«Wir stehen wir vor einem Scherbenhaufen» – War das der Todesstoß für den „Synodalen Weg“?

Synodalversammlung der katholischen Kirche in Deutschland im Congress Center Messe Frankfurt. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
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FRANKFURT/M. – Herber Rückschlag für den sogenannten „Reformprozess“ im deutschen Katholizismus. Bei einer Synodalversammlung aus Bischöfen, Priestern, kirchlichen Mitarbeitern und Laienvertretern stimmten 21 Bischöfe gegen den Textentwurf zur Liberalisierung der kirchlichen Sexualmoral und brachten den Vorstoß von Herrn Bätzing von der Bischofskonferenz zum Scheitern.

Noch Stunden später herrschte Fassungslosigkeit bei den Modernisierern, bei einigen flossen sogar Tränen. Der Text, der eine Liberalisierung der kirchlichen Sexualmoral anstrebte, stieß zwar in der allgemeinen Abstimmung auf 82 Prozent Zustimmung. Aber nur 33 Bischöfe stimmten für den Text bei 21 Gegenstimmen und zwei Enthaltungen.

Besonders enttäuschend für Bätzing: In der Debatte war dieses Ergebnis nicht absehbar gewesen. Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, rang um Fassung. Wenn sich ein solches Abstimmungsverhalten beim Text über die Rolle der Frauen wiederhole, «stehen wir vor einem Scherbenhaufen», sagte sie.

Fassungslosigkeit, Enttäuschung – und Zorn

Bei einer Krisenaussprache fielen scharfe Worte – ein Delegierter warf den den Bischöfen Feigheit vor. «Es kann doch nicht sein, dass die Gläubigen bei den Bischöfen bleiben müssen, aber die Bischöfe bleiben nicht bei uns!», rief die Ordensschwester Katharina Kluitmann. Die Benediktinerin Philippa Rath sagte, sie fürchte, dass sich die Spaltung zwischen Gläubigen und Bischöfen angesichts solchen Verhaltens vertiefen werde.

Dabei hatte am Vormittag noch Optimismus geherrscht. ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp, sagte, von der Synodalversammlung müsse die Botschaft ausgehen: «Wir haben Power!»

Der Synodale Weg will Veränderungen erreichen in der katholischen Sexualmoral, bei der Rolle von Frauen in der Kirche, beim Umgang mit Macht und beim Zölibat, der verpflichtenden Ehelosigkeit katholischer Priester. Auslöser des Reformprozesses war die massive Vertrauenskrise nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals.

Vatikan stellt sich gegen den Synodalen Weg

Im Juli hatte der Vatikan den deutschen Glaubensbrüdern in einer harschen Stellungnahme mitgeteilt, dass der Synodale Weg «nicht befugt» sei, neue Formen der Leitung und eine neue Ausrichtung der katholischen Lehre und Moral zu entwickeln. Kritiker des Synodalen Wegs sagen, seit dieser Klarstellung sei endgültig offenkundig, dass die Reformbemühungen reine Augenwischerei seien – eine «Illusion»:

Bildquelle:

  • Synodalversammlung: dpa
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