35 Jahre „Junge Freiheit“ – Dieter Stein: „Deswegen müssen wir weitermachen!“

JF-Chefredakteur Dieter Stein präsentiert das neue Layout seiner Zeitung.
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BERLIN – Die Junge Freiheit hat seit Jahrzehnten in den Milieus der deutschen Konservativen eine überragende Bedeutung. Begonnen als Studentenzeitung im A5-Format, kopiert, ist sie heute eine moderne höchst professionelle Zeitung mit Nachrichten, Interviews und Analysen, die man in dieser Qualität in Deutschland nur noch selten findet. TheGermanZ sprach mit dem Mann, dessen Lebenswerk diese Zeitung ist, und der klare Gedanken zu seinem Deutschland hat: Dieter Stein.

Herr Stein, herzlichen Glückwunsch zu 35 Jahren JF und zum neuen Layout! Welche Bedeutung hat Ihre Wochenzeitung für die konservativen Milieus in Deutschland heute?

Von Anfang an waren wir getrieben von der Empörung über die demokratische Unwucht, die wir in unserer Gesellschaft erleben. Neben der großen Repräsentationslücke in den Parlamenten vor allem in der öffentlichen Meinung, wo sich weder in öffentlich-rechtlichen noch privaten Medien Bürger in ihren Ansichten annährend widergespiegelt sehen können. Gerade erst brachte eine repräsentative Umfrage der „Zeit“ ans Licht, daß gut zwei Drittel der Befragten einen zu unkritischen Umgang der Medien mit den Grünen beklagen. Eine INSA-Umfrage für die aktuelle JF ergab, daß sich eine deutliche Mehrheit an der penetranten Verwendung des Gender-Sprechs (Gendersternchen) in den Medien stößt. Warum können sich die Medienmacher im Fernsehen und Rundfunk arrogant darüber hinwegsetzen? Weil sie die Macht haben!

Ich denke wir sind Vorreiter für eine Renaissance der konservativen Publizistik. Es muß möglich sein, den konservativen Faktor in den Medien zu verstärken. Erfreulicherweise hat sich die ganze Szene in den vergangenen zehn Jahren ausgeweitet und ausdifferenziert. Online sind viele neue Nachrichten- und Meinungsseiten entstanden. Dadurch ist uns zwar auch ernstzunehmende journalistische Konkurrenz erwachsen, denken Sie beispielsweise an die Achse des Guten von Henrik M. Broder und an Tichys Einblick – und selbstverständlich „The Germanz“! Aber ich begrüße diese Konkurrenz ausdrücklich. Es ist ein Zeichen, daß konservativ im Kommen ist.

In dieser Woche wird es einen Relaunch geben, und ich weiß, dass Sie Anglizismen nicht mögen. Also auf Deutsch: Was wird neu?

Ich finde Anglizismen so toll, daß wir ihnen sogar eine eigene Rubrik, den „Sprachpranger“ im Kulturteil widmen! Pünktlich zum Jubiläum erscheint die JF in einem neuen Layout: Die Titelseite erhält ein völlig neues Gesicht. Der Kopf verändert sich, auch der JF-Schriftzug – ich hoffe, die Leser sind einverstanden. Auch der Umbruch des Innenteils ändert sich grundlegend, fünf statt sechs Spalten, teils neue Schriften. Wie bei einem Haus, das Sie nach zehn Jahren renovieren, ist auch bei einer Zeitung, selbst einer konservativen, einmal Frühjahrsputz fällig!

Während die Köpfe anderer und kleinerer, aber politisch linkstehender, Medien gern in öffentlich-rechtliche Talkrunden eingeladen werden, bleiben Sie außen vor beim Staatsfunk. Haben die da Angst vor Ihnen?

Das betrifft ja nicht mich oder die JUNGE FREIHEIT alleine. Wir haben es hier mit einem grundsätzlichen Problem zu tun. Einer halbtotalitären Dominanz der Linken in Medien und Gesellschaft: Entgegen allem Gerede von „Toleranz, Offenheit, Buntheit und Diversität“ gibt es ganz bewußt keine gleichberechtigte „Teilhabe“, noch so ein Modewort, für alle politischen Strömungen. In Talkshows gibt es einen permanenten Überhang an linken Journalisten, Schauspielern, Politikern – und nur ab und zu treten ein paar Quotenkonservative auf. Ein klein wenig hat sich das seit dem Auftreten der AfD verändert – doch auch hier werden Vertreter dieser Partei äußerst unterrepräsentiert eingeladen.

Es gibt generell eine unverhohlen demonstrierte Weigerung, ein echtes Pro und Kontra, das diesen Namen verdient, gleichberechtigt zuzulassen. Eine Veränderung dieser Lage kann nur durch eine deutliche Verschiebung der politischen Gewichte in den Parlamenten und eine veränderte Öffentlichkeit über eigene Medien erzwungen werden. Deswegen müssen wir weitermachen.

Sie haben die JF aus dem Nichts aufgebaut, vor 35 Jahren als Studentenzeitung, 400 Auflage, A5-Format. Heute erscheinen Sie wöchentlich im großen Zeitungsformat, haben Sie eine verkaufte Auflage von mehr als 30.000, und 45 Mitarbeiter. Guter Job! Was dürfen wir für die Zukunft erwarten?

Wir setzen entgegen allem Abgesang auf Printmedien weiter auf die gedruckte Zeitung. Für eine journalistisch anspruchsvolle gedruckte Wochenzeitung gibt es auch zukünftig einen Markt. Unsere Vertriebszahlen bestätigen uns übrigens in dieser Annahme. Gleichzeitig arbeiten wir unter Hochdruck am Ausbau der Digitalangebote. Im vergangenen November konnte erfolgreich die Bezahlschranke aktiviert werden und in nächster Zeit werden wir Schritt für Schritt die Zahl der Inhalte über unsere Internetseite erhöhen. Mit JF-TV schließen wir gerade nach der sehr erfolgreichen Doku „Mythos Klimakatastrophe“ jetzt eine zweite Großdokumentation „Mythos Energiewende“ ab, die mit dem Desaster der deutschen Energiepolitik abrechnet.

Bildquelle:

  • Dieter_Stein_Relaunch: junge freiheit
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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.