«Das Begräbnis des Jahrhunderts» Ausnahmezustand vor Staatsakt für die Queen

Menschen campieren vor dem Palace of Westminster am Vorabend der Beerdigung von Königin Elizabeth II. in London. Foto: Christophe Ena/AP/dpa
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LONDON/WINDSOR – Vor dem Staatsbegräbnis für Königin Elizabeth II. herrscht am Montag in Großbritannien der Ausnahmezustand. Fast überall blieben Schulen und Universitäten sowie Geschäfte und Pubs geschlossen. Auf den Straßen Londons werden Hunderttausende Menschen erwartet, die einen Blick auf den Leichenzug erhaschen wollen. An der Trauerfeier in der Westminster Abbey (12.00 Uhr MESZ) nehmen Staats- und Regierungschefs, gekrönte Häupter und Würdenträger aus aller Welt teil. Polizei, Geheimdienste und Anti-Terror-Einheiten koordinieren die wohl größte Sicherheitsoperation, die London je erlebt hat.

Ein Polizeisprecher erklärte, die Aufgabe sei «enorm komplex» und mit nichts in der Geschichte der Stadt vergleichbar – nicht einmal mit dem Platin-Jubiläum der Queen in diesem Juni oder den Olympischen Spielen im Jahr 2012. Unter anderem waren kilometerlange Barrieren, der Einsatz von Überwachungsdrohnen, Motorradeskorten und Pferde- und Hundestaffeln geplant. Mehr als 10.000 Polizisten sollen für Ordnung sorgen. Auf den Dächern werden Scharfschützen positioniert.

In Vorbereitung auf den Leichenzug zur Westminster Abbey war am frühen Morgen die Westminster Hall mit dem Sarg der Monarchin für die Öffentlichkeit geschlossen worden. Noch in der Nacht und bis zum frühen Montagmorgen waren viele Menschen in das älteste Gebäude des britischen Parlaments geströmt, um der Queen die letzte Ehre zu erweisen. Die Warteschlange war allerdings schon am Sonntagabend für neu Ankommende geschlossen worden.

Viele Zelte an der Prozessionsstrecke

Der Sarg, auf dem die Königskrone, Zepter und Reichsapfel ruhen, war seit Mittwoch in der Westminster Hall aufgebahrt. Viele Tausend Menschen hatten sich seither in die kilometerlange Schlange eingereiht und viele Stunden Wartezeit auf sich genommen, um ihren Respekt zu zollen. Viele sprachen anschließend von einer großen Stille in der Halle.

Um 11.44 Uhr (MESZ) wird der Sarg in einer Prozession auf einer von 98 Marinesoldaten gezogenen Lafette – einem für Kanonen bestimmen Wagen – in die nahe Westminster Abbey gebracht. König Charles III., seine drei Geschwister, sowie seine Söhne Prinz William und Prinz Harry sollen erneut dem Sarg zu Fuß das letzte Geleit geben. Hunderttausende Menschen werden auf den Straßen erwartet. Viele sicherten sich schon am Vortag mit Zelten, Schlafsäcken und Campingstühlen ausgerüstet einen Platz an der Prozessionsstrecke. Später wird der Sarg zur Beerdigung nach Schloss Windsor gebracht.

Für die, die nicht anreisen konnten, wird die Trauerfeier in landesweit 125 Kinos und vielen Kirchen übertragen. Auch wurden an öffentlichen Orten Leinwände aufgebaut. Etwa in Nordirland soll das Event in Parks und öffentlichen Gebäuden gezeigt werden.

Der König zeigte sich in einer Mitteilung am Abend «zutiefst berührt» von den vielen Botschaften der Anteilnahme. Der 73-Jährige bedankte sich bei den «unzähligen Menschen, die solch eine Stütze und Trost für meine Familie und mich in dieser Zeit der Trauer waren». Am Abend vor dem Begräbnis verbreitete der Buckingham Palace ein bisher unveröffentlichtes Foto der gestorbenen Monarchin. Darauf ist Elizabeth II. strahlend lächelnd in einem hellblauen Kleid und mit ihrem Perlenschmuck zu sehen. Das Foto wurde im Mai kurz vor dem Platin-Jubiläum in Schloss Windsor aufgenommen.

«Das ist das Begräbnis des Jahrhunderts»

Zu den etwa 2000 Trauergästen in der Westminster Abbey gehören US-Präsident Joe Biden, Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der japanische Kaiser Naruhito mit ihren jeweiligen Partnerinnen. Auch der schwedische König Carl Gustaf und Königin Silvia sowie der spanische König Felipe und Königin Letizia zollten bereits am Sarg ihren Respekt.

Die BBC zitierte einen ausländischen Diplomaten mit den Worten: «Das ist das Begräbnis des Jahrhunderts». Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach von einem «Jahrhundertereignis». «Man war es über 70 Jahre gewohnt, sich hinter dieser Königin zu versammeln, und jetzt spüren alle: Da fehlt etwas, und das fehlt eben nicht nur in Großbritannien und in London, sondern es fehlt weltweit», sagte Steinmeier im ZDF-«heute journal».

Bildquelle:

  • Nach dem Tod von Königin Elizabeth II.: dpa
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