Der Boxsport und ich

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von KLAUS KELLE

Wladimir Klitschko hat es nicht geschafft, aber er hat sich ordentlich geschlagen gegen den alten und neuen Weltmeister Anthony Joshua. Im wahrsten Sinne des Wortes. Schon seit Tagen werde ich auf den WM-Kampf von Freunden angesprochen, nur von Männern übrigens. Einer ist sogar gestern nach London geflogen, um dabei zu sein…der allerdings mit seiner Frau.

Ich selbst kann dem Boxen nicht wirklich etwas abgewinnen. Als damals Axel Schulz in Las Vegas gegen George Formeman kämpfte, war ich dabei. Ich fand, Schulz hätte den Sieg verdient gehabt damals. Schon wegen der anschließenden Pressekonferenz. George Foreman mit Sonnenbrille im 5.000-Dollar-Anzug und mit Seidenkrawatte. Und Axel Schulz aus „Tschörmäny“ im T-Shirt mit Basecap. Sein erster Satz vor den Vertretern der Weltpresse bleibt für mich unvergesslich: „Ja, watt soll ick ’n hier getz sagen…?“ Ja, die gute alte Zeit.

Mein ältester und bester Freund ist Sportjournalist in Berlin. Vor 25 Jahren bat er mich mal, ob ich einen Abendtermin für ihn übernehmen könnte in der Box-Bundesliga, ich glaube, es war in Charlottenburg. Für einen Drei-Minuten-Beitrag am nächsten Morgen im Radio. Habe ich gern gemacht und wurde nach dem Wettkampf zum Interview in die Umkleidekabine der Gastgeber gebeten. Und dort stand ich also in Hemd und Krawatte mit meinem Aufnahmegerät und Mikro, umringt von acht splitterfasernackten Muskelpaketen um mich herum und führte dieses Interview über mein Fachgebiet…das Boxen. Wie gesagt, unvergessene Momente. Danke, Ralf!

Tatsächliche Begeisterung fürs Boxen habe ich übrigens tatsächlich als kleiner Junge erlebt. Wenn Cassius Clay boxte, der sich dann bedauerlicherweise in Muhammad Ali umbenannte, war ich dabei – vor dem Schwarz-Weiss-Fernseher. Ich weiß noch, wie mein Vater mich morgens früh um drei Uhr weckte, wenn „Rumble in the Jungle“ aus Zaire (heute Kongo) übertragen wurde. Man sagt, dieses Aufeinandertreffen sei der größte Boxkampf in der Geschichte der Menschheit gewesen. Ali siegte in der achten Runde durch K.o… gegen George Foreman übrigens…

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.