Bitte rufen Sie mich heute vor 10 Uhr nicht an!

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Liebe Leserinnen und Leser,

wissen Sie, wie das ist, eine Party zu feiern? Einen Geburtstag? Oder gar eine Hochzeit? Mein Ältester heiratet am Freitag, seit Monaten wird geplant, wer mit wem am Tisch sitzt, welche Figuren oben auf die Hochzeitstorte gesteckt werden und ob es in Zeiten von Corona erlaubt ist, Blumen zu streuen und Sekt vor dem Standesamt zu trinken.

Ich hatte am Wochenende meine alljährliche Polit-Party namens Schwarmintelligenz, und ohne mein Kernteam von sechs herausragenden Freunden, würde diese Veranstaltung nicht stattfinden können. Unmöglich. 400 Gäste, drei Tage, und ich möchte, dass sie alle mit dem Gefühl nach Hause fahren, dass sie zu einer großen Familie gehören, die etwas Spektakuläres erlebt haben.

Wenn Sie dann Monate planen und schon die Menü-Folge beim Deutschland-Dinner ausgewählt haben und aus heiterem Himmel sagt Ihnen die Location ab – dann ist das eine ernste Situation. Tatsächlich hätte ich noch vor einer Woche keinen größeren Geldbetrag darauf gewettet, dass der Schwarm 2021 in Essen tatsächlich stattfindet.

Aber er hat stattgefunden, und es war das erhoffte Gemeinschaftserlebnis der Bürgerlichen, die aus allen Teilen Deutschlands ins Ruhrgebiet gekommen waren.

Wenn Sie 62 Jahre jung sind und anstreben, dass alles perfekt funktioniert, ist das eine Herausforderung. Ohne Kerstin, Dietrich, Olga, Joachim, Sabine und Tobi und all die vielen anderen Helfer für Catering, Sicherheit (danke an Tobis Security-Mannschaft, Polizei und LKA), ohne die Techniker, auch Kerstins Kinder und meine Kinder – der Schwarm 2021 hätte nicht stattfinden können.

Warum erzähle ich Ihnen das? Wie bei jeder privaten Party muss improvisiert werden. Beim Get Together am Freitag war es rappelvoll und laut, das Abendessen hätte etwas üppiger und heißer sein können, die Musik (danke an die phantastische Pianistin Maria Danell!) war oft zu laut, und ja, es wäre schön gewesen, am Sonntagmorgen auch noch Mineralwasser und Kaffee im Tagungsraum vorrätig gehabt zu haben. Aber hey, niemand ist nach Essen gefahren wegen des Caterings. Und die Referenten waren dieses Jahr ausnahmslos der Oberhammer.

Aber der entscheidende Faktor für den Erfolg ist der Scharm selbst, sind alle die guten, bürgerliche Menschen, die zusammenkommen, weil sie ein gemeinsames Ziel haben: Etwas für unser Land zu tun, sich zu organisieren, Ideen zu entwickeln, wie wir dieses großartige Deutschland wieder auf einen guten Weg bringen können und die bösen Geister des Sozialismus stoppen und vertreiben.

Wir sind nicht in allem einig, auch unsere Referenten ernteten nicht nur kritiklosen Jubel. Aber was uns unterscheidet von anderen, das ist der Stil der Diskussion und des demokratischen Streites bei uns. Wir hören einander auch zu, wenn uns das, was der andere sagt, einmal nicht gefällt. Beim Schwarm wird niemand ausgebuht oder beschimpft für seine Überzeugungen. Wir wollen gemeinsam etwas verändern, und da ist übrigens auch völlig egal, in welcher Partei jemand Mitglied ist.

Vor drei, vier Tagen habe ich ernsthaft überlegt, den nächsten Schwarm erst in zwei Jahren zu veranstalten. Aber wenn ich dann da oben auf der Bühne stehe und schaue in die Gesichter der großartigen Menschen in den bis auf den letzten Platz besetzten Stuhlreihen, dann weiß ich, dass es weitergehen muss auch 2022.

Vergangene Nacht habe ich zum ersten Mal nach dem Neustart von TheGermanZ Anfang März keinen „Frühen Vogel“ für Sie geschrieben. Ich bin noch vor Mitternacht hundemüde (sind Hunde eigentlich immer müde?) ins Bett meines Hotelzimmers gefallen und wusste, dass ich um sieben Uhr wieder auf den Beinen und draußen sein muss, zwei Tassen schwarzen Kaffee, um acht Uhr Heilige Messe und um 9.30 Uhr frisch geduscht, gebügeltes Hemd auf der Bühne sitzen und halbwegs intelligent moderieren. Ich denke, Sie sehen mir diesen einen verlorenen „Vogel“ nach…

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr Klaus Kelle – bitte vor 10 Uhr nicht anrufen heute!

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.