Ein Mann zum Niederknien: Genies wie Elon Musk bringen unsere Welt nach vorn

Eine SpaceX-Rakete in der Erdumlaufbahn

von KLAUS KELLE

NEW YORK – Nachdem der Kurs der SpaceX-Aktie am ersten Tag gleich um mehr als 30 Prozent auf 175 nach oben schoss, kostete sie zum Handelsschluss 160,95 Dollar. Das ist ein Plus von 19,22 Prozent, was bedeutet, dass das Vermögen des Gründers Elon Musk derzeit nach Bewertung des „Forbes“-Magazins 1,1 Billionen Dollar beträgt. Das hat noch keiner vor ihm geschafft.

SpaceX bestätigte den Verkauf von 555.555.555 Aktien zum Ausgabepreis von 135 Dollar – und nimmt damit 75 Milliarden Dollar frisches Geld ein.

SpaceX wird mit all dem zum siebtwertvollsten börsennotierten Unternehmen in den USA vor JPMorgan, Meta oder auch Tesla, das Musk ebenfalls gehört.

Bei all dem muss man wissen, dass SpaceX im vergangenen Jahr fast fünf Millionen Dollar Miese erwirtschaftet hatte bei einem Umsatz von 18,67 Milliarden.

Grund sind die enormen Kosten für die Entwicklung der „Starship“-Rakete, die wichtig für den Ausbau des Satelliteninternet-Dienstes „Starlink“ und das geplante KI-Rechenzentrum im All sein wird.
Anders als bei den meisten üblichen Börsengängen investieren die Aktionäre nicht in bestehende Werte. Sie geben ihr Geld für eine Vision, besonders aber für einen Mann, den herausragendsten Entrepreneur der Welt: Elon Musk.

Der kam am 28. Juni 1971 in Pretoria (Südafrika) zur Welt und besitzt heute die südafrikanische, die kanadische und natürlich die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.

Seine Kindheit war von der Scheidung der Eltern und üblem Mobbing in der Schule geprägt. Und was macht ein junger Mann, wenn er draußen nicht geliebt wird? Er zieht sich zurück und entdeckt die Welt der Computer für sich.

So entwickelte er bereits im Alter von 12 Jahren ein eigenes Videospiel namens „Blastar“. Das verkaufte er für 500 Dollar an ein Magazin. Mit 17 Jahren verließ er Südafrika, um dem dortigen Militärdienst zu entgehen und finanzielle sowie akademische Chancen in Nordamerika zu nutzen. Musk studierte Physik und Wirtschaft an der University of Pennsylvania.

Die Geschichte dieses Mannes ist so gewaltig, dass es vermutlich den Rahmen einer gedruckten Biografie sprengen würde, wenn man wirklich alle Facetten erzählen möchte. Und die Geschichte ist ja noch lange nicht vorbei.

1995 brach Musk sein Promotionsstudium an der Stanford University nach nur zwei Tagen ab, um das Internet-Unternehmen „Zip2“ gemeinsam mit seinem Bruder zu gründen. Die Firma entwickelte digitale Branchenverzeichnisse und Stadtpläne für Zeitungen. 1999 kaufte der Computerriese Compaq das Start-up für über 300 Millionen US-Dollar.

Musk erhielt daraus persönlich rund 22 Millionen Dollar

Sein gesamtes neu gewonnenes Vermögen steckte er direkt in das nächste Projekt: die Online-Bank „X.com“. Nach einer Fusion mit dem Konkurrenten „Confinity“ entstand daraus der Online-Bezahldienst „PayPal“. Als das Auktionshaus eBay PayPal im Jahr 2002 für 1,5 Milliarden US-Dollar erwarb, kassierte Musk als größter Aktionär davon rund 165 Millionen Dollar.

An diesem Punkt hätten sich wohl die meisten von uns zur Ruhe gesetzt, eine Villa in Malibu, einen Golfplatz in Schottland und eine Yacht mit 12 Mann Besatzung in Nizza angeschafft und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.

Aber so sind solche Leute nicht. Sie stehen rund um die Uhr unter Strom. Sie schlafen wenig. Am Steuer ihres Autos, in der Badewanne, auf der Toilette – ihr Gehirn spuckt ohne Pause Gedanken aus, die sich ums Geschäft drehen. Solche Menschen haben eine Frau, Kinder und Enkel – klar, aber sie lassen Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke vom Lebenspartner aussuchen, einkaufen und hübsch verpacken.

Und wenn Hochzeit oder etwas anderes in der Familie ist, dann kommen sie und stellen sich gut gelaunt und aus Überzeugung in die Mitte für das Familienbild auf. Aber glauben Sie mir, im ersten unbeobachteten Moment verschwinden sie mit ihrem Smartphone kurz um die Ecke, um irgendwas Wichtiges zu klären.

Aber ein Elon Musk ist kein Lebemann, der morgens im schwarzen Seidenhausmantel auf der Terrasse steht, sein Land bis zum Horizont betrachtet und sich dabei ein perfekt gekühltes Fläschchen Moët & Chandon in den Kopf schüttet. Solche Leute kommen niemals zur Ruhe, solange sie leben.

Sein ansehnliches Vermögen durch den PayPal-Deal steckte der Mann aus Südafrika in die Gründung von SpaceX (2002) und bald darauf von Tesla (2004). Keine Selbstläufer – beide Unternehmen standen mehrfach vor der Pleite. Heute gehören sie zu den wertvollsten der Welt.

Sie wissen, ich habe ein ambivalentes Verhältnis zum US-Präsidenten Donald Trump

Er macht nicht alles falsch, er macht auch nicht alles richtig. Die Art, wie er mit Gegnern, Journalisten und Frauen umgeht, stößt mich ab. Ich finde auch seine Frisur seltsam.

Aber es gibt Facetten von Trump, die mich total faszinieren. Ich meine, seien wir ehrlich: Viele von uns – ich auch – haben vor zweieinhalb Jahren gedacht, dass Trump nach seinen Prozessen und Skandalen im Gefängnis enden wird. Und jetzt sitzt er wieder am Schreibtisch im Oval Office.

Ich erzähle das hier am Rande, weil ein kurzer Satz von Trump, gehalten vor einer Abschlussklasse an irgendeiner amerikanischen Hochschule, bis heute mein Lebensmotto ist: „Never ever quit“. Egal, wie düster es gerade ist, egal, welche unerwarteten Widrigkeiten irgendwo auftauchen und Ihr Unternehmen und Ihre Pläne, ja Ihr Leben gefährden. Wenn Sie etwas können, resignieren Sie niemals, geben Sie – verdammt noch mal – niemals auf!

Es ist diese Kategorie Mensch, die die Welt und die Menschheit voranbringt

Elon Musk gehört ganz vorn dazu, vielleicht ist er vor den Augen der Geschichte sogar der Größte. Aber er ist bei Weitem nicht der einzige dieser Spezies.

Persönlich bewundere ich den Verleger Rupert Murdoch, übrigens auch aus Australien, der global ein ganz großes Medien-Rad gedreht hat, das seine Nachkommen zwar völlig zerstritten, aber irgendwie erfolgreich bis heute weiterdrehen.

Rupert Murdoch, dem einst ein Gerichtsvollzieher alle Kreditkarten wegnahm, weil er fast pleite war, obwohl er ein Milliardenimperium aus Zeitungen und Sendern auf der ganzen Welt besaß. Und der einen Insolvenzverwalter darum bat, Geld für einen neuen Anzug zu bekommen, weil er zu einem wichtigen geschäftlichen Termin müsse. Ach, wie ich solche Geschichten liebe…

Es sind immer einzelne Menschen, die Herausragendes leisten und die Welt deutliche Schritte voranbringen.

Es ist nie ein „Kollektiv“

Kommunisten können etwas zusammenschrauben, was kreative Menschen in Freiheit ersonnen und entwickelt haben. Sie können etwas klauen, Konstruktionspläne und chemische Formeln, aber sie sind unfähig zu denken wie ein Elon Musk oder ein Jeff Bezos (Amazon), ein Bill Gates (Microsoft), ein Steve Jobs (Apple). Freiheit und Kapitalismus/Marktwirtschaft – das ist der Nährboden für Kreativität, für Denken ohne Schranken.

Denken Sie an den König des KI-Zeitalters: Jensen Huang, der Nvidia vom Grafikkarten-Hersteller zum wertvollsten Chiphersteller der Welt ausbaute, dessen Hardware die Basis für die globale KI-Infrastruktur liefert. Oder Bernard Arnault, den erfolgreichsten Nicht-Tech-Unternehmer der Moderne, der das größte Luxusimperium der Welt (Louis Vuitton, Moët, Hennessy) schuf!

Oder vorher: John D. Rockefeller (Standard Oil), Andrew Carnegie (Carnegie Steel), Henry Ford … es gibt viele Namen, die an dieser Stelle zu nennen wären.

Doch heute dreht es sich um Elon Musk, einen Einwanderer aus Südafrika

Nicht der Reichtum und der Erfolg ist es, was ihn ausmacht.

Es ist seine radikale Risikobereitschaft, die fast übermenschliche Arbeitsmoral, gepaart mit einer kompromisslosen, visionären Denkweise.

Ich gehöre zu denen, die nur vor dem Allerheiligsten in meiner Kirche und beim Heiratsantrag niederknien. Aber der Nächste in der Reihe wäre dann dieser Herr Musk aus Pretoria…

Bildquelle:

  • SpaceX_Rakete_Umlaufbahn: adobe.stock/aleksandr

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Über den Autor

Klaus Kelle
Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für vielgelesene Zeitungen und Internet-Blogs.