicht erholt haben.

Und immer noch dieser furchtbare Krieg. Im Herzen Europas, wo man darauf warten kann, wann er bei uns ankommt. Es wird nicht mehr lange dauern, bis wir die Folgen auch unseres Handels zu spüren bekommen. Wenn die Warenströme zusammenbrechen, weil man den Strom oder Sprit nicht mehr zahlen kann, werden viele schmerzlich erkennen müssen, dass man Ideologie nicht essen kann. Kein Windrad, keine Photovoltaik-Anlage sorgt für Nahrung.

Doch wir Bauern weltweit sorgen dafür. Ob konventionell, Bio oder Ökologisch – jeder bedient seine Klientel. Und noch viele andere Menschen, die durch diesen Krieg ihre bestellten Nahrungsmittel nicht erhalten werden. Wir können das. Wir sind der Anfang.

Ohne uns Bauern gibt es kein Leben

Bildquelle:

  • Supermarkt_Obst_Gemüse: pixabay
Anzeige

Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende

Jetzt spenden (per PayPal)

Jetzt abonnieren