Die Geschichte Chinas ist durchzogen von Eroberungswillen und Gewalt

Anzeige

von DIETRICH KANTEL

Le péril jaune, The Yellow Danger, Die Gelbe Gefahr: So wurde Ende des 19. Jahrhunderts die Befürchtung Europas betitelt, dass Ostasien das Potential besitze, die europäisch-nordamerikanische Machtstellung zu brechen. Während des vorübergehenden Niedergangs Chinas bis 1949 verschwammen solche Befürchtungen. Um seit Mao Zedong neue Nahrung zu erhalten: 1951/59 die völkerrechtswidrige Annexion Tibets durch China. Die Weltgemeinschaft nahm es hin. 1979 überfiel China mit 20 Divisionen, 200.000 Soldaten, 1.000 Kampfpanzern und 700 Flugzeugen den Nachbarn Vietnam. China wähnte das Land nach dem Vietnamkrieg militärisch erschöpft: Fehleinschätzung. Den kampferprobten vietnamesischen Truppen hatte China nichts entgegen zu setzen. Binnen 48 Stunden vernichteten die Vietnamesen drei chinesische Divisionen. Mindestens 10.000 chinesische Soldaten wurden getötet. China musste sich geschlagen zurück ziehen.

Kein Himmlischer Frieden: Brutal nach innen
So aggressiv China sich schon über Jahrtausende nach außen gerierte, so brutal herrscht die alles pseudokommunistische Monopolpartei seit 70 Jahren nach innen.  Die blutige Massakrierung der Demokratiebewegung auf dem Tian-anmen, dem „Platz des Himmlischen Friedens“ mit tausenden Toten und Verletzten, niedergeschossen, mit Panzern platt gewalzt erscheint in der Bluthistorie der kommunistischen Dynastie beinahe als Petitesse. In Deutschland erhob sich Protest dagegen nur kurz: Man hatte mit der Wiedervereinigung zu tun. Aber aus der kommunistischen Bruderpartei, der Noch-SED, heute als DIE LINKE geschönt, gratulierte man noch im Juni 1989 (!) eifrig zur  „erfolgreichen Niederschlagung der Konterrevolution.“

„Mao Zedong war verantwortlich für 70 Millionen Tote in Friedenszeiten“ konstatieren die Mao-Biografen Chang und Halliday in Ihrem Buch „Mao – Das Leben eines Mannes, das Schicksal eines Volkes“ über den Massenmörder an seinem eigenen Volk. Demnach ließ Mao nach der Machtübernahme sogleich verkünden, man habe „800.000 konterrevolutionäre Elemente liquidiert“  habe. Chinas Entsendung von zwangesbeorderten „Freiwilligen“ in den Koreakrieg kostete weitere 900.000 tote Chinesen. Bis zu 43 Millionen Hungertote forderte der verfehlte „Große Sprung“ zur Industrialisierung. Und bis zu 1,8 Millionen Tote forderten die grausamen Kampagnen der Kulturrevolution. So weit nur die Einzelposten.

Aktuell: China begeht Genozid gegen die mehrheitlich muslimischen Uiguren. Sagt jedenfalls mutig das Parlament der Niederlande zusammen mit Amnesty International. Die zehn Millionen Uiguren begehren Autonomie von Peking. Laut Amnesty sind eine Millionen von ihnen verschwunden. Nachrichtslos oder in Konzentrationslagern. In westlicher Berichterstattung beschwichtigend oft „Umerziehungslager“ genannt. Und Peking verkauft das als „freiwillige Berufsbildungszentren zur Verbesserung des Spracherwerbs.“

Neokolonialmacht China
Die europäische Kolonialzeit in Afrika endete im Wesentlichen Mitte der 1960er Jahre. Schnell landeten die ehemaligen Kolonien in den Fängen korrupter Despoten, die Land  und Bevölkerung ausplündern. Bis heute. Während die europäischen Staaten ihre Milliarden an Entwicklungshilfe mit Forderungen an „Good Governance“ und Demokratisierung zu koppeln suchen, hat sich längst ein neuer Player in Afrika etabliert: China. Demokratie, Good Governance, Menschenrechte: egal.

Newcomer China investiert massiv. Aber anders als der Westen: Nur auf Kreditbasis zu knebelnden Konditionen. Und gegen entsprechende Sicherheiten. 90 Milliarden US-Dollar an Krediten sind allein in den vergangenen zehn Jahren aus China an afrikanische Regierungen oder deren Staatsunternehmen geflossen.

Chinesen bauten 45 Kilometer Schienen-Nahverkehr in Nigerias Hauptstadt Abuja. Namibia: Ausbau des Tiefseehafens von Walfischbucht zum Drehkreuz für das südliche Afrika und Erschließung einer neuen Uran-Mine. Für die wachsende Zahl chinesicher Atomkraftwerke. Uganda: eine komplette Autobahn. Äthiopien: eine 750 Kilometer lange Eisenbahnlinie. Angola: 1.300 Kilometer der alten von Portugiesen und Briten gebauten Benguela-Eisenbahn in Stand gesetzt. Die Lokomotiven gleich mitgeliefert. Djibuti: Finanzierung der größten Freihandelszone in ganz Afrika mit 400 Millionen US-Dollar –  gegen Gestattung der Errichtung einer Militärbasis.  Und und und…

Werden die Kredite nicht bedient: China übernimmt sofort das Invest per Zwangsenteignung. Sri Lanka kennt das: Den von China finanzierten Überseehafen der Hauptstadt Colombo konfiszierte China sofort, als die Raten ausblieben. Rechtsgrund: Knebelvertrag. Übrigens: Den griechischen Hauptseehafen Piräus haben inzwischen auch Chinesen gekauft …

Afrika: Chinesische Strafkolonie

Arbeiter liefert China nach Afrika gleich mit. Zehntausende entsenden chinesische (Staats-)Unternehmen. Spezialität, kaum bekannt: Chinesischen Häftlinge, vorzugsweise Schwerverbrecher, erlangen Strafaussetzung, wenn sie sich für mehrere Jahre zu körperlich harter Arbeit gegen Mini-Lohn in chinesischen Afrika-Projekten verdingen. Hauptlohn: Nach Ableistung der Verpflichtungszeit wird die Freiheitsstrafe getilgt. Die Männer sind frei und dürfen, aufgrund Abkommen mit afrikanischen Regierungen in Afrika bleiben und ihre Familien nachholen. So generiert China landeskundige Arbeiter, hilfreich für Folgeprojekte. Und so setzt China Keimzellen für eine Übernahme des Kontinents. Afrikanisches Farmland wird in großen Stil aufgekauft. Zur Sicherung der Ernährung des Reiches der Mitte. Und zweitgrößter Waffenlieferant ist China in Afrika inzwischen auch.

China kommt – Mit Weisheit und List
In Europa kaufen chinesische Unternehmen, direkt oder indirekt staatsgelenkt, reihenweise wertvolle Unternehmen komplett auf und saugen das Know-How ab ins Reich der Mitte. Derweil deutsche Unternehmen in China sich noch immer durchweg mit 49 Prozent an Joint-Ventures begnügen müssen und die chinesischen „Partner“ in Parallelwerken identische Kopien derselben Produkte auf den Markt werfen. Patentschutz ? Nicht in China. Und von der chinesischen Industriespionage in Deutschland bei gleichzeitiger Verfolgung chinesischer Dissidenten durch den chinesischen Geheimdienst in Deutschland spricht die Politik lieber nicht.

Darüber, dass China scheibchenweise die Demokratie in Hongkong gleich- und ausschaltet: Überwiegend konzeptionsloses Wegducken Europas. Und der chinesische Druck auf Taiwan erhöht sich mit zunehmender Aufrüstung Chinas auch.  Gestern Tibet. Heute Hongkong. Morgen Taiwan ? China kommt. Die Geschichte lehrt, dass China auch gewalttätig kommt. Wenn es will und wann es will.

Übrigens: Für Weisheit und List steht in der chinesischen Schriftsprache dasselbe Zeichen.

Bildquelle:

  • China_Terrakotta_Armee: pixabay
Anzeige

Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende

Jetzt spenden (per PayPal)

Jetzt abonnieren